—  127  —

Abnahme  von  500-600  Seelen,  von  etwa  1760  an
aber  nahm  die  Stadt  wieder  langsam  zu,  um  das
Jahrhundert  mit  annähernd  4000  Einwohnern  zu
eschliessen.

Der  Verfasser  hat  die  Bevölkerungsbewegung,
die  willkürliche  durch  Einwanderung  und  Abwanderung
  und  die  natürliche  durch  Geburtenfolge,
Todesfolge,  Eheschliessung,  ferner  die  Bevölkerungszahl
  und  Gliederung  nach  Geschlecht,  Altersklassen
  und  Zivilstand  sowie  nach  Konfession  —
vorherrschend  lutherisch  —  Berufsarten  und  Ständen
in  ausführlicher  und  anziehender  Weise  geschildert.
Die  ungemein  fleissige  und  gründliche  Arbeit  stellt
sich  in  ihren  Zielen  als  eine  volkswirtschaftliche
und  kulturgeschichtliche,  in  ihrer  Methode  aber  als
eine  genealogische  dar.  Die  Bedeutung  der  Arbeit
liegt  wesentlich  in  dieser  erstmalig  in  grösserer
Ausdehnung  angewendeten  genealogischen
Methode  zur  Beleuchtung  wirtschaftlicher
Verhältnisse.  Dass  das  badische  Ministerium  durch
Bereitstellung  bedeutender  Mittel  die  Veröffentlichung
ermöglicht  hat,  verdient  gewiss  alle  Anerkennung.
Der  Verfasser  ist  fol  endermassen  zu  Werke  gegangen.
  Aus  den  Kirchenbüchern  wurden  alle  Einträge
  auf  besondere  Blättchen  ausgezogen,  wobei
sie  je  nach  dem  Inhalt,  ob  Geburt,  Tod,  Verheiratung
  oder  Patenschaft  verschiedene  leicht  erkennbare
  Fassung  erhielten.  Die  Paten  wurden
stets  vermerkt  und  zwar  jeder  ledige  Pate  auf  einem
besonderen  Zettel,  weil  oft  diese  Einträge  allein
über  die  weiteren  Schicksale  einer  Person  Auskunft
gaben,  während  sie  bei  anderen,  die  ohne  Anhang
nur  vorübergehend  in  der  Stadt  geweilt  hatten,  vielfach
  überhaupt  die  einzige  Erwähnung  bildeten.
Aus  den  alphabetisch  geordneten  Blättchen  wurden
die  Stammtafeln  der  Einwohner  aufgestellt,  die  dann
aus  anderen  gedruckten  und  archivalischen  Quellen
durch  weitere  Angaben  über  die  Personen,  namentlich
auch  Angaben  über  ihren  Besitz,  ihre  Wohnung,
Vermögensverhältnisse,  Dienstboten  usw.  vervollständigt
  wurden.  Stand  und  Beruf  konnten  meist,
die  Herkunft  vielfach  aus  den  Kirchenbüchern  entnommen
  werden.  Im  ganzen  sind  im  18.  Jahrhundert
24342  verschiedene  Individuen  als  Einwohner  Durlachs
  gezählt  worden.  Von  diesen  kamen  nur  454
(1,87°/,)  überhaupt  nicht  in  den  Kirchenbüchern,
sondern  ausschliesslich  in  den  Akten  und  sonstigen
Quellen  vor;  Berichtigungen  und  Zusätze  aus  diesen
ergaben  sich  für  1120  Personen  (4,60°/,).  Für  alle
übrigen  Personen,  also  im  ganzen  23000  Einwohner
brachten  die  Akten  keine  Verbesserung,  erwähnten

sie  vielmehr  zumeist  überhaupt  nicht.  Aus  den
Stammtafeln  hat  der  Verfasser  alsdann  Hilfstabellen
angelegt,  die  zur  Zählung  der  Einwohnerschaft
eines  jeden  Jahres  dienten  und  zugleich  die  Wanderbewegung
  erkennen  liessen.  Ein  sehr  interessantes
Ergebnis  bilden  u.  a.  die  über  die  Sesshaftigkeit
der  Familien  ermittelten  Zahlen:  Von  2838  Familiennamen,
  welche  1701—1800  in  Durlach  vorkommen,
werden  1148  nur  bis  zu  10  Jahren,  289  bis  zu  25
Jahren,  338  bis  zu  50,  166  bis  zu  75  Jahren  genannt,
  während  nur  109  Familiennamen  das  ganze
Jahrhundert  hindurch  nachweisbar  sind.  Von  diesen
sind  heute  noch  79,  z.  T.  durch  viele  einzelne
Familien,  in  Durlach  vertreten.  Von  den  heutigen
Durlacher  Namen  waren  die  Seite  416  aufgeführten
51  schon  1648  vorhanden,  von  diesen  wieder  8
schon  im  16.  und  einer  schon  im  14.  Jalırhundert.

Unter  den  Tabellen  findet  sich  u.  a.  eine  mehr
als  100  Seiten  einnehmende  Tabelle  über  alle  Gebäude
  in  Durlach  und  die  darin  befindlichen
Wohnungen  und  Haushaltungen  im  Jahre  1766,  die
viel  familiengeschichtliches  Material  enthält.  Solches
ist  auch  zu  finden  in  dem  breit  angelegten  Abschnitt
  über  die  Berufsarten,  namentlich  in  den
Kapiteln  über  die  Handwerkerschaft,  die  Fabriken,
die  Wirte,  die  Aerzte  und  Apotheker.  Auch  ein
Stammbaum  einer  Durlacher  Familie,  der  in  mehreren
Linien  nach  Amerika  ausgewanderten  Bürgerfamilie
Liede,  ist  beigegeben.  Im  übrigen  ist  die  Aufstellung
  der  Stammtafeln  für  den  Verfasser  nicht
Selbstzweck,  sondern  nur  Mittel  zum  Zweck  gewesen.
  Doch  ist  das  Buch  nicht  nur  für  den  Lokalforscher
  und  den  Kulturhistoriker,  sondern  zweifellos
  auch  für  den  Genealogen  von  grossem  Interesse,
Der  Wert  der  systematischen  Kirchenbuchforschung
zeigt  sich  klar,  wenn  man  die  vom  Verfasser  ermittelten
  Einwohnernachweise  mit  den  aus  früheren
Zeiten  für  einzelne  Jahre  vorhandenen  Zählungen
vergleicht.  Diese  Zählungen  haben  sich  alle  als
unvollständig  erwiesen,  da  sie  gewisse  Kategorien
von  Einwohnern  nicht  berücksichtigten.  So  konnten
dem  oben  erwähnten  Verzeichnis  aus  dem  Jahre
1766,  welches  2723  Personen  enthielt,  nicht  weniger
als  441  weitere  aus  den  genealogischen  Quellen
hinzugefügt  werden.

G.  von  Jordan,  Strassburg  i.  Els.

Eingelaufen:

Katalog  342  von  Karl  W.  Hiersemann  in  Leipzig,
Königsstrasse  3,  enthaltend  Graphische  Kunst  —
Buchgewerbe.

BRIEFKASTEN.

Anfragen  bis  zu  10  Zeilen  einspaltig  werden  kostenlos  aufgenommen,  jede  weitere  Zeile  wird  mit  10  Pf.
berechnet.  —  Im  Interesse  unserer  verehrl.  Leser  liegt  es,  Namen  und  Daten  in  Briefsendung  möglichst
  deutlich  zu  schreiben.

Anfragen.

38a.  Kann  jemand  den  Familiennamen  Zöbeley
etymologisch  erklären?
b.  Gibt  es  ein  Wappen  der  Familie  Rauther
(Württemberger)?  Wo  findet  sich  dies?
*Otto  Kauffmann.  Fabrikant,  Mannheim,
Beethovenstr.  15.

39.  Suche  Nachrichten  über  die  Familie  Thiele
(Tielen,  Tilen)..  War  um  1730  ein  an  der  Oberweser
ansässiges  Lehrergeschlecht  (z.B.  in  den  Orten  Lüntorf,

  Esperde,  Pegestorf  b.  Bodenwerder).  Ein  Zweig
wurde  um  1780  in  Hameln  wohnhaft.
Thiele,  Werste  b.  Bad  Oeynhausen.

40.  Der  Bruder  meines  Urgrossvaters  Urlau
(um  1760  geboren)  war  Rittmeister;  Näheres  nicht
bekannt.  Wo  können  einschlägige  Ranglisten  oder
Regimentsgeschichten  eingesehen  werden?  Ausser
Preussen  käme  noch  Sachsen  in  Betracht.

Helmrich,  Kgl.  Bauinsp.,  Königsberg  i.  Pr.,

Kaiserstrasse.

41.  Ist  vielleicht  einer  der  freundl.  Leser  des

»Rolands«  imstande,  mir  mitzuteilen,  wann  ein  Hans