Zwecken  dienen  könne:  der  Pflege  des  Familiensinnes
  und  der  Erforschung  der  Familiengeschichte.
Wie  der  Festredner  und  Mitbegründer  des  Verbandes,
Pfarrer  Adolf  Klemm  von  Gomaringen,  hervorhob,
darf  der  Verband,  dessen  engerer  Zusammenschluss
erst  vor  10  Jahren  stattfand,  auf  weite  Zeiträume
zurückschauen.  Er  wurde  vorbereitet  durch  die
Genealogischen  Nachrichten  des  Pfarrers  Klemm  in
Hildrizhausen;  deren  erste  Auflage  im  Jahre  1782
erschien,  und  durch  die  weiteren  Bemühungen  zahlreicher
  Mitglieder  seiner  Familie,  die  seine  Arbeiten
fortführten.  Er  stellt  sich  dar  als  eine  Vereinigung
der  gegenwärtigen  Vertreter  aller  Familien,  welche
seit  mehr  als  700  Jahren  den  Namen  Klemm
geführt  haben,  den  jene  Urkunde  des  Bischofs  Timo
von  Bamberg  im  Jahre  1197  nennt,  die  bei  Gelegenheit
des  Familientages  ausgestellt  war.  Kein  Wunder,
wenn  er  sich  da  über  vier  Weltteile  ausgebreitet
hat  und  schon  mehr  als  150  Mitglieder  zählt.

Etwa  70  Vertreter  waren  erschienen:  in  der
Hauptsache  aus  Schwabenland,  dann  aber  auch  aus
weiter  Ferne  von  Danzig,  Eckernförde,  aus  Berlin,
aus  Sachsen,  Thüringen,  München,  Bosnien  (Hauptmann
  Klemm  und  Gemahlin  aus  Banjaluka)  und
aus  Kapstadt.  Die  Hauptversammlung  des  Verbandes
beschäftigte  sich  diesmal  mit  dem  Antrage  Kurt
Klemm  auf  Herausgabe  eines  Genealogischen  Handbuches
  Klemnischer  Familien,  soweit  solche  dem
Verband  angehören.  Dieser  Antrag  wurde  einstimmig
angenonmen  und  finanziell  gesichert.  Dadurch  wird
das  seit  10  Jahren  erscheinende  Archiv  bedeutend
entlastet  und  Raum  für  den  Abdruck  von  Urkunden,

eingehende  Biographien  und  andere  Familiennachrichten
  gewonnen.  Klemms  Archiv  erscheint
jährlich  zweimal  und  enthält  in  den  bis  jetzt

erschienen  21  Nummern  auf  948  Seiten  grossen
Formats  eine  Fülle  von  Kulturbildeın  aus  den  verschiedensten
  Zeiten  und  Orten  deutschen  Lebens
mit  Abbildungen  von  Wappen,  Siegeln,  Denkmälern
und  niit  den  Bildern  verstorbener  Familienglieder.
So  enthält  beispielsweise  die  aus  Anlass  des
Familientages  herausgegebene  neueste  Nummer
das  Siegel  des  Rotenburger  Bürgers  Fritz  Klemm
aus  dem  Jahre  1376  nach  einem  Abdruck  aus  dem
Reichsarchiv  zu  München.  Dieses  wiederholt  abgezeichnete,
  aber  bisher  stets  falsch  wiedergegebene
Siegel  zeigt  so  recht,  wie  notwendig  das  Zurückgehen
auf  die  Originale  ist  und  wie  unzulänglich  sich  alle
Wiedergaben  von  Wappen  erweisen,  die  nicht  auf
dem  Wege  der  modernen  photographisch-chemischen
Verfahren  gewonnen  sind.  Die  gleiche  Nummer
von  Klemms  Archiv  enthält  auch  ein  photographisches
Facsimile  des  ältesten  Eintrags  über  den  Namen
Klenım  aus  dem  Schenkungsbuch  von  St.  Emmeramm,
welcher  der  Zeit  von  1149—1177  angehört.

Wegen  ihrer  Grösse  nicht  vervielfältigt,  aber  in
genauer  photographischer  Wiedergabe  ausgestellt,
war  auch  die  Urkunde  vom  Jahre  1197,  welche
zuerst  Vertreter  einer  seitdem  blühenden  Familie
Klemm  nennt.  Zahlreiche  andere  Urkunden  und
Aktenstücke,  Familienbilder,  Wappen,  Bücher  und
andere  Erinnerungsstücke  füllten  ein  grosses  Zimmer
im  Hotel  Silber,  in  welchem  zum  erstenmal  ein
Teil  des  Klemm-Museums  den  Teilnehmern  an  den
Familientage  vorgeführt  wurde.

Nach  der  Hauptversammlung  fand  das  Festmahl
statt  an  welches  sich  ein  Spaziergang  zur  Uhlandshöhe
schloss,  wo  ein  Gruppenbild  aufgenommen  wurde.
Wie  der  erste,  so  war  auch  der  zweite  Tag  von
herrlichem  Weiter  begünstigt.  Er  wurde  durch  eine
Wagenfahrt  durch  den  Wildpark  nach  dem  herrlich

64

gelegenen  Schloss  Solitude  mit  anschliessender
Familientafel  ausgefüllt.  Am  späten  Abend  fanden
sich  nochmals  die  Festteilnehmer  zu  einem  gemütlichen
Trunk  zusammen  und  erst  am  Dienstag  zerstreuten
sie  sich  wieder,  die  einen  um  an  ihre  Geschäfte
zurückzukeliren,  andere  um  im  Schwarzwald  oder
auf  der  schwäbischen  Alb  die  Schönheiten  der
schwäbischen  Natur  kennen  zu  lernen,  oder  durch
die  Täler  Schwabens  und  Frankens  heimwärts  zu
wandern.  Sämtliche  Teilnehmer  sind  aufs  äusserste
beiriedigt  von  der  schönen,  stimmungsvollen  Feier.

In  der  Privatklagesache  Macco  gegen
Kurz  haben  die  Parteien  folgenden  Vergleich
geschlossen:

Kurz  nimmt  die  in  seiner  Flugschrift
»der  Genealoge  H.  F.  Macco«  enthaltenen
Beleidigungen  gegen  den  Privatkläger  mit
dem  Ausdruck  des  Bedauerns  zurück.
Insbesondere  gibt  er  bezüglich  des  Ueberklebens
  die  Unrichtigkeit  seiner  Annahme
zu,  welche,  wie  sich  ergeben  hat,  auf  einem
Irrtum  beruhte  Er  nimmt  auch  die  Behauptung
  zurück,  dass  Macco  die
Wissenschaft,  als  eine  »milchgebende
Kuh«  ansehe  und  diese  um  des  Erwerbes
willen  betreibe.  Bezüglich  des  Heiratsdatums
  Pastor  hat  Kurz  sich  überzeugt,

dass  nach  den  übereinstimmenden  und
unverdächtigen  Angaben  der  Nächstverwandten,
  Macco  wohl  das  von  ihm

angenommene  Datum  fürrichtighalten
konnte.

Durch  die  von  Kurz  eingesehenen  Unterlagen
  wird  auch  die  Annahme  hinfällig,  dass
Macco  das  von  ihm  angenommene  Datum
aus  unlautern  Motiven  bevorzugt  habe.

Auch  lassen  sich  die  beiden  Daten  miteinander
  vereinigen.  Beklagter  nimmt
daherauch  dieBehauptungderFälschung
und  mangelnderGewissenhaftigkeitin
vollem  Umfange  zurück.

Kläger  zielt  die  Klage  zurück,  ebenso
Beklagter  die  Widerklage,  indem  er  davon
Kenntnis  nimmt,  dass  Kläger  die  den  Gegenstand
  der  Widerklagebildenden  Aeusserungen
bereits  früher  durch  seine  »Berichtigung«
im  »Archiv  für  Stamm-  und  Wappenkunde«
zurückgenommen  hatte.

Die  Prozesskosten  trägt  Kurz.

Aachen,  den  12.  Juli  1907.

Verantwortliche  Schriftleitung  Lor.M.  Rh  eude  ‚  Druck  Gebr.  Vo;  gt  sämtlich  in  Papiermühle  S.-A.