‘Charlotte,  die  Gemahlin  des  Königs  Friedrich
  I.  von  Preussen.  Weiterhin  verteilen
natürlich  auch  diese  kleinen  Posten  sich  in
lauter  einfache  Abstammungszweige,  bis
dann  noch  weiterhin  alles  wieder  in  die
nächststehenden  Ahnen  des  Kaisers  und
‚schliesslich  in  den  Kaiser  selbst  zusammenläuft.
  Die  letzterwähnten  7  Deszents  sind
übrigens  dieselben,  welche  Herr  Kammerherr
  Dr.  Kekule  v.  Stradonitz  mehrfach  behandelt
  und  zwar  durch  Ernst  Augusis
Gemahlin  Sophie  von  Kurpfalz  -Simmern,
die  sogenannte  »Grosse  Kurfürstin«,  weiter
‚aufwärts  geführt  hat  auf  den  Winterkönig
von  Böhmen,  auf  Jacob  (VI.)  I.  König  von
Grossbritanien,  auf  Maria  Stuart  usw.  und
welche  sich  in  einzelnen  aufsteigenden  Linien
(z.  B.  im  Zweige  Darnley  des  Hauses  Stuart)
noch  hoch  hinauf  verfolgen  lassen  unter
Rein-Erhaltung  der  Zahl  7,  da  von  anderen
Seiten  her  keine  Aszendenzlinien  in  diese
Stämme  einlaufen.

Hiermit  ist  eigentlich  unsere  Aufgabe
gelöst.  Es  empfiehlt  sich  aber,  noch  einen
Hinweis  darauf  zu  geben,  in  welcher  Weise
nun  solche  Erkenntnisse  rein  tatsächlich-ge-‚nealogischer
  Natur,  wie  wir  sie  hier  gewonnen
  haben,  nutzbar  gemacht  werden
könnten,  für  die  Behandlung  der  anthropologischen
  Probleme,  die  ihre  Hoffnung
auf  Unterstützung  vonseiten  der  Genealogie
setzen  müssen.  Der  erste  ernstliche  Versuch
—  denn  die  früheren,  oben  schon  erwähnten
Arbeiten  von  Dejerine  und  anderen  sind
wertlos  —  in  dieser  Richtung  ist  von  Herrn
Dr.  Kekule  von  Stradonitz  unternommen
worden  :in  seinen  »Untersuchungen  von
Vererbungsfragen«'),  welche  er  basiert  auf
die  Degeneration  der  spanischen  Habsburger.
Eine  Frage,  welche  noch  sehr  tiefgründiger
Erörterung  bedürfen  wird,  ist  die:  in  welchem
Stärkeverhältnis  zu  einander  stehen  bei  einer
Vererbung  von  persönlichen  Eigenschaften
auf  die  Kinder  a)  der  Einfluss  des  Vaiers
und  b)  der  Einfluss  der  Mutter,  endlich
c)  welche  andere  Verhältnisse  sind  noch  als
wirksam  zu  betrachten  ausser  den  beiden
elterlichen  Erbschaftsmassen.  Da  bis  jetzt

’)  Archiv  für  Psychiatrie,  Band  35,  Heft  3.

84

schlechterdings  noch  nichts  auf  diesem  Gebiete
  erforscht  ist,  tut  Herr  von  Kekule  gut
daran,  die  denkbar  einfachsten  Verhältnisse
suppositiv  zu  Grund  zu  legen.  Er  sieht
also  von  dem  Moment  c),  von  welchem
man  sich  zur  Zeit  noch  gar  keine  Vorstellung
machen  kann,  vollständig  ab  und  setzt  die
beiden  elterlichen  Einflüsse  einander  gleich,
bringt  sie  also  in  das  mathematische  Verhältnis
  1:1.  Tun  wir  das  Gleiche  in  unserem
vorliegenden  Falle,  so  ergibt  sich  folgendes
Um’  den  Anteil,  den  Albrecht  Achilles  gehabt
hat  an  der  natürlichen  Erbschaftsmasse,  die
sich  in  Kaiser  Wilhelm  Il.  vereinigt,  zu  berechnen,
  müssen  wir  die  Naturanlagen  des
Kaisers  in  262144  unter  sich  gleiche  Teile
zerlegen,  denn  Albrecht  Achilles  kommt
noch  in  der  XVIll.  Generation  der  kaiserlichen
  Ahnentafel  vor,  in  dieser  Generation
aber  stehen  so  viele  Ahnen,  wie  hier  angegeben
  wurde.  Ziehen  wir  nun  die  Anteile,
welche  Albrecht  an  dieser  vielteiligen  Masse
gewinnt,  zusammen  nach  Massgabe  der
oben  festgestellten  Ahnenwertigkeit,  so  erhalten
  wir:

für  Generation  XVIII  9  Antele=  9
„  „  XVII  2X107  »  —  214
"  „  XVI  4X376  ,„  =  1504
„  „  XV  8X409  „  —  3272
„  »  XIV  16X139   ,„  =  2224
„  „  XII  32X11  „=  352
„  „  Xi  64X2  »  —  128

7703

Also  7703  Teile  von  den  262144  sind
verursacht  durch  Albrecht  Achilles,  oder
wenn  wir  das  prozentual  ausdrücken  wollen,
so  stammen  nahezu  3  Proz.  der  dem
Kaiser  durch  seine  Ahnen  zugekommenen
körperlichen  und  geistigen  Erbschaftsmasse
von  Kurfürst  Albrecht  Achilles,  von  jenem
Manne,  welcher  als  der  schönste  seiner
Zeitgenossen  gepriesen  wurde,  der  von  so
kräftigem  Körperbau  und  solcher  Gewandtheit
  in  ritterlichen  Uebungen  war,  dass  er
niemals  im  Turnier  unterlegen  ist,  der  die
Politik  des  Reiches  mit  weiser  Umsicht  und
Tatkraft  unterstützte,  aber  doch  den  Uebergriffen
  Oesterreichs  zu  widerstehen  verstand,
der  die  Mark  Brandenburg  in  den  16  Jahren