Niederdeutschland  in  den  Familiennamen
noch  überall  durch  die  Formen  wie:  Schulte,
Möller,  Flashaar,  Niebuhr  (neben  Neubauer),
Voss,  Utermöhlen,  (»aus  der  Mühle«),  Cassebaum
  (halbniederdeutsch  Kirschbaum)
usw.  Dahin  gehört  besonders  auch  die
grosse  Zahl  von  Verkleinerungsformen  auf
ke,  die  meist  von  einheimischen  oder  auch
ausländischen  Vornamen  herrühren,  z.  B.
Gerike  von  Gerhard,  Jahnke  von  Johannes.
Im  Oberdeutschen  finden  wir  statt  dessen
die  Endung  el,  auch  z,  z.  B.  Dietel,  Dietz
für  Dietrich.  Diese  und  viele  andere  Verkleinerungswörter,
  oder  wenn  man  will
»Schmeichelformen«,  die  sich  vorzugsweise
als  Familiennamen  festgesetzthaben,  erfordern
zu  ihrer  Entzifferung,  wenn  dieselbe  mehr
als  ein  blosses  Raten  sein  soll,  Kenntnis
der  Dialekte  und  ihrer  oft  höchst  eigentümlichen
  Formen.  Wer  möchte  z.  B.  durch
blosses  Vermuten  darauf  kommen,  dass
Hiesel  aus  Matthias,  Gilles  aus  Aegidius,
Grolms  aus  Hieronymus  entstanden  ist!
Nicht  minder  macht  sich  dies  geltend  bei
der  zahlreichen  Klasse  der  von  Beschäftigungen,
  von  Amt  und  Gewerbe  entlehnten
Familiennamen,  da  die  Bezeichnungen  gerade
auf  diesem  Gebiete  landschaftlich  oft  sehr
verschieden  sind.

(Schluss  folgt.)

Das  Geschlecht  Werner  von  Themar  und  dessen
angebliche  Nachkommen,  die  Werner  von  Kreit.

Von  Theodor  Schön.

Adam  Werner  von  Themar,  Licentiatus
juris,  geb.  um  1450  im  Städtchen  Themar
an  der  Werra,  Herzogtum  Sachsen-Meiningen.
Kaiserl.  Rat,  Hofgerichtsbeisitzer  zu  Heidelberg
  1515')  auch  Kammergerichtsadvokat,

1)  Riegger  amönitates,  Freiburg  pagina  108  und
199  führt  einen  Adam  Werner  von  Themar  und
Gedichte  desselben  bei  andern  Schriften  von  1493
und  1499  an.  Ein  Gedicht  von  ihm  steht  vor  des
Gregor  Reisch,  Margarita  philosophica,  Argent.
1504,  4.  Joh.  Trithemius  führt  ilın  in  de  Scriptoribus
ecclesiasticis  Basel  1494,  Fol.,  p.  139b,  mit  grossem

19

auch  eine  Zeit  Ratsadvokat  in  der  Reichsstadt
  Ulm  starb  1537  und  hatte  einen  Sohn
Adam  Werner  von  Themar,  kaiserl.  Rat,
Statthalter  der  Herrschaft  Hohenberg,  gestorben
  7.  Oktober  1559,')  vermählt  erstens
mit  Anna  Sprenkelin,  zweitens  1550  mit
Mechtild,  Tochter  Josefs  Münsinger  von
Frundeck,  welche  den  Hof  Schadenweiler,
O.-A.  Rottenburg,  die  Behausung  auf  dem
Platze  zu  Rottenburg  (-Ehingen)  und  600  Gld.
bares  Geld  als  Heiratgut  ihrem  Manne
zubrachte.

Kinder  erster  Ehe:  1.  Adam  Werner
von  Themar  zu  Schadenweiler,  war  1587  und
1595  Vormund  Adams  von  Ow,  kaufte  seinen
drei  Brüdern  deren  Anteile  von  Schadenweiler
  ab.  Er  heiratete  1.  Agnes,  Tochter  des
Ritters  Otto  v.  Gemmingen  auf  Tiefenbronn
und  der  Marie  Güss  von  Güssenberg,
Witwe  des  am  24.  Juni  1563  gestorbenen
Balthasar  von  Gültlingen  auf  Entringen,
Berneck  und  Sindlingen,  fürstl.  württ.  Erbkämmerers
  (NB.  Die  von  C.  W.  F.L.  Stocker
verfasste  Familienchronik  des  Frh.  von  Gemmingen
  5.339  kennt  Agnes  zweite  Ehe  nicht
undsagt  nur:  »in  Berneck  in  der  Pfarrkirche
sei  ein  Grabstein,  auf  dem  in  der  Mitte  die
Grabaufschrift  Balthasars  von  Gültlingen
steht.  Es  starb  Frau  Agnes  v.  Gültlingen,
geborene  von  Gemyngen  seine  Eeliche  Hausfrau
  anno  15—  uff  —  —  Tag.  Gott  wölle
sy  beiden  inn  ewigen  trösten.  Amen.«  Der
Grabstein  ist  nicht  mit  den  Todesdaten  der
Agnes  ausgefüllt,  weil  Agnes  von  Berneck
fortzog  und  wieder  heiratete)  In  zweiter
Ehe  heiratete  Adam  Werner  von  Themar,
Margarete,  Tochter  Jacobs  von  Ehingen  zu
Sulzau  und  der  Elisabeth  Katharina  Kechler
von  Schwandorf.  Aus  zweiter  Ehe  stammten
Otto  Heinrich  und  Hans.  Ersterer  erhielt
das  Gut  Schadenweiler,  während  sein  Bruder
Hans,  »um  das  Kriegswesen  und  andere
adelige  Sitten  zu  erlernen«  in  fremde  Lande

Lobe  an  und  auch  seine  Schriften.  (Weyermann
neue  Nachrichten  von  Gelehrten  und  Künstlern  aus
der  vormaligen  Reichstadt  Ulm.  Ulm  1629  S.  662.)
Er  zählte  zu  den  Humanisten.

!)  begraben  zu  Reutlingen.