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der,  was  die  schriftlichen  Hausarbeiten  anlangt,  einander
abschreiben,  und  daß  sie  sich  zahlloser  Schlüssel  und  geheimer
  Hilfsmittel  bedienen,  um  ihre  Arbeiten  zu  erledigen.
Daß  die  Kinder  aber  auch  infolge  der  Hausaufgaben  zu
Lügnern  werden,  ist  ebenso  wahr.  Wie  oft  werden  nicht
die  mangelhafte  Erledigung  oder  Nichtanfertigung  der
Arbeiten  auf  eine  faule  Ausrede,  eine  Unpäßlichkeit,  eine
Verhinderung  irgend  welcher  Art,  die  nicht  vorhanden  ist,  aufgebaut.
  Zahlreich  genug  sind  die  Fälle,  wo  die  Schüler  die
Schule  versäumen,  weil  sie  keine  Aufgaben  gemacht  haben;
der  Lehrer  weiß  es  und  kann  nichts  dagegen  tun,  weil  oft
die  Eltern  es  selbst  entschuldigen.  Ein  weiterer  Mißstand,
der  ja  auch  bei  Schanze  angeführt  ist,  besteht  in  der  Tatsache,  daß
der  Lehrer,  zumal  bei  überfüllten  Klassen,  gar  nicht  in  jeder
Hinsicht  die  Hausarbeit  des  Schülers  zu  würdigen  imstande
ist,  Er  kann  nicht  jeden  einzelnen  genau  kontrollieren;  die
Folge  davon  muß  die  sein,  daß  die  Kinder  sich  auf  diese
oberflächliche  Kontrolle  verlassen  und  sich  nicht  gewissenhaft
  vorbereiten.  Gerade  das  letztere  kommt  häufig  in  denjenigen
  Fällen  vor,  wo  der  Lehrer  nur  wenige  Schüler  in
einer  Stunde  vornehmen  kann,  wie  in  Geschichte,  Naturgeschichte,
  Geographie  usw.  Manche  Kinder  arbeiten  in  diesen
  Fächern,  wenn  sie  —  um  den  in  Schülerkreisen  üblichen
Ausdruck  zu  gebrauchen  —  einmal  „dran“  waren,  oft  wochenlang
  nichts  mehr,  weil  sie  ruhig  abwarten  können,  bis  die
anderen  alle  gefragt  wurden.

Trotz  aller  angeführten  Nachteile  der  Hausaufgaben,  die
ich  sämtlich  anerkenne,  kann  ich  mich  nicht  dazu  entschließen,
dieselben  so  ohne  weiteres  aus  dem  Arbeitsetat  unserer
Schüler  zu  streichen.  „Die  Phrase  von  der  Erziehung
unserer  Schüler  zur  Selbständigkeit  durch  die  Hausaufgaben“,
  von  der  viele  Gegner  der  Hausarbeit  reden,  ist
keine  Phrase.  Die  Pädagogik  der  Gegenwart  steht  auf
dem  Standpunkte,  daß  ohne  häusliche  Arbeit  kein  Schulunterricht
  bestehen  kann!),  nicht  allein,  wie  Herman  Schiller

ı)  H.  Schiller,  Handbuch  der  praktischen  Pädagogik,  4.  Aufl.
(besorgt  v.  Fauth),  Reisland,  Leipzig  1904,  S.  45.

Roller,  Hausaufgaben  und  höhere  Schulen,  2