seiner  Regierung  um  mindestens  ein  Jahrhundert
  in  der  Kultur  vorwärts  brachte,  von
dem  sorgsamen  Familienhaupt  und  klugen
Hausvater,  der  trotz  seiner  kostspieligen
Kriege  einen  baren  Schatz  von  hunderttausend
  Gulden  hinterliess.

Der  Anteil  von  fast  3°,  ist  für  einen
so  weit  entfernt  stehenden  Ahnen,  der  mit
Tausenden  von  anderen  zusammenwirkt  an
der  Erbschaftsmasse,  ein  enorm  hoher;  es
liegt  hier  eine  Tatsache  vor,  an  der  die
weiter  vorwärts  schreitende  Wissenschaft,
möge  sie  auch  später  andere  Erkenntnisse
gewinnen  über  das  Stärkeverhältnis  zwischen
väterlichem  und  mütterlichem  Einfluss,  sowie
über  die  Mitwirkung  dritter  Umstände,  auf
keinen  Fall  wird  achtlos  vorüberschreiten
können.  Möge  es  der  Wissenschaft  bald
beschieden  sein,  fruchtvoll  schöpfen  zu
können  aus  diesem  noch  unergründeten
Brunnen,  und  dazu  ist  an  erster  Stelle  die
Publikation  der  mathematischen  Methoden  für
genealogische  Untersuchungen  erforderlich.

Eine  Tragödie
aus  einer  oherschwäh.  Patrizierfamilie  [von  Merz).

Das  Patriziergeschlecht  von  Merz  —
eine  bürgerliche  Familie  dieses  Namens,
aus  welcher  wahrscheinlich  die  patrizische
dieses  Namens  hervorgegangen,  existiert
hier  schon  lange  seit  dem  Jahre  1324  —
tauchte  in  der  Reichsstadt  Ravensburg
etwas  vor  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  auf
und  wurde  i.  J.  1741  in  die  »adelige  Gesellschaft
  zum  Esel«  aufgenommen.  Im  Jahre
1741  wurde  Franz  Balthasar  von  Merz,
geboren  zu  Anfang  des  18.  Jahrh.  in  Ravensburg,
  als  Konsulent  und  Kanzleidirektor  der
Reichsstadt  Ravensburg  —  mit  Diplom  vom
28.  Januar  in  den  Reichsadelstand  erhoben,
und  war  katholischer  Stadtamtmann  daselbst
und  von  1750—1787  katholischer  Bürgermeister‘);
  im  städtischen  Schiesshaus  hatte

1)  Zufolge  des  i.  J.  1649  zu  Lindau  getroffenen
Pazifikationsrezesses  mit  der  Reichsstadt  Ravensburg
wurden  in  letzterer  fortan  2  Bürgermeister  und  Stadtamtmänner
  ernannt,  von  jeder  Konfession  (der  katholischen
  und  protestantischen)  einer.

85

sich  noch  lange  eine  von  ihm  1750  bei  Erlangung
  des  Bürgermeisteramts  gestiftete
Scheibe  erhalten.  Eine  zeitlang  war  er  auch
Oberwaldförster  und  kurbairischer  Rat  und
Salzkommissär.  Derselbe  war  mit  Maria
Barbara  geb.  von  Gerer,  einer  Tochter
des  katholischen  Bürgermeisters  Franz
Jos.  von  Gerer  in  Rav.  (von  1740  bis
1742)  verehelicht.  Die  von  Gerer  stammten
von  auswärts  und  wurden  im  Jahre  1736
ins  Ravensburger  Patriziat,  bezw.  in  die
Eselsgesellschaft  aufgenommen.  Nach  dem
30jährigen  Krieg  wurden  in  verschiedenen
süddeutschen  Reichsstädten,  so  ausser
Ravensburg,  auch  in  Ulm  und  Biberach,
zur  Wiederausfüllung  und  Wiederauffrischung
des  nach  und  nach  zusammengegangenen
Patriziates  angesehene  einheimische,  bürgerliche
  und  auch  auswärtige  ‚Persönlichkeiten
namentlich  sogen.  »Graduierte«  herbeigezogen.
  Das  Ehepaar  Franz  Balthasar  von
Merz  und  Maria  Barbara  von  Merz-Gerer
wohnte  in  seinem  eigenen  Hause  in  der
Marktstrasse  Nr.  26,  in  der  heutigen,  dem
Verlagsbuchhändler  O.  Maier  gehörigen  Lehrmittelanstalt,
  in  welchem  die  Witwe  nach
dem  am  16.  5.  1788  erfolgten  Tode  ihres
Mannes  -Bürgermeisters  verblieb  und  verstarb.
  Die  in  Oel  gemalten  Porträts  (Brustbilder
  des  Bürgermeisterpaares)  haben  sich
noch  in  Ravensburg  erhalten  und  sind  zur
Zeit  im  Besitze  einer  Frau  Pfister,  geb.  Lanz.
Noch  i.  Jahre  1770  ward  der  Bürgermeister
von  Merz  von  Kaiser  Joseph  Il.  mit  Münze,
Zoll,  Wage  und  oberstem  Forstamt  im  Altdorfer
  Wald  belehnt  (s.  unter  Buschel  24,
Ravensburg.  Staatsarchiv  in  Stuttgart).  Für
den  verst.  Bürgcrmeister  ist  ein  feierlicher
Jahrtag  mit  Gebeten  an  der  Tumba  in  der
Liebfrauenstadtpfarrkirche  in  Ravensburg
gestiftet,  welcher  noch  jetzt  alljährlich
im  Mai  gehalten  wird.  Ausserdem  war
von  1786—93  ein  Joseph  Ferdinand
von  Mertz,  um  1763  Quartier-  und  Bauherr,
  1782  Kriegskassier  und  kaiserlicher
Postamtsverwalter  in  Ravensburg,  Zollund
  Markt-  Deputierter  im  Ravensburger
Patriziat  eingeschrieben.  Weiter  wird  aus
dem  .  Jahre  1763  ein  Nicolaus  Cajetan