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Kriege  gleichzeitig  zu  führen,  oder  in  dem  Momente,  wo  es  den  einen  führte  und  die
Früchte  desselben  noch  nicht  gesichert  hatte,  seine  Beziehung  zu  anderen  Großmächten  zu
compromittiren.  In  dieser  Lage  der  Dinge  wurde  Frankreich  von  Oesterreich  zum  Vermittler
  der  Streitigkeiten  berufen,  also  vollkommen  legitim  durch  einen  der  streitenden
Theile  berufen,  seine  Meinung  geltend  zu  machen.  Daß  Frankreich  die  Erfordernisse  seiner
  Politik  berücksichtigte,  kann  ihm  Niemand  verdenken;  darüber,  daß  es  sie  mit  Mäßigung
  geltend  gemacht  hat,  ist  es,  glaube  ich,  für  das  Publikum  noch  zu  früh,  zu  urtheilen,
und  ich  möchte  Sie  bitten,  dies  der  Aggretiation  der  Regierung  zu  überlassen.  An  uns
trat  die  Frage  heran,  nicht,  ob  wir  es  den  Wünschen  der  Schleswig-Holsteiner  entsprechend
hielten,  sondern  die,  ob  wir  in  der  Europäischen  Lage,  in  der  wir  uns  vor  Wien  befanden,
die  Gesammtheit  dessen,  was  uns  von  Oesterreich  unter  Fränzösischer  Vermittelung  geboten
  wurde,  annehmen  oder  ablehnen  wollten.  Die  Materialien  zur  Entschließung  waren
nicht  eben  in  der  wünschenswerthen  Voll  ständigkeit  gegenwärtig;  Detail-Verhandlungen
unmöglich;  unsere  Communicationen  waren  unterbrochen,  die  Telegramme  brauchten  drei,
mitunter  sechs  Tage,  bevor  sie  aus  den  Europäischen  Residenzen  ins  Hauptquartier  gelangten,
  weil  die  Linien  auf  dem  Kriegsschauplatze  vielfach  abgeschnitten  waren.  Es  war
also  nur  die  allgemeine  Europäische  Lage  und  die  eigene  augenblickliche  Stimmung  als
Motive  zur  Entscheidung  Sr.  Majestät  des  Königs  zu  nehmen.  Wir  hatten  eine  starke
Anlehnung  an  der  unerschütterlichsten  Vertragstreue  Italiens,  die  ich  nicht  genug  rühmen
und  deren  Werth  ich  nicht  hoch  genug  anschlagen  kann.  Die  Italienische  Regierung  hat
der  Versuchung,  sich  durch  ein  Geschenk  Oesterreichs,  des  gemeinschaftlichen  Feindes,  von
dem  Bunde  abziehen  zu  lassen,  mit  großer  Entschiedenheit  widerstanden  und  wir  knüpfen
an  diese  Thatsachen  gegründete  Hoffnungen  auf  die  zukünftigen  freundschaftlichen  und
natürlichen  Beziehungen  zwischen  Deutschland  und  Italien,  aber  ungeachtet  dieser  in  der
Diplomatie  und  auf  dem  Schlachtfelde  werthvollen  Bundesgenossenschaften  entnahmen
wir  der  Gesammtlage  die  Ueberzeugung,  daß  wir  den  Bogen  nicht  zu  straff  spannen  durften,
  daß  es  nicht  angemessen  sei,  durch  Verwerfung  von  Einzelheiten  die  Gesammtheit  des
Errungenen  wieder  in  Frage  zu  stellen  und  ihre  Sicherstellung  vielleicht  von  weiteren
Europäischen  Complicationen  abhängig  zu  machen.  Es  ist  sehr  schwer,  von  Hause  aus  zu
übersehen  und  zu  ermessen,  wie  weit  eine  Discussion  angebotener  Bedingungen  führt,  oft
von  kleinen  Ausgangspunkten  zu  schweren  Differenzen;  ich  habe  selbst  Seiner  Majestät
unumwunden  dazu  gerathen,  wie  die  Vermittelungsvorschläge  vor  uns  gelegt  wurden
à  prendre  ou  à  laisser,  einzuschlagen  und  anzunehmen,  und  nicht  wie  ein  verwegener
Spieler  das  Ganze  nochmals  aufs  Spiel  zu  setzen.  Diesen  Verhältnissen,  m.  H.,  verdankt
  diese  Klausel  in  dem  Vertrage  ihre  Entstehung.  Die  vage  Fassung,  die  sie  erhalten
hat,  läßt  uns  eine  gewisse  Latitude  der  Ausführung;  ich  halte  aber  für  nöthig,  anzuführen,
  daß,  wenn  wir  auch  der  Amendirung  der  Commission  nicht  widersprechen,  wir  uns
doch  unmöglich  durch  die  Commission  und  die  Beschlüsse  des  Landtages  von  Verpflichtungen
  entbinden  lassen  können,  die  wir  eingegangen  sind,  sondern  wir  müssen  sie  halten,
aber  wir  werden  sie  so  zur  Ausführung  bringen,  daß  über  die  Abstimmung,  auf  deren
Grund  wir  verfahren,  über  deren  Freiwilligkeit  und  Unabhängigkeit  und  über  den  definitiven
  Willen,  der  dadurch  kundgegeben  wird,  kein  Zweifel  bleibt.  —  Ich  weiß  nicht,  ob
die  Discussion  weiter  fortgeführt  wird  oder  ob  ein  baldiger  Schlußantrag  bevorsteht.
Sollte  Ersteres  der  Fall  sein,  so  möchte  ich  die  Herren  darum  bitten,  die  Discussion  in
diesem  Momente  doch  nicht  zur  Ablagerung  von  mehr  oder  weniger  feindseligen  Parteiansichten
  zu  benutzen,  sondern  in  diesem  Augenblicke  den  Blick  nur  nach  außen  zu  richten
und  die  Nothwendigkeit  im  Auge  zu  behalten,  daß  wir  Rücken  an  Rücken  stehen  und  das
Gesicht  dem  Auslande  zuwenden  müssen,  um  gemeinschaftlich  unsere  Interessen  zu  wahren.
Es  würde  mir  um  so  lieber  sein,  als  ich  leider  nicht  im  Stande  bin,  der  Discussion  bis
zum  Ende  beizuwohnen,  indem  ich  um  diese  Zeit  nothwendig  bei  den  Verhandlungen  der
Norddeutschen  Bevollmächtigten  werde  zugegen  sein  müssen.

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