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Der  Dichter  Christoph  Martin  Wieland
wurde  den  1.  Juni  1769  als  Professor  der
Philosophie  an  die  damalige  Kurmainzische
Universität  Erfurt  berufen,  und  vom  12.  Aug.
1772  ab  als  Erzieher  des  jungen  Herzogs
Carl  August  und  des  Prinzen  Constantin
von  der  Herzogin-Witwe  Anna  Amalie
als  Vormünderin-Regentin  an  den  Weimar--ischen
  Hof  gezogen.  Vom  1.  Mai  1797  bis
Februar  1803  wohnte  er  auf  seinem  Gute
in  Ossmannstedt,  wo  ihm  am  9.  November
1801  die  Gattin  entrissen  wurde.  Nach  dem
Verkauf  des  Gutes  siedelte  er  wieder  nach
Weimar  über  und  starb  daselbst  den
20.  Januar  1813.  Seine  sterblichen  Ueberreste
  aber  ruhen  neben  denjenigen  seiner
Gattin  und  der  Sophie  Brentano  in  Ossmanntsedt
  unter  gemeinschaftlichenn  Grabdenkmal,
  welches  1827  nach  den  Plänen
des  Oberbaudirektors  Condray  errichtet
wurde.

Das  Wielandsche  Gut  in  Ossmannstedt
gehörte  viele  Jahre  dem  schottischen  Baron
von  Grant  und  ist  seit  einigen  Jahren  im
Besitz  eines  Herrn  Bley.

Das  Wappen  der  Familie  Wieland  wurde
im  Jahre  1645  laut  Wappenbriefes  von  demselben
  Jahre  für  den  »ehrenvesten,  fürnemben
Bürger  der  freien  deutschen  Reichsstadt
Biberach  in  Oberschwaben  Joerg  (Georg)
Wieland,  Gastgeber  zum  »Schwarzen
Bären«  daselbst  und  Büchsenmacher  der
Bauernzunft  zu  Biberach,  und  alle  seine  ehelichen
  Leibeserben  und  derselben  Leibeserben
  verliehen.«  *)

Es  besteht  aus  einem  goldenen,  links
gewendeten  Löwen  mit  einer  eisenfarbigen
Pfiugscharr  in  den  Vorderpranken,  aus  einem
grünen  Dreiberg  wachsend  in  blauem  Feld.

*)  Vergl.  das  ursprünglich  in  der  Bibliothek
des  Cisterzienserklosterss  Salem  (Salmannsweiler)
verwahrte  und  jetzt  in  der  Universitätsbibliothek  zu
Heidelberg  befindliche  Wappenbuch  des  Kaiserlichen
Hof-Pfalzgrafen,  Lateranischen  Comes  palatinus,
Reichsgräflich  Truchsess  von  Waldenburgschen  Oberamtmanns
  und  Rats  sowie  Syndikus  der  freien
deutschen  Reichsstadt  Nürnberg,  Dr.  jur.  utriusque
Johann  Ghristoph  Sauer  von  Neresheim  aus  dem
17.  Jahrhundert.

Auf  dem  linksgewendeten  Stechhelm  über
blau-goldenem  Wulst  (Bausch)  erhebt  sich
der  goldene  Löwe,  geradeso,  wie  im  Schildbild
  beschrieben.  Die  Decken  sind  blau
und  gold.  (NB.  Die  Farben  der  freien
Reichsstadt  Biberach  sind  ebenfalls  blaugold.)


Wie  eingangs  erörtert,  stammt  die  Familie
Wieland  aus  Reute  in  Oberschwaben,  welches
eheden  zum  Reichsstädtisch  Biberacher
Gebiete  gehörte,  einem  etwa  eine  Stunde
von  Biberach  belegenen  Pfarrdorfe;  Hans
Wieland  von  Reute  war  der  erste  Wieland,
welcher,  nachdem  er  als  Bürger  der  freien
Reichsstadt  Biberach  förmlich  aufgenommen
worden  war,  sich  daselbst  niederliess;  Joerg
Wieland  ist  sein  Sohn.

Im  Hinblick  auf  d’ese  bäuerliche  Abstammung
  äusserte  der  Dichter  Wieland
einst  in  Weimar,  dass  er  selbst  dort  —  in
Reute  —  noch  Bauern  gekannt  hätte,  welche
seinen  Namen  trügen  »recht  grobe  Knollstöcke
  und  Lümmel«.*)

Ein  schönes  Fest  vereinigte  am  3.  Sept.
1907  **)  einen  grossen  Teil  der  noch  lebenden
aber  in  alle  Welt  zerstreuten  69  Nachkommen
und  Angehörigen  der  Familie  des  Dichters,
sowie  Freunde  und  Verehrer  des  Letzteren
in  der  Württembergischen  Stadt  Biberach,
zur  Einweihung  des  Wieland-Museums.

*)  Vergl.  L.  F.  Ofterdinger  Christoph  Martin
Wielands  Leben  und  Wirken  in  Schwaben  und  in
der  Schweiz.  (Heilbronn,  Verlag  von  Gebr.  Henniger).

**)  Das  Fest  war  auf  den  3.  Sept.  verlegt  worden,
weil  bei  dem  hierüber  unter  den  Literaturhistorikern
bestehenden  Streit  der  auf  eingehenden  Ermittelungen
fussenden  Ansicht  des  Professors  Dr.  Ofterdinger
gefolgt  und  deshalb  dieser  Tag  als  Geburtstag
des  Dichters  angesehen  wurde.  Um  das  Zustandekommen
  des  Wielandmuseums  und  die  Veranstaltung
  der  mit  seiner  Einweihung  verbundenen
Festlichkeiten  haben  sich  der  Vorstand  des  Kunstund
  Altertumsvereins  in  Biberach  (Herr  Reinhold
Schelle)  sowie  der  Herr  Geheime  Justizrat  Dr.
jur.  Carl  Peucer  in  Colmar  (Els.),  ein  Urenkel
des  Dichters,  der  sich  die  Ermittelung  der  zahlreichen
noch  lebenden  Nachkommen  usw.  des  Dichters  zur
Aufgabe  gestellt  hatte,  und  welchem  der  Verfasser  für
seine  wertvollen  Mitteilungen  hiermit  seinen  Dank
ausspricht,  besondere  Verdienste  erworben.