Aus  der  Chronik  sollst  du  lesen,

Wie  es  früher  ist  gewesen,

Deiner  Väter  Schicksals  Wendung,
Wie  sie  Freuden  einst  genossen

Und  das  Leid  sie  nicht  verdrossen
In  dem  Glauben  an  Vollendung,

Wie  sie,  als  am  Ziel  ihr  Streben,

Staub  dem  Staube  mussten  geben.

Hermann  Unbescheid.

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Ein  Kapitel  aus  der  Descentorik.

Von  1.  ©.  Hager  in  Basel.

Soll  zwischen  zweigegebenen  historischen
Persönlichkeiten  das  Abstammungsverhältnis
in  seiner  Vollständigkeit  festgestellt  werden,
so  bietet  hierfür  die  Technik  der  Genealogie
nach  ihrem  gegenwärtigen  Stande  kein
anderes  Mittel  dar,  als  das  nachfolgend  beschriebene.
  Bezeichnen  wir  die  früher
lebende  von  den  beiden  gegebenen  Personen,
also  diejenige,  welche  eventuell  als  ein  Ahn
der  anderen  erkannt  werden  könnte,  mit  A
und  nennen  wir  die  später  lebende  Person,
welche  sich  dann  als  ein  Nachkomme  der
vorgenannten  erweisen  würde,  B.  Wir
müssten  nun,  um  unsern  Zweck  zu  erreichen,
die  Ahnentafel  des  B  aufstellen  und  zwar
in  ihrer  ganzen  theoretischen  Breite,  einschliesslich
  aller  vorkommenden  Wiederholungen,
  und  müssten  diese  Aufstellung
bis  zu  ‘solcher  Höhe  fortsetzen,  dass  entweder
  die  sämtlichen  aufsteigenden  Linien
der  Tafel  bis  in  das  Zeitalter  des  A  hineinreichen,
  worauf  wir,  wenn  bis  dahin  ein
Vorkommen  des  A  nicht  eingetreten  ist,
den  Schluss  ziehen:  dürfen,  dass  eine  Ahnenschaft
  des  A  gegenüber  dem  B  überhaupt
nicht  existiert;  oder  aber,  falls  ein  Auftreten

Archiv  Nr.  5,  VIII.  Jahrg.

des  A  als  Ahn  sich  ergibt,  hat  man  so
lange  Generation  über  Generation  aneinander
zu  reihen,  bis  man  in  eine  solche  gelangt,
wo  A  nicht  mehr  vorkommt,  worauf  man
mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  (nicht  aber
mit  voller  Sicherheit,  wie  unten  gezeigt
werden  soll)  annehmen  darf,  dass  nun  alle
existierenden  Ahnenschaften  des  A  zum  B
berührt  worden  sind.  Hierauf  hätte  man
noch  die  Felder  der  Ahnentafel  mechanisch
abzusuchen  und  diejenigen,  welche  mit  der
Person  A  ausgefüllt  sind,  als  Resultat  der
ganzen  Untersuchung  herauszuschreiben.
Das  ist  nun  freilich  ein  äusserst  mühsames
  Verfahren  und,  wenn  die  beiden  gegebenen
  Personen  in  nur  einigermassen
starkem  Zeitabstand  von  einander  gelebt
haben,  könnte  die  Arbeit  einen  so  riesigen
Umfang  annehmen,  dass  ihre  Ausführung
fast  als  unmöglich  bezeichnet  werden  muss.
Nehmen  wir  z.  B.  für  A  den  Kurfürsten
Albrecht  Achilles  von  Brandenburg,  der  von
1470  bis  1486  in  der  Mark  regiert  hat,  und
für  B  den  jetzigen  Deutschen  Kaiser  und
König  von  Preussen  Wilhelm  Il,  so  gestaltet
  sich  unser  Arbeitsvorgang  folgendermassen.
  Wir  entwerfen  die  Ahnentafel
Sr.  Majestät,  gelangen  in  die  IX.,  X.  XI.
Generation,  noch  immer  ohne  auf  Albrecht
Achilles  gestossen  zu  sein,  müssen  jedoch
fortfahren,  da  erst  wenige  aufsteigende
Zweige  nahe  an  das  Zeitalter  des  Albrecht
Achilles  heranstreifen;  endlich  in  der  Xll.
Ahnenreihe  treffen  wir  ihn  an  und  zwar
zum  ersten  Male  auf  dem  Felde  XIl,  521'),

1)  Alle  Alınenziffern  werden  in  obigen  Erörte--

  rungen  gegeben  werden  nach  demjenigen  Bezifferungssystem,

  welches  ich  in  meinem  im  »Deutschen  Herold«