Zeit  der  Kreuzzüge  von  einem  Wappenbrauche
  sprechen.  In  jenen  Tagen,  wo  so
viele  Herren  mit  Gefolge  und  Reisigen  unter
dem  Palladium  des  Kreuzes  tatendurstig  auszogen,
  war  es  unumgänglich  notwendig  geworden,
  die  Zusammengehörigen  genau  zu
kennen.  Der  Bildschmuck  der  Waffen
diente  dem  in  so  vorzüglicher  Weise,  dass
die  Kreuzzüge  für  die  Frage  der  Wappenannahme
  einen  Hauptfaktor  bilden.

Bereits  zur  Zeit  der  fränkischen  Kaiser
entwickelten  sich  die  Buckel  und  Beschläge
sowie  das  der  Verstärkung  dienende  Gespänge
  der  Schilde,  das  bald  nagelkopfoder
  streifenförmig,  bald  stab-  oder  bandartig
  war,  zu  regelrechten  Wappenbildern,
vor  allem  durch  die  Bemalung  und  Pressung,
die  man  ihnen  zur  Verschönerung  gab.  So
sind  Rose,  Stern,  Raute,  Gitter,  Schindel
u.  a.  unzweifelhaft  daraus  entstanden,  dass
die  Bemalung  sich  an  das  anschmiegte,  was
der  Schild  von  selbst  bot,  wie  denn  auch
der  so  vielfach  angewandte  Belag  mit  Pelzwerk
  (Fehe-  oder  Kürschstreifen)  in  ziegel-,
wolken-  und  wellenförmiger  Zeichnung  als
Hermelin  an  sich  Heroldsbild  ist  oder  in

ornamentaler  Gruppierung  Wappenbild  wird.

Zu  Beginn  des  13.  Jahrhunderts  waren
zwar  die  Wappen  erblich  geworden,  die
Farben  sind  aber  noch  in  der  zweiten  Hälfte
dieses  Jahrhunderts  Sache  der  Willkür.
Aenderte  der  Lehnsherr  seine  Hoffarbe,
folgten  ihm  die  Vasallen  und  Mannen  darin.
Wenn  auch  andere  Farben  viel  gebraucht
wurden,  scheinen  schwarz,  weiss  und  rot
von  den  Deutschen  am  bevorzugtesten  zu
sein,  während  jenseits  der  Vogesen  und
Alpen  blau  und  gelb  beliebter  waren.  Da
hinsichtlich  der  Wahl  der  Sinnbilder  vollkommene
  Freiheit  herrschte,  indem  jeder
entweder  das  Tierbild  nahm,  dessen  Symbolik
  ihm  gefiel,  oder  das  Zeichen,  mit  dem
sich  eine  Gerechtigkeit  seines  Geschlechts
verband,  vor  allem  auch  die  angeerbte  Hausmarke
  zur  Wappenfigur  erhob,  indem  er  sie
in  seinen  Schild  setzte,  konnte  es  nicht
fehlen,  dass  dasselbe  Bild  auch  anderorts
im  Schilde  geführt  wurde.  Hier  wurde  nun
die  Farbe  das  Hilfsmittel  der  Unterscheidung,

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oder  man  gab  den  Wappenbildern  eine  verschiedene
  Stellung,  wenn  nicht  zu  figürlichen
  Beizeichen  gegriffen  wurde.  Derartige
  Massregeln  waren  vor  allem  durch
die  vielen  Schilde,  die  käuflich  zu  erwerben
waren,  zwingend  geworden.  Diese  gleichbemalten
  Kaufschilde  boten  Krämer  feil;  sehr
beliebt  waren  die  durch  heisse  Pressung
plastisch  gestalteten  Figuren,  wie  Schindeln,

‚Kreuze,  Lilien,  Türme  usw.,  die  auf  Vorrat

gearbeitet  wurden  und  wegen  ihrer  Billigkeit
  in  den  betreffenden  Gegenden  schnell
Absatz  gefunden  hatten.  Auch  die  reisenden
Schildmaler,  halb  Künstler  halb  Handwerker,
zierten  die  Schilder  und  Schildränder  oft  mit
der  Figur,  die  ihnen  am  geläufigsten  war,
wenn  sie  von  Burg  zu  Burg  zogen.  So  war
zu  Anfang  des  13.  Jahrhunderts  der  Adler,
das  Symbol  der  Macht  und  Grossmut,  ein
von  den  meisten  Dynastengeschlechtern  geführtes
  Wappentier,  bis  es  unter  der  Regierung
  Kaiser  Friedrichs  Il.  entweder  mit
einem  Heroldsbild  verbunden  oder  mit  einem
Beizeichen  versehen  wird  oder  aber  ganz
verschwindet.

Dass  auch  das  kirchliche  Leben,  das  mit
dem  Rittertume  eng  verbunden  war,  seitdem
sich  die  Kirche  eine  hervorragende  Mitwirkung
  bei  der  Ritterkürung  gesichert  hatte,
in  den  Wappensymbolen  mehr  oder  minder
verschleiertt  Ausdruck  findet,  darf  nicht
wundernehmen.  Und  wie  altheidnische
Volksanschauungen  Einfluss  auf  die  Wappensymbolik
  gewannen,  habe  ich  in  meiner
Broschüre  «Die  Wappensymbolik»  (Verlag:
Moritz  Ruhl-Leipzig.  Ende  1907)  näher  dargelegt.


Hier  willich  gleich  einem  weitverbreiteten
Irrtum  steuern,  dass  nämlich  die  Tierbilder
in  den  Wappen  verlieiene  Symbole  der
alten  Volksstämme  darstellen  und  dass  die
Urwappen  entweder  nur  leere  Farbenschilde
gewesen  sind  oder  bloss  Schildesteilungen
gezeigt  haben.  Abgesehen  davon,  dass  um
1056  der  deutsche  Adler  vorkommt,  so
führen  bereits  der  Markgraf  von  Lothringen
und  das  Geschlecht  von  Arnsberg  Adler;
1072  zeigt  der  Schild  Graf  Roberts  I.  von
Flandern  den  Löwen,  der  auch  1114  in  dem