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Selbstsucht.  Man  lachte  der  Heimat,  die
oft  so  rauh  und  karg  gewesen,  nud  zog  an
einen  besseren  Ort;  man  spottete  der  Verwandten,
  die  arm  und  dumm  zurück  blieben.
So  verlor  man  den  Boden  unter  den  Füssen.
Keine  Verwandschaft,  keine  Heimat  stützte
nun  mehr  den  Strauchelnden  und  hielt  den
Sinkenden.  Da  gingen  viele  unter.  Und
aus  der  Erkenntnis  von  der  Ohnmacht  der
eigenen  Kraft  wuchs  langsam  und  sicher,
stark  und  geläutert  eine  andere  Heimatliebe
und  ein  neuer  Familiensinn  empor,  Gefühle,
die  nicht  mehr  unbewusst  und  untätig  in  der
Seele  des  Menschen  schlummern,  sondern
stark  und  wach  nach  Betätigung  streben,
es  wuchs.  ein  bewusster  Familiensinn

und  eine  bewusste  Heimatliebe  heran,

die  nicht  mehr  die  Hände  in  den  Schoss
legen,  sondern  tätig  eingreifen  will,  wo  es
nottut:  aus  dem  Heimatgefühl  von  ehedem
entstand  dieHeimatschutzbewegung  und
aus  der  Pflege  der  Familienüberlieferungen
istdieFamilienforschunghervorgegangen.
Und  diese  ist  jetzt  nicht  mehr  Vorrecht  der
Fürsten  und  Edlen,  sondern  jeder  darf  an  ihr
teilnehmen  und  muss  teilnehmen,  wennanders
er  Heimatliebe  und  Vaterland  hochhalten  will.

So  ergeht  denn  an  alle,  die  sich  ihrer
Aufgabe  bewusst  sind,  die  Brücke  zu  sein
die  von  der  Vergangenheit  zur  Zukunft
führt,  und  unsere  und  der  Väter  Errungenschaften
  den  Enkeln  unversehrt  zu  überliefern,
die  Aufforderung:  treibt  Familienforschung!
  Spürt  den  Fäden,  die  eure  Familie
nach  rückwärts  führen,  soweit  sie  Euch
verloren  gegangen  waren,  sorgsam  nach,
damit  Ihr  Euch  und  Eure  Nachkommen  fest
daran  knüpfen  könnt.  Dann  werdet  Ihr
Kindern  und  Enkeln  einen  sicheren  Faden  in
die  Hand  geben  können,  an  dem  sie  unverzagt
  und  ohne  Furcht  wandeln  werden,  sich
und  ihren  Vorfahren  getreu.  Ihr  aber  könnt
getrost  einst  die  Augen  schliessen.  Ihr  habt
nicht  umsonst  gelebt  und  werdet  nie  vergessen

  werden!
‘  Wer  im  Gedächtnis  seiner  Lieben  lebt
Ist  ja  nicht  tot,  er  ist  nur  fen!  —

Tot  nur  ist,  wer  vergessen  wird.
J.  Chr.  v.  Zedlitz.

Tilisch,  Tillisch,  Thielisch,  Tilesius.

Von  Amtsgerichtssekretär  Thielisch,  Ohlau.

Die  schlesische  Familie  Thielisch  (Thilisch,
Tilisch,  Tillisch,  Tilesius,  Thielisch  von
Rüdigersdorf,  Tilesius  von  Tilenau)  tritt  im
Weichbilde  von  Hirschberg  Schlesien  bereits
  im  Jahre  1380  auf  und  ist  den  seit
dem  16.  Jahrhundert  pleonastisch  als  adlige
Patrizier  bezeichneten  Geschlechtern  zuzuzählen,
  da  zu  österreichischer  Zeit  das
Patriziat  den  Adel  mit  sich  brachte.  Dies

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beweist  schon  der  Umstand,dass  sie  wiederholt
  —  eine  damals  unerlässliche  Bedingung
—  standesgemässe  Ehen  mit  Angehörigen
benachbarter  Adelsgeschlechter  geschlossen
haben,  so  z.  B.  Michael  (um  1490)  mit
Magdalene  Steltzer  von  Steltzenberg,  und
deren  Kinder  Balthasar  und  Katharina  mit
den  Geschwistern  Veronica  und  Balthasar
von  Rüdigersdorf,  und  dass  sie  zu  einer
Zeit,  in  der  das  Stadtregiment  streng  aristokratisch
  war,  die  höchsten  städtischen
Aemter  und  Würden  bekleideten.  Dass
viele  von  ihnen  später  für  immer  in  den
Bürgerstand  übergingen,  lag  wohl  an  ihrem
ausserordentlichen  Kinderreichtum,  infolge-