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Äls  Dichter  lernen  wir  ihn  von  mancherlei
Seiten  kennen.  Neben  weitschweifigen  erbaulichen
  Dichtungen  finden  wir  geistliche
Gesänge  im  Tone  bekannter  Kirchenlieder.
Bald  greift  er  in  die  Saiten  zu  Ehren  seines
Landesherrn,  des  grossen  Kurfürsten  und
seines  Hauses,  bald  zu  frohen  und  traurigen
Ereignissen  in  den  Familien  seiner  Mitbürger
und  Freunde.  Schäferlieder  singt  er  »seiner
Amorinde«,  der  »anmutschönen  Margaris«
oder  »der  schönheitzierlichen  Magdalis&lt;;  er
übersetzt  Horazische  Oden  und  in  »Ueberschriften«
  —  so  verdeutscht  er  das  Fremdwort
  Epigramm  —  lässt  er  seinen  Witz
spielen.  Der  »Mischspiele«  der  Tragikomödien,
  wurde  bereits  gedacht.  Eine  Blütenlese
  aus  diesen  Dichtungen  würde  manches
ergötzliche  bieten,  wenn  auch  wenig  von
dem,  was  wir  Poesie  nennen.  Indes  seine
Zeitgenossen  dachten  darüber  jedenfalls
anders.  Sicherlich  galt  »Prutenio,  der  Hirt
aus  Preussen«  seinen  Landsleuten  und
Freunden  als  besonderer  Liebling  der  Musen;
seinen  Werken  fehlte  es  nicht  an  Verehrern.

»Berühmtester  Dichter,  was  soll  ich  dir  dichten?
Was  bring  ich  dir  immer  zu  Ehren  herfür
Herr  Kongehl  du  rechter  Poet,  o  du  Zier
Der  teutschen  Poeten?
Du  schreibst  nicht  allein
Net,  höflich  und  zierlich,  du  bringest  auch  Sachen
In  deinen  hochwertesten  Werken  ans  Licht,
Durch  welche  das  trübe  Gewölke  zerbricht,
Was  würdig  zu  lesen,  was  Freude  kann  machen.«
So  lauten  Anfang  und  Schluss  eines
»Ehrengedichtes«,  das  Heinrich  Julius  Hagemann,
  Pfarrer  zu  Ragnit,  dem  Freunde
widmete.  Das  Los  seines  älteren  Landsmannes,
  des  sinnigen  Simon  Dach,  ist  ihm
jedoch  nicht  gefallen;  von  Kongehls  Liedern
lebt  keines  im  Volk  fort  und  die  Geschichte
deutscher  Dichtung  nennt  seinen  Namen
nicht.  Der  biedere  Königsberger  Secretarius
ist  eben  doch  kein  »berühmtester  Dichter«
gewesen.

Eins  aber  sei  zu  seiner  Ehre  hier  noch
gesagt,  er  war  gut  brandenburgisch  und  gut
deutsch.  Seine  brandenburgische  Gesinnung
bekundet  eine  Reihe  von  Gedichten,  in  denen
er  den  Kurfürsten  Friedrich  Wilhelm  und
dessen  Taten  in  Krieg  und  Frieden  preist.

08

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Gut  deutsch  zeigt  er  sich  in  seiner  Sprache.
Es  war  ja  gerade  die  Zeit,  in  der  die  Französeleı
  in  Deutschland  immer  mehr  überhand
  nahm.  Aber  Kongehl  schrieb  deutsch
ohne  Sprachmengerei.  Auf  Fremdwörter
stösst  man  bei  ihm  äusserst  selten;  er  meidet
sie  sorglich.  In  einem  Hochzeitsgedicht  aus
dem  Jahre  1678  geisselt  er  das  undeutsche
Wesen,  das  sich  in  Sprache  und  Sitte  breit
machte,  durch  folgende  Strophe:

»Neu  muss  unsre  Sprach’  jetzt  klingen;
deutsch  vergisst  schier  deutsch  zu  sein,
will  wer  Complementen  bringen,

und  mischt  kein  Französisch  ein,

ob  er  sonst  schon  gut  vom  Wandel,
glückt  ihm  doch  oft  schlecht  der  Handel
und  wird  ohne  Braut  geschaut;

wer  nur  stuzt  mit  neuen  Moden

knickt  und  bückt  sich  bis  zum  Boden,
der  erhält  die  reichste  Braut.«

Die  Verse  mögen  zugleich  als  Probestücke
  aus  der  »Belustigung  bei  der  Unlust«
dienen.

Auf  mancherlei  abseits  liegende  Quellen
für  die  familiengeschichtliche  Forschung
wurde  in  dieser  Zeitschrift  schon  hingewiesen,
  jedoch  noch  nicht  auf  die  Gelegenheitspoesie,
  die  in  den  Werken  der  Dichter
des  17.  und  18.  Jahrhunderts  selten  fehlt.
Es  sind  aber  gerade  die  Unbekannten  und
Vergessenen,  die  »dei  minorum  gentium«  auf
dem  Parnassus  gewesen,  die  diese  Art  der
Dichtung  besonders  gepflegt  haben.  Damit
komme  ich  zu  dem  eigentlichen  Zweck  dieses
Aufsatzes,  nämlich  zu  zeigen,  wie  reichlichen
familiengeschichtlichen  Stoff  die  zu  Seltenheiten
  gewordenen  Werke  verschollener
Poeten  liefern  können.  Michael  Kongehl  ist
ein  sehr  fruchtbarer  Gelegenheitsdichter  gewesen.
  Hochzeiten  und  Begräbnisse,  Geburts-
  und  Namenstage  liessen  ihn  das
Dichterross  anspornen  zu  oft  ansehnlichen
Leistungen,  ansehnlich  wenigstens  dem  Umfange
  nach.  Die  Leichengedichte,  inhaltlich
an  biblische  Texte  anknüpfend,  lehnen  sich
in  der  Form  meist  an  bekannte  Kirchenlieder.
  Mehr  persönliches  enthalten  die
Hochzeitslieder,  jedoch  liegt  auch  bei  ihnen
das  Wertvollste  in  den  Ueberschriften.  Ich
teile  diese  hier  mit,  soweit  sie  bestimmte