Die  Erhauer  der  Probstei  Zella  hei  Dermbach
(Feldabahn)  und  deren  Wappen.

von  Heinrich  Habbicht.

Wie  die  meisten  Domänen  und  Kammergüter
  ihre  Entstehung  der  Säkularisation
ehemaliger  Klostergüter  zu  verdanken  haben,
so  ist  auch  das  Grossherzogl.  Sachs.  Weim.
Kammergut  Zella  bei  dem  Bezirksstädtchen
Dermbach  im  Eisenacher  Oberlande  aus
einem  vormaligen  Kloster,  der  reichen  Probstei
  Zella,  hervorgegangen,  welche  in  den
Urkunden  auch  Cella  prope  Fischbach,  Cella
St.  Martini  und  Mariazell  genannt  wird.

Die  Gebäude  sind  im  Allgemeinen  noch
wohl  erhalten,  allerdings  nicht  mehr  die
alten,  ursprünglichen,  gehören  vielmehr
einer  neueren  Zeit  an.

Eine  Kirche  soll  schon  im  Jahre  822  zu
Ehren  des  Bonifacius  vom  Erzbischof
Heristulf  zu  Mainz  gestiftet  worden  sein.
Die  im  Jahre  1136  an  ihrer  Stelle  von  Erpho
und  Gertrud  von  Neidhardtshausen  gegründete
  neue  Kirche  wurde  im  Bauernkriege
serstört;  diesem  und  den  Stürmen  des
30  jährigen  Krieges  fiel  auch  das  zugehörige
alte  Benediktiner  Nonnenkloster  zum  Opfer.
Auf  den  Trümmern  der  alten  Gebäude
erstanden  im  Jahre  1715  Kirche  und  Probstei
in  neuer  Pracht.

Im  Jahre  1802  säkularisirt  fiel  der  weitläufige
  Besitz  zunächst  an  das  Fürstliche
Haus  Oranien  -  Nassau  -  Dillenburg;  den
20.  April  1806  nahm  ihn  Napoleon  I.  an
sich,  und  nachdem  er  vorübergehend  (1813  bis
1815)  in  österreichischen  sowie  (1815—1816)
in  preussischen  Händen  sich  befunden  hatte,
wurde  er  dem  Grossherzogtum  Sachsen-Weimar-Eisenach
  angegliedert,  welches  in
den  Probsteigebäuden  ein  Kammergut  einrichtete.


Bergen  die  alten  Klostermauern  auch
keine  Grabmäler  der  Zellaer  Pröbste  und
keine  Bildnisse  in  Stein  und  Erz,  so  wird
doch  die  Erinnerung  an  die  Erbauer  der
Probstei  durch  deren  Wappen  festgehalten,
welche  die  Portale  der  Kirche  und  des  alten
Klosters  schmücken.  Es  sind  die  Wappen

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des  Fürstabtes  von  Fulda  Constantin  von
Butlar  (1714—1726)  und  des  Zellaer  Probstes,
späteren  Fürstabtes  Adolf  von  Dalberg  (1714
bis  1726),  sowie  des  Stiftes  Fulda,  zu  welchem
die  Probstei  ehemals  gehörte.  Ueber  dem
Hauptportail  der  Kirche  sind  die  Wappen
Beider,  am  ehemaligen  Kloster,  dem  jetzigen
—  auch  Schloss  genannten  —  Kammergutsgebäude
  über  dem  Haupteingange  im  Hofe,
ist  lediglich  das  Wappen  des  Probstes  Adolf
von  Dalberg  in  Stein  gehauen  angebracht

Das  Wappen  des  Fürstabts  Constantin
  von  Butlar!)  über  dem  prächtigen
Renaissance-Hauptportal  der  Kirche  ist  das
obere  der  an  dieser  befindlichen  beiden
Wappen  und  das  grössere,  es  füllt  mit  seinem
Wappenzelte  die  ganze  Höhe  des  Rundbogens
  aus.

Der  viergeteilte  Schild  zeigt  in  den  (roten)
Feldern  2  und  3  je  eine  (silberne)  Butte
mit  (goldenem)')  Reifen  und  ebensolchen
links  gekehrten  Tragbändern  —  das  von
ButlarscheStammwappen  —,inden  (silbernen)
Feldern  1  und  4  je  ein  schwarzes  achtspitziges
  Ankerkreuz  —  das  Wappen  der
Abtei  bzw.  des  Stifts  Fulda?);  darüber  3  geschlossene
  Helme,  der  mittlere  mit  dem
Ankerkreuz;  der  Helm  links  mit  (rothem)
Jagdhorn  mit  (goldenem)  Hüftriemen,  das
Mundstück  mit  3  (schwarzen  und  weissen)
Straussenfedern;  dahinter  aufgesteckt  und
einwärts  gekehrt  ein  Schwert;  der  Helm
rechts  mit  der  Abtsmütze  und  zwei  Fahnen,
als  Zeichen  des  den  Fürstäbten  von  Fulda
einst  verliehene  Reichspaniers?);  hinter  dem
Helm  aufgesteckt,  nach  innen  gekehrt,  der
Krummstab.

I)  Die  in  Klammern  gesetzten  Farben  sind  nicht
aufgetragen.  Vergl.  die  Abbildung  Nr.  1  (Stammwappen)
  Butlar  bzw.  Butler  dürfte  als  ältere  die
richtige  Schreibweise  des  Namens  sein.

2)  Das  Fuldaer  Stadtwappen  ist  das  Wappen
der  Simplicius-Ritterschaft  und  besteht  aus  3  auf  dreifarbigem
  grünem  Boden  aufwachsenden  natürlichen
weissen  Lilien,  wozu  ein  geharnischter  Ritter,  der
den  heiligen  Simplicius  als  Landesschutzheilgen
vorstellen  soll,  gehört.

3)  Vergl.  meinen  Aufsatz  über  die  alte  Reichsfahne
der  Fürstäbte  von  Fulda  in  Nr.  1,  1907  des  Archiv
für  Stamm-  und  Wappenkunde.