Eine  Chronik  schreibt  nur  derjenige,
dem  die  Gegenwart  wichtig  ist.«

Schriften  der  Ooetlie-Oesellschaft,  21.  Bd.  1907;
Ooethe  Maximen  und  Reflexionen  S.  56.

ET  TRITE  on  nu  IE

Unser  Familion-  oder  Eschlachs  Namen,
deren  Bedeutung,  Sinn  und  Ursprung.  &gt;  -

Von  Ernst  Gaulke,  Magdeburg.

„Vergangenheit  entsteigt  dem  dunklen  Orab
Und  gibt  uns  manche  wundersame  Kunde.“

In  der  weitaus  grössten  Zahl  erscheinen
uns  unsere  Familien-  oder  Geschlechts-Namen
  —  wenn  wir  nach  ihrem  eigentlichen
Sinne  fragen  —  rätselhaft  und  unverständlich.
Der  Umstand  nun,  dass  es  für  den
Einzelnen  ein  grosses  Interesse  haben  muss,
die  Bedeutung  pp.  seines  Namens  zu  wissen,
sowie  die  Wichtigkeit  dieses  Gegenstandes,
geben  zu  nachstehenden  Betrachtungen
Veranlassung.

Wenn  wir  bedenken,  dass  der  Mensch
in  seinem  Namen  so  einen  Begleiter  durch
das  Leben  erhält,  der  ihm  stets  mit
geschlossenem  Visier  zur  Seite  geht,  einen
Gefährten,  der  ihn  von  der  Wiege  bis  zur
Bahre  geleitet  und  dennoch  in  seinem
Wesen  nicht  erkannt  wird,  stets  nur  sein
Aeusseres,  nie  sein  Inneres  aufweist  —  dessen
wahre  Gestalt  also  verborgen  bleibt  —,  so
ist  dies  doch  im  Grunde  ein  merkwürdig
und  wunderlich  Ding.  —  Wir  bewahren
unseren  Begleiter  trotz  seines  Unerkanntseins
so  sorgsam,  dulden  es  nicht,  dass  er  in
irgend  etwas  verkürzt,  oder  ihm  ein  Buch-“*)

  Diesbezügliche  Auskünfte  erteilt  streng  sachgemäss
  und  gewissenhaft  das  von  langjährigem
erfahrenem  Fachmann  geleitete  Genealogische  Bureau
Gaulke,  Magdeburg,  Peter  Paulstrasse  9.

Archiv  Nr.  2,  VII.  Jahrg.

‚also  vor

stabe  zugesetzt  werde.  —  Da  sollten  wir
uns  um  den  inneren  Gehalt  und  Kern  nicht
bekümmern,  nie  danach  fragen?

‚So  sinnlos  und  bedeutungsleer  ein
solcher  Name  auch  vielfach  erscheinen  mag,
ist  er  doch  etwas  Bedeutungsloses  jedenfalls
  nicht.  Es  ist  kein  leerer  Schall,  welcher
rein  der  Willkür  und  der  Laune  des  Zufalls
sein  Dasein  zu  verdanken  hätte.  Etwas  —
das  kann  hier  im  voraus  versichert  werden  —
etwas  bedeutet  von  Hause  aus  ein  jeder
Name,  und  dieser  Satz  behält  seine  Wahrheit
auch  gegenüber  den.  tausenden  unserer
Familien-Namen,  die  uns  so  dunkel  und
unverständlich  klingen.

Ja,  wie  hat  denn  Sinn  und  Bedeutung
  der  Namen  nur  so  sehr  entschwinden
  können?  —  werden  gewiss
viele  Leser  fragen  —,  das  hat  mehr  als  einen
Grund.  Vor  allen  Dingen  liegt  es  am  Alter
der  Familien-Namen.  Sie  sind  fest  geworden
in  der:  zweiten  Hälfte  des  Mittelalters,
mindestens  500—600  Jahren.
Damals:  sind  dieselben  fest  geworden,
d.  h.  während  bisher  der  Name  vom  Vater
auf  den  Sohn  wechselte,  wie  noch  jetzt  bei
uns  die  Vornamen,  so  befestigte  sich  nunmehr
  allmählich  in  der  Familie  ein  Name,
der  vom  Vater  auf  den  Sohn  überging  und
an  dem  ganzen  Geschlechte  haften  blieb.
Diese  Entwickelung  trat  allerdings  erst  vor
etwa  einem  halben  Jahrtausend  ein;  die
Namen  aber,  welche  sich  damals  als  Familiennamen
  festsetzten,  sind  nicht  erst  damals  auch
entstanden,  sondern  gehen,  als  Personen-Namen,
  meist  weit  höher  hinauf,  bis  in  die
Zeitender  Völkerwanderung,  —  es  braucht  hier
nur  an  die  hervorragendsten  Gestalten  des