Muster  von  Emsigkeit,  Genügsamkeit  und
jeder  häuslichen  Tugend.  OÖ,  der  Himmel
segne  dich  dafür!  O  welch  eine  Summe  von
Glückseligkeit  haben  diese  bösen  Menschen
zerstört?.  Der  Schlag,  der  dir  bevorsteht,  ist
schrecklich,  er  ähmt  meinen  Muth,  aber  ich
stehe  unter  einem  unerbittlichen  Verhängnis.
Hättest  du  es  vermocht,  mich  langsam  zu
Tode  martern  zu  sehen?  Du  sagtest  mir  soeben
  ahndungsvoll  beim  Abschied:  Ohne
dich  kann  ich  nicht  leben!

Das  fuhr  mir  wie  ein  Blitzstrahl  durch
das  Herz;  ich  war  kaum  imstande,  dir  meinen
schrecklichen  Entschluss  länger  zu  verbergen.
Du  bemerktest,  dass  mir  das  Blut  siedend
durch  die  Adern  rann.  Fasse  dich,  geliebte
Seele,  dem  eisernen  Arme  des  Verhängnisses
karın  Niemand  entgehen.  Erhalte  dich  unsern
hoffnungsvollen  Kindern.  Die  Zeit  wird  allmählig
  diese  Wunde  heilen  und  die  Vernunft
wird  dich  überzeugen,  dass  ich,  um  Euch
zu  retten,  in  Tod  gehen  musste.  Allmählig
wird  dein  natürlicher  Frohsinn  wiederkehren,
dein  edles  Herz  und  dein  gutes,  offenes,  unbefangenes
  Gemüt  werden  dir  überall  Freunde
machen,  und  selbst  der  Schein  von  Grausamkeit,
  mit  der  ich  euch  verliess,  wird
Mitleiden  für  euch  erregen  und  dir  überall
Schutz  gewähren.  Die  Welt  wird  mich  verdammen
  und  dich  ehren  und  das  soll
sie  auch.

Ich  setze  dich  hiemit  zu  meinem  Erben
meines  geringen  Vermögens  ein,  so  wie  du
es  schon  durch  unsern  Heiratsvertrag  bist,
wenn  meine  Verfolger  dir  noch  was  übrig
lassen.  Vergib  mir,  bestes  Weib,  dass  ich
dir  keine  Reichtümer  hinterlassen  kann,  dass
sogar  mein  Erbe  jetzt  kleiner  ist,  als  es
damals  war,  als  ich  dir  eine  Welt  zu  Füssen
gelegt  haben  würde,  wäre  ich  Herr  davon
gewesen.  Der  Glückstern  hat  mir  nie  gelächelt;
  ich  habe  für  den  Staat  redlich  gewirtschaftet,
  aber  mein  eigenes  Vermögen
hat  sich  dabei  vermindert,  und  doch,  du
weisst  es  am  besten,  war  ich  nie  ein  Verschwender.
  Die  Grossmut  des  Königs  wird
dir  vielleicht  das  ersetzen,  was  ich  noch  an
ihn  zu  fordern  habe  und  dann  ist  diese  Lücke
wieder  ausgefüllt.  Wie  sehr  würde  diese

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Tatsache  unsere  Verleumder  beschämen,
wenn  solche  Menschen  einer  Reue  fähig
wären!

Nun  lebe  wohl,  Mutter!  erhalte  dich  für
deine  liebe  holde  Kinder,  ich  beschwöre  dich
noch  einmal  darum.  Ich  danke  Karolinen
für  die  Freundschaft,  die  sie  uns  bisher  erwiesen
  und  bitte  sie,  dich  und  die  Kinder
nicht  zu  verlassen.  Ich  nehme  dein  liebes
sanftes  Bild  mit  in  jene  Welt,  um,  wie
schmeichelt  mir  der  süsse  Traum,  dich  selbst
dort  einstens  wieder  zu  finden?  Mit  herzdurchschneidender
  Wehmut  gebe  ich  dir
mein  letztes  Lebewohl!  Mein  Verhängnis  ruft.
Vergiss  mein  nicht,  du  bis  in  Tod  angebetetes
  Weib!

Augsburg,den  2.Mai  1811,  Nachts  1  Uhr.
Dein  unglücklicher  zärtlicher  Gatte
Max  von  Merz.«

Das  Wappen  dieses  kurzlebigen  Patriziergeschlechtes
  von  Merz  ist  nach  dem  Ravensburger
  »Ratskalender«  aus  dem  vorvorigen
Jahrhundert  (welches  aber  den  Löwenkopf

vorn  geradeaus  und  nicht  auf  die  Seite

blicken  lässt)  und  Tyroff,  bayrisches
Wappenbuch,  VII,  22,  (vergleiche  auch

7
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——

Albertis  württ.  Wappenbuch)  geviertet  blaurot.
  Im  1.  und  4.  Felde  goldenes  Doppelkreuz,
  aus  silbernem  Dreifels  wachsend,  im
2.  und  3.  Feld,  gekrönter  goldner  Löwe,
mit  Ast  in  den  Pranken.  Helm:  gekrönter
Löwenkopf;  dessen  Mähne  die  Helmdecke,