Die  höheren  Schulen  in  Preußen  und  ihre  Lehrer
(Halle  a.  S.,  Verlag  der  Buchhandlung  des  Waisenhauses).')
Wir  erwähnen  in  erster  Linie  eine  Zirkularverfügung  aus
dem.  Jahre  +48  (10.  Nov.).?)  Dort  heißt  es  im  ID.  Teile:  Zeitdauer
  der  häuslichen  Arbeit  der  Schüler:  „Der  Versuch,
  die  Zeitdauer  der  häuslichen  Arbeit  festzustellen,  welche
auf  den  einzelnen  Klassen  und  Altersstufen  zur  Erreichung
der  Unterrichtsziele  erforderlich  und  von  der  Gefahr  einer
Überbürdung  frei  ist,  läßt  sich,  wie  in  mehreren  Berichten
zutreffend  bemerkt  wird,  nicht  aus  dem  Zusammenhange  mit
den  Fragen  über  das  gesamte  Unterrichtsverfahren  lösen,
und  bindende  Bestimmungen  über  das  einzuhaltende  Maß
würden  erfolglos  sein  und  könnten  sogar  nachteilig  werden,
sofern  die  über  das  Unterrichtsverfahren  dabei  zu  machenden
Voraussetzungen  nicht  tatsächlich  erfüllt  sind.

Die  in  der  Erörterung  der  Überbürdungsfrage  zuweilen
  vernommene  weitest  gehende  Forderung,  daß  die
Schule  durch  ihre  Lehrstunden,  vielleicht  unter  Hinzunahme
einer  von  ihr  beaufsichtigten  gemeinsamen  Arbeitszeit,  die
Unterrichtsaufgabe  ausschließlich  selbst  zu  erfüllen  habe,  ohne
an  die  häusliche  Beschäftigung  der  Schüler  irgend  einen  Anspruch
  zu  stellen,  hat  in  den  Kreisen,  welche  ausführend
oder  beobachtend  an  dem  Unterricht  der  höheren  Schulen
beteiligt  sind,  keinen  Anklang,  nicht  einmal  Erwähnung  gefunden.
  Gewiß  mit  Recht.  Es  ist  für  die  Charakterbildung
nicht  gleichgültig,  daß  derSchüler  auch  außerhalb  der  Räume
der  Schule  einer  Verpflichtung  gegen  dieselbe  sich  bewußt
bleibe;  für  die  vollständige  Aneignung  des  durch  die  Lehrstunden
  gebotenen  Lernstoffes  bildet  in  den  unteren  Klassen
die  Beschäftigung  außerhalb  der  Lektionen  die  sichernde  Ergänzung,
  in  den  mittleren  und  oberen  Klassen  hat  dieselbe
den  Anfang  vollständigen  Arbeitens  herbeizuführen,  zu  welchem
  Befähigung  und  Neigung  geschaffen  zu  haben  die  wichtigste
  Mitgift  der  Schule  für  das  Leben  ist.  Es  ist  jedenfalls
von  einer  nicht  zu  .unterschätzenden  Bedeutung,  daß  die

1)  Antwort-  des  Ministers  der  geistlichen,  Unterrichts-  und  Medizinal-Angelegenheiten

  auf  meine  Eingabe.
9)  Wiese-Kübler,  III.  Ausgabe,  Bd.  I,  S.  258  ff.