Eine  notwendige  Inventarisierung.

Von  Pfarrer  K.  Oberländer-Frauenbreitungen.

Ohne  Zweifel  würde  sich  den  Dank  aller
Genealogen  verdienen,  wer  ihnen  ein  zuverlässiges
  Verzeichnis  wenigstens  der  in
Deutschland  vorhandenen  Kirchenbücher
lieferte.  Wie  viele  nur  Zeit  und  Geld
raubende  Anfragen  und  enttäuschende  Antworten
  könnte  es  ersparen!  Wenn  ich  z.  B.
von  vornherein  weiss,  dass  in  Wernshausen
Kirchenbücher  und  Akten  erst  1710  beginnen,
werde  ich  mich  nicht  beim  dortigen  Pfarrer
nach  Familien  des  17.  Jahrhunderts  erkundigen.
  Seither  konnte  es  vorkommen
und  es  ist  vorgekommen!  —,  dass  ein  den
Wert  der  Stammkunde  nicht  kennender
Pfarrer  gar  nicht  wusste,  welches  wichtige
urkundliche  Material  ihm  anvertraut  war,
und  aus  Bequemlichkeit  und  Trägheit  gar
nicht  oder  nur  ganz  ungenügend  oder  ausweichend
  auf  Nachfragen  von  Genealogen
erwiderte.e  Auch  ist  die  Aufbewahrung
namentlich  älterer  Kirchenbücher  nicht  allerorts
  derart,  dass  künftige  Verluste  mit  einiger
Sicherheit  ausgeschlossen  sind.  Da  würde
eine  amtliche  »Enquete«  vielleicht  manchen
Wandel  zum  Bessern  schaffen.  Schon  aus
diesen  Gründen  sollte  eine  Inventarisierung
möglichst  bald  begonnen  werden.  Durch
wen?  Selbstverständlich  könnte  sie  nur  mit
behördlicher  Hilfe  durchgeführt  werden.  Ich
meine  aber,  dass  die  Kirchenregierungen
gerne  die  Herausgabe  eines  Verzeichnisses
der  Kirchenbücher  fördern  würden,  wenn
ihnen,  bei  Lieferung  der  erforderlichen  Fragebogen
  und  Bearbeitung  derselben  von  anderer
Seite,  nur  ganz  geringe  Mühe  erwüclhıse,  und
wenn  ihnen  gesagt  würde,  dass  den  Pfarrämtern
  durch  eine  Bestandsaufnahme  viele

Die  Pfarrei:
gehört  zur  Diözese  etc.:

umfasst  dieOrtschaften
(Wohnplätze):

Frauenbreitungen.

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nutzlose  Fragen  und  Antworten  erspart
blieben.!)  Eines  einzelnen  Vereins  Mittel
und  Kräfte  würde  wohl  die  Inventarisierung
übersteigen;  aber  unsere  genealogischen
Vereine  zusammen,  womöglich  im  Bunde
mit  den  Geschichtsvereinen,  die  wohl  leicht
dafür  zu  interessieren  wären,  würden  die
Arbeit  leisten  können.  Möchte  nicht  unser
»Roland«  die  Sache  in  die  Hand  nehmen?
Am  Besten  würde  das  Werk  wohl  in  Bänden,
die  je  eines  Landes  bezw.  einer  Provinz
Bestand  aufführten,  nach  und  nach  erscheinen.
  Auf  diese  Weise  würde  den  Interessenten
  die  Anschaffung  erleichtert.  Hier
und  da  gibt  es  wohl  schon  Vorarbeiten,  die
verwandt  werden  könnten.  Für  Sachsen-Meiningen
  hat  vor  ungefähr  15  Jahren  schon
der  1903  verstorbene  Pfarrer  E.  v.  Fischern
mit  Hilfe  des  Pfarrvereins  ein  Verzeichnis
aufgestellt;  leider  ist  es  nicht  in  Druck  erschienen
  und  anscheinend  eine  »verlorene
Handschrift«e.  Wie  ich  mir  —  ganz  unmassgeblicher
  Weise  und  über  jeden  Verbesserungsvorschlag
  mich  freuend  —  die  Fragebogen
  für  evangelische  Pfarreien  denke,  geht
aus  Folgendem  hervor:

!)  Vielleicht  würden  auch  die  Behörden  die  Anlage
  von  sogen.  Familienbüchern  oder  Seelenregistern,
die  die  in  den  Kirchenbüchern  sich  findenden  Nachrichten
  übersichtlich  nach  Familien  geordnet  zusammenstellen,
  bei  den  Pfarrern  anregen.  Befehlen
liesse  sie  sich  allerdings,  wenigstens  für  weit  zurückliegende
  Zeiten,  nicht,  da  sie,  wie  ich  aus  eigener
Erfahrung  weiss,  sehr  mühsam  ist  und  viel  Zeit  und
Geduld  erfordert;  wer  nicht  mit  dem  Herzen  bei
der  Arbeit  ist,  wird  sie  auch  kaum  sauber  und  zuverlässig
  liefern.  In  meiner  engeren  Heimat  sind
diese  Register  ziemlich  häufig,  anderwärts  scheinbar
unbekannt.  Ich  halte  sie  für  ein  sehr  nützliches
Hilfsmittel  zur  Führung  des  Pfarramts  und  empfehle
jedem  Amtsbruder  in  seinem  eigenen  Interesse,  sie
wenigstens  für  die  letzten  Generationen  aufzustellen.
Ueber  ihre  praktische  Einrichtung  vergl.  »Deutsches
Pfarrerblatt«  (Dieskau  bei  Halle  a.  S.)  1906,  Nr.  1,
3,  5,  7—9,  10a  und  11.

Diözese  Salzungen,  Kr.  Meiningen,  Herzogtum  Sachsen-Meiningen.

Marktflecken  Frauenbreitungen,  Dorf  Altenbreitungen,  Busshof,
Knollbach,  Neuhof,  Haunhof,  Domänengut  Craimar,  Rittergut
Grumbach,  Dorf  Meimers,  Gut  Farnbach,  Ritter-  bez.  Domänengut
  Sorga,  Rabelsgrube  (einst  Rittergut,  jetzt  unbewohnt);  bis
ins  18.  Jahrhundert  (1722)  auch  Neurode  (jetzt  Wustung)  und
bis  1863  Bairoda  (jetzt  nach  Bad  Liebenstein  gepfarrt).