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Geschichte  des  Erzherzogs  Ferdinand  Il.  von  Tirol
aus,  um  die  Schiller  von  Herdern  in  den  Geruch
der  Ketzerichterei  zu  bringen  und  vor  allem  den
Nachweis  zu  liefern,  dass  unter  sotanen  Umständen
die  Unmöglichkeit  einer  Verwandtschaft  zwischen
dem  frommen  tirolischen  Kanzler  Leomann  Schiller
und  dem  200  Jahre  später  lebenden  Dichter  des
Don  Karlos  eklatant  sei.

Trotz  alledem  muss  ich  auch  heute  noch  meine
Einsprache  gegen  W.s  Verfahren  und  Folgerungen
unter  Ablehnung  seiner  Ergebnisse  in  allen  ihren
Teilen  aufrechthalten  und  ihm  zu  seinem  Leidwesen
sagen,  dass  er  es  mir  leicht  gemacht  hat,  in  der
demnächst  erscheinenden  2.  Auflage  meiner  »Schiller
von  Herdern«  über  ihn  hinwegzukommen.  Ich  gönne
dem  alternden  Verfasser  von  »Schillers  Ahnen«,  der
selbständig  nichts  mehr  zuwege  zu  bingen  scheint,
die  vermeintlichen  Erfolge  seiner  familiengeschichtlichen
  Untersuchungen,  wobei  er  erntet,  was  andere
  gesät  haben;  ich  verzeihe  ihm  die  Blütenlese
von  schmeichelhaften  Titeln,  mit  denen  er  mich  beehrt:
  sie  sind  ihm  offenbar  von  der  Kriegsschule

her  noch  geläufig;  aber  das  werde  ich  und  andere.

ihm  nicht  gelten  lassen,  dass  er  die  Schillerahnenfrage
  gelöst  hat.  Von  den  Verdiensten  Haffners
und  Maiers  entfällt  auf  seinen  Teil  nur  so  viel,  dass
er  diese  geschickt  benutzt  hat,  um  in  letzter  Stunde
seinen  Ruf  als  Schillerbiograph  zu  retten,  als  welcher
er  neben  Berger,  Kühnemann  und  andern  endgältig
in  der  Versenkung  zu  verschwinden  Gefahr  läuft
und  von  niemand  mehr  ernst  genommen  und  beachtet
  wird.  Was  Haffner  gefunden  hat:  die
Geschlechtsfolge  des  Dichters  bis  zurück  an  den
Ausgang  des  16.  Jahrhunderts,  hat  sich  bewährt.
Ihm  ist  die  Schillerforschung  zu  grossem  Danke  verpflichtet,
  aber  nicht  W.  und  auch  nicht  Maier.
Denn  jener  hat  die  Genealogie  in  nichts  gefördert
und  dieser  ist  über  Stephan  Schiller  und  die  Jahre
1570—  1625,  also  über  Haffner,  in  urkundlichem  Zusammenhange
  nicht  hinausgekommen:  Denn  wenn
man,  wie  Maier,  in  ein  und  denselben  Kirchenbuche
  von  8  Geschwistern  1—6  und  8  mit  Tauf-,
Trauungs-  und  Todesdaten  eingetragen  findet,  von
.dem  7.  aber  keine  Spur  entdeckt  und  trotzdem
diesen  in  die  Familie  einzureihen  wagt,  so  ist  das,
zu  Maiers  Entschuldigung  sei  es  gesagt,  zum  mindesten
  eine  arge  Selbsttäuschung,  vor  dem  Forum  der
Wissenschaft  aber  eine  Fälschung.  Und  an
dieser  zu  Gunsten  des  Remstals  unternommenen
Fälschung  ändert  die  familiengeschichtliche  Untersuchung,
  richtiger:  Streitschrift  W.s  nicht  das  geringste,
  ob  er  sie  auch  noch  so  sehr  mit  demokratischen
  Mätzchen  aufputzt  und  selbst  »die  Witwe
des  Enkels  des  Dichters,  Freifrau  Mathilde  von
Schiller«,  die  davon  doch  nichts  wissen  kann,  als
Kronzeuge  aufruft.  Auch  Schillers  eigene  Aeusserung,
dass  er  auf  den  Adel  keinen  Wert  lege,  kann,  falls
man  sie  überhaupt  ernst  nimmt,  in  keiner  Weise  die
genealogische  Forschung  beeinflussen  oder  gar  beeinträchtigen,
  die  allein  von  Gesetzen  sich  leiten
lässt,  niemals  aber  von  Gefühlen  und  Stimmungen.
Wer  auf  solche  Dinge  Rücksicht  nimmt,  ist  ein  kläglicher
  Geselle.

Die  Stephan,  Elisabeth,  Hans,  Martin,  Anna,
Hans  (Kaspar,  Georg  oder  Michel?)  und  Michel
Schiller  Haffners,  in  den  Jahren  1616  bis  1624  geboren,
  sind  zweifellos  Kinder  des  Grunbacher  Stephan
Schiller,  der  von  Maier  willkürlich  dazwischen  geschobene,
  angeblich  in  der  Zeit  vom  Oktober  1622
bis  Januar  1824  geborene  Kaspar  aber  ist  eine  Erfindung

  und  urkundlich  nicht  zu  belegen.  Dies
hat  selbst  W.  einigerinassen  empfunden,  und  deshalb
sieht  er  sich  seinen  sonst  so  treuen  Maier  etwas  im
Stiche  zu  lassen  gezwungen.  Er,  der  vorher  den  Mund
so  voll  nahm,  wird  jetzt  am  Ende  seiner  »  Untersuchung«
  auf  einmal  recht  kleinlaut  und  meint:
Gottfried  Maiers  Forschungen  des  Jahres  1907  haben
nun  zwar  keine  urkundliche  Bezeugung  einer
--  für  den  obigen  Fall  erforderlichen  —  Zuwanderung
  von  Schiller  aus  Grunbach  nach  Neustadt  erbringen
  können,  »wohl  aber  lässt  der  durch  sie  —
durch  die  nicht,  bezeugte  Zuwanderung!  —  ermöglichte
  vollere  Überblick  über  die  Entwicklung  des
Grunbacher  Schillerstammes  erkennen,  an  welcher
Stelle  der  Stammtafel  der  Auswanderer  zu  suchen
ist,  vorausgesetzt,  dass  er  Hans  heisst.«
»Fast  zwingend«  wird  dann  dieser  Hans  Schiller
von  Maier  in  die  Geschlechtsfolge  der  die  gleichen
Taufnamen  vereinigenden  Grunbacher  Familie  hineinoperiert,
  und  W.  schliesst:  »Ich  will  nicht  sagen,
dass  dieser  Erweis  der  Abstammung  der  Neustädter
Schiller  aus  Grunbach  unbedingt  verbindlich  ist,  aber
die  Wahrscheinlichkeit  ist  hier  eine  derart  grosse,
dass  man  von  einer  Gewissheit  beinahe  spiechen
muss.&lt;  Maı  muss  aber  nicht,  denn  sonst  muss.
man  auch  meine  Gründe  anerkennen,  die  W.  so
in  Harnisch  gebracht  haben,  denn  sie  sind  ganz
die  {gleichen  wie  die  von  ihm  und  Maier  vorgebrachten,
  nur  dass  sie  nicht  auf  den  gleichen  »fast
zwingenden«  Schluss  gestellt  sind,  sondern  sich  ausdrücklich
  als  Hypothese  bezeichnen  und  auch  heute
noch  weit  entfernt  sind,  als  etwas  anderes  gelten
zu  wollen.

Es  ist  also  nichts  mit  dem  »vollen  Nachweis«
  W.s,  sein  Stephan  Schiller  hängt  trotz  Gottfried
Maier  so  unbestimmt  in  der  Luft  wie  einer;  mit
leeren  Möglichkeiten  und  Wahrscheinlichkeiten  aber
ist  der  Schillergenealogie,  nachdem  sie  einmal  bisungefähr
  zum  Jahre  1570  gediehen  ist,  jetzt  nicht
mehr  gedient:  sie  verlangt  Beweise.  Und  so  stehen
wir,  wie  wenn  »Schillers  Ahnen«  von  R.  W.  nicht  geschrieben
  wären,  tatsächlich  heute  noch  genau  auf  demselben
  Fleck,  wie  am  2.  März  1899,  da  W.  selbst  in
der  »Beilage  zur  Allgemeinen  Zeitung&lt;  den  Neustadter
  Stephan  Schiller  als  ältesten  Ahnen  des.
Dichters  bezeichnete  und  erklärte:  »Alle  Nachforschungen
  weiter  hinauf  sind  vergeblich«,  vergeblich
  vor  allem,  weil  sich  Gelehrte  wie  der  »hervorragende»
  Schillerbiograph  R.  W.  damit  befassen,
der  mit  den  Verdiensten  anderer  hausieren  geht
und  so  wenig  Gefühl  für  literarische  Reputation
besitzt,  dass  er  sich  sogar  seiner  offenen  Plagiate

rüstet.

Freiburg  i.  Br.  P.  Albert.

Zur  Ahnentafelbeilage.

Der  heutigen  Nummer  liegt  die  von  Herrn  Dr.
H.  Beitzke  in  Berlin  N.W.  87,  Wullenweberstr.  3
für  seine  Tochter  Frl.  Luise  Beitzke  aufgestellte
Ahnentafel  bei.  Ergänzungen  der  fehlenden  Daten
sind  denı  Autor  sehr  willkommen  und  wollen  solche
direkt  diesem  zugesendet  werden.
Schriftl.

Verantwortliche  Schriftleitung  Lor.  M.  Rheude  in  München;  Druck  Gebr.  Vogt  in  Papiermühle  S.-A.