Auch  die  Wielandforscher  Professor  Dr.
Bernhard  Seuffert  aus  Graz,  Professor  Dr.
Julius  Brunner  aus  Zürich,  Professor  Dr.Emil
Ermatinger  aus  Winterthur  und  Rektor  Dr.
PaulWeizsäckeraus  Calw  waren  erschienen.
(Professor  Dr.  Ofterdinger  ist  vor  einigen
Jahren  gestorben.)  Der  Geheime  Justizrat
Dr.  jur.  Carl  Peucer  aus  Colmar  begrüsste
als  ältester  anwesender  Urenkel  des  Dichters
die  Erschienen;  Professor  Weiszäcker  hielt
die  Festrede.

Das  Wieland-Museum  wird  gleich  dem
Marbacher  Schillerhaus  und  dem  Frankfurter
Goethehaus  eine  Pflegstätte  der  herzlichen
und  heiteren  Kunst  unseres  Wieland
werden.

Ein  Kursus
über  Familienforschung  und  Vererhungslehre.

Von  Professor  Dr.  Sommer  in  Giessen.

Bei  den  beiden  Kursen,  die  1906  und
1907  in  Giessen  einerseits  über  Behandlung
und  Erziehung  der  angeborenen  Schwachsinnigen,
  andererseits  über  forensische  Psychologie
  und  Psychiatrie  abgehalten  worden
sind,  ist  an  wesentlicher  Stelle  die  angeborene
  Anlage  und  ihre  Bedeutung  für  das
Gebiet  der  Psychologie,  Psychiatrie,  Pädagogik
  und  Kriminalpsychologie  behandelt
worden.  Gerade  die  Darstellung  dieses
wichtigsten  Faktors  der  menschlichen  Handlungen
  hat  bei  den  beiden  Kursen,  wie  ich
wohl  sagen  darf,  das  lebhafteste  Interesse
von  nicht  nur  in  ihrem  Fach,  sondern  auch
im  weiteren  Umkreise  des  praktischen
Lebens  erfahrenen  Aerzten,  Lehrern,  Juristen
und  auch  Geistlichen  erregt.

Da  die  angeborene  Anlage  im  Zusammenhang
  mit  der  medizinischen  Psychologie
nur  auf  dem  Boden  einer  methodischen
Familienforschung  verstanden  werden  kann,
wurde  schon  bei  den  genannten  Kursen
hierauf  mehrfach  Bezug  genommen.  Es

*)  Abdruck  aus  der  Psychiatrisch-Neurologischen
Wochenschrift.  Unter  Benützung  amtlichen  Materials
redigiert  von  Oberarzt  Dr.  Joh.  Bresler,  Lublinitz
(Schlesien).  IX.  Jahrg.  Nr.  48.

2  0  —

haben  sich  nun  gerade  in  den  letzten  Jahren
die  Beziehungen  des  Studiums  der  angeborenen
  Anlage  und  der  Familienforschung
einerseits  zu  der  Genealogie,  andererseits
zu  den  naturwissenschaftlichen  Erfahrungen
im  Gebiete  der  körperlichen  Medizin,  der
Entwickelungsgeschichte,  sowie  der  Botanik
und  Zoologie,  besonders  was  die  Entstehung
und  Züchtigung  von  Arten  betrifft,  so  eng
gestaltet,  dass  es  nahe  liegt,  die  bei  den
früheren  Kursen  gegebene  Darstellung  der
angebornen  Anlage  in  den  genannten  Richtungen
  zu  vervollständigen,  ähnlich  wie  ich
es  in  dem  Buch  über  Familienforschung
und  Vererbungslehre  getan  habe.  Dabei
erscheint  es  nötig,  bei  einem  Kurse  dieser
Art  die  Behandlung  der  genannten  Teilaufgaben
  in  die  Hände  von  erfahrenen  Fachmännern
  zu  legen,  um  das  ganze  Gebiet
von  allen  Seiten  zu  beleuchten.

Auf  Grund  von  diesen  Ueberlegungen
ist  nunmehr  der  bestimmte  Plan  entstanden,
Anfang  August  (3.  bis  6.)  dieses  Jahres  an
der  Universität  Giessen  einen  Kurs  dieser
Art  zu  veranstalten.

Die  Wahl  der  Zeit  ist  dadurch  bedingt,
dass  im  Frühjahr  1908  (23.  bis  26.  April)  der
Ill.  Kongress  für  experimentelle  Psychologie
in  Frankfurt  a.  M.  stattfindet,  so  dass  für
den  Kurs  erst  die  Zeit  am  Schluss  des
Sommersemesters  in  Betracht  kommt.*)

Die  Darstellung  der  angebornen  Anlage
im  Gebiete  der  normalen  Psychologie,  Psychopathologie
  und  Kriminalpsychologie  soll  wie
bei  den  beiden  früheren  Gelegenheiten  von
mir  und  Professor  Dannemann  in  Giessen
geschehen.  Zur  Behandlung  des  genealogischen
  Teils  hat  sich  Herr  Dr.  Kekule
von  Stradonitz  in  Gross-Lichterfelde  als  bekannter
  Sachverständiger  in  diesem  Gebiete
auf  meinen  Wunsch  bereit  erklärt.  Ausser-*)

  Im  Hinblick  auf  eine  Reihe  von  Anfragen
bemerke  ich  hierbei,  dass  eine  Wiederholung  des
internationalen  Kursus  für  gerichtliche  Psychologie
und  Psychiatrie  im  Frühjahr  1909  d.  h.  vor  dem
Jahre  des  internationalen  Kongresses  für  Kriminal-Anthropologie
  stattfinden  soll,  eine  Wiederholung
des  Kurses  über  Behandlung  und  Erziehung  von
angeboren  Schwachsinnigen  eventuell  1910,