Vorwort.

Anregung  zur  vorliegenden  Arbeit  gaben  mir  Erhebungen
  über  Hausaufgaben,  die  ich  im  Winter  des  Schuljahres
  1904/05  in  einer  der  Untertertien  der  Oberrealschule
zu  Darmstadt  vornahm,  und  deren  Ergebnis  ich  zu  Anfang
dieses  Jahres  in  der  Zeitschrift  für  Schulgesundheitspflege')
veröffentlicht  habe.  Ich  muß  gestehen,  daß  ich  vor  diesen
Erhebungen  ein  großer  Pessimist  in  der  Hausaufgabenfrage
war.  Das  Resultat  derselben  aber  und  weitere  Umfragen  in
anderen  Klassen  der  Oberrealschule  zu  Darmstadt,  bei  denen
mich  mein  Kollege  Herr  Professor  Balser  in  liebenswürdigster
  Weise  unterstützte,  haben  in  mir  die  Überzeugung
erweckt,  daß  es  möglich  sei,  die  Hausaufgaben  in  solchen
Grenzen  zu  halten,  die  jegliche  Gefahr  der  Überbürdung  ausschließen,
  und  daß  dennoch  dem  wissenschaftlichen  Schulbetrieb
  daraus  kein  Nachteil  erwachse.  Hauptsächlich  aus
dieser  letzteren  Erwägung  sind  die  nachstehenden  Ausführungen
  hervorgegangen.  Wenn  dabei  auch  andere  Fragen
berührt  werden  mußten,  so  ergab  sich  dies  aus  naheliegenden
Gründen.

Bei  dem  Studium  der  verschiedenen  Probleme  über  die
Hausaufgabenfrage  brachten  mich  die  Schriften  von  Dr.  Lay-Karlsruhe,
  Dr.  Fr.  Schmidt-Würzburg  und  Professor  Dr.
Meumann-Zürich  und  außerdem  die  Anregungen  von  Prot.
Dr.  Griesbach-Mülhausen  zu  der  Überzeugung,  daß  es  auf
dem  Gebiet  der  Hausaufgaben  in  der  Zukunft  noch  außerordentlich
  viel  zu  tun  gibt,  und  daß  es  insbesondere  der  experimentellen
  Forschungsmethode  im  weitesten  Sinne  des
Wortes  vorbehalten  sein  wird,  hier  mehr  Licht  zu  schaffen
und  die  Frage  der  Hausaufgaben  auf  eine  rein  wissenschaftliche
  Basis  zu  stellen.  Ehe  wir  allerdings  für  die  höheren
Schulen  soweit  sind,  wird  noch  geraume  Zeit  vergehen.

!)  Hamburg,  Leopold  Voss,