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Ein  glänzend  Los  —  wer  sollte  es  nicht  neiden?
Doch  schätz’  die  Deinen  nicht  nach  Glück  und  Gut,
Auch  den  Geringsten  sollst  du  stolz  nicht  meiden,
Verächtlich  machst  du  sonst  dein  eigen  Blut.

Hermann  Unbescheid.

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Ein  verschollener  Dichter  und  seine  Werke
als  familiengeschichtliche  Quelle.

Von  Walter  Bösken,  Alpen  a.  Niederrhein.

In  der  Kuriositätenecke  meines  Bücherschrankes
  steht  zwischen  anderen  alten  Herren
in  Pergament  und  Schweinsleder  ein  verschollener
  Dichter  des  siebzehnten  Jahrhunderts:
  Michael  Kongehl,  Kurfürstlich
Brandenburgischer  Secretarius  zu  Königsberg
  in  Preussen,  als  Dichter  »beigenamt
Prutenio«.  Von  ihm  erschienen  zwei  Bändchen
Gedichte,  »der  Belustigung  bey  der  Unlust«
erster  und  zweiter  Teil,  zu  Königsberg  »gedruckt
  bey  Friedrich  Reussners  Chur-Fürstl.
und  Academ.  Buchdruckers  Erben«.
Druckjahr  ist  nicht  angegeben,  doch  ergibt
sich  mit  einiger  Sicherheit,  dass  die  beiden
Teile  1681  und  1683  erschienen  sind.  Das
erste  Bändchen  ist  dem  Kurfürsten  Friedrich
Wilhelm  von  Brandenburg  und  seiner  Gemahlin
  gewidmet,  das  zweite  dem  Kurprinzen
  Friedrich  und  seiner  Gemahlin  Elisabeth
  Henriette  von  Hessen,  sowie  dem
Prinzen  Ludwig  und  dessen  Gem.  Luise
Charlotte  von  Radzivi.  Den  Inhalt  des
ersten  Teiles  bilden  »allerhandt  geistliche
Gedichte«,  drunter  eine  Anzahl  Leichengedichte;
  der  zweite  Teil  besteht  hauptsächlich
aus  »Hochzeits--  und  Glückwünschungsgedichten«.
  Auch  als  Dramatiker  hat  sich

Archiv  Nr.  7,  VIII.  Jahrg.

Das

der  Dichter  versucht.  Zwei  Dramen,  »die
vom  Tode  erweckte  Phönizia,  eine  anmuthige
Sizilianische  Geschicht«  und  »der  unschuldig
beschuldigten  Innocentien  Unschuld,  eine
nachdenkliche  Genuesische  Geschicht  in
einem  Misch-Spiel  (Tragico  Comoedia)  auf
die  Schau  Bühne  geführet  von  Michael
Kongehl«,  sind  den  Gedichten  beigebunden.

Ueber  den  Dichter  selbst  geben  gelegentliche
  Aeusserungen,  die  sich  in  den  Gedichten
  hier  und  da  finden,  wenigstens
einigen  Aufschluss.  Michael  Kongehl  stammte
aus  Kreuzburg  in  Preussen.  Aus  einer  Erwähnung
  der  Zeit,  die  er  in  »Saal-Athen«
verlebt,  ist  zu  schliessen,  dass  er  in  Jena
studierte.  Ein  Aufenthalt  in  Nürnberg,  der
wahrscheinlich  in  die  Jahre  1672—74  fällt,
scheint  seine  dichterischen  Neigungen  besonders
  angeregt  und  gefördert  zu  haben
und  hat  ihn  in  nahe  Beziehungen  zu  dem
dortigen  Dichterkreise  gebracht.  Im  Blumenorden
  der  Pegnizschäfer  führte  er  den
Schäfernamen  Prutenio  und  als  Sinnbild  die
Passionsblume  mit  dem  Wahlspruch  »Alles
zur  Ehre  des  Himmels«.  Dieser  Nürnberger
Zeit  gehört  fast  der  ganze  erste  Teil  der
Gedichte  an,  sowie  einige  Hochzeitslieder
und  andere  Stücke  im  zweiten.  Zahlreiche
Stellen  zeugen  von  dem  grossen  Eindruck,
den  die  alte  Reichsstadt,  »die  hochberühmte
Norisburg«,  auf  den  Dichter  gemacht  hat;
noch  in  späteren  Jahren  gedenkt  er  gerne
der  Zeit,  »als  mich  die  tapfre  Norisstadt  drei
Jahr  beinah  bewirtet  hat«.  Nach  Nürnberg
folgte  vielleicht  ein  Aufenthalt  in  Berlin.
Seit  1677  lebte  Kongehl  wieder  in  seiner
ostpreussischen  Heimat  als  kurfürstlicher
Sekretär  zu  Königsberg.