IV.
Mündliche  und  schriftliche  Hausaufgaben.

In  betreff  der  Frage,  ob  wir  mündliche  oder  schriftliche
Hausarbeiten  stellen,  oder  ob  wir  beide  vereinigen  sollen,
haben  wir  im  ı.  Abschnitt  dieser  Arbeit  (Seite  4)  gesehen,
daß  Dannenberg  alle  sogenannten  mündlichen  Arbeiten,  mag
es  sich  um  die  „Aneignung  des  Gredächtnisstoffes‘“  oder  um
die  „Befestigung  des  Grelernten‘“  oder  um  die  „Erziehung  zu
selbständiger  geistiger  Tätigkeit‘‘  handeln,  wenigstens  für  die
unteren  und  mittleren  Klassen  aus  dem  Hausaufgabenpensum
gestrichen  haben  will.  Die  schriftlichen  will  er  auf  solche
beschränkt  wissen,  die  entweder  der  Anleitung  zur  „Ordnung
und  Sauberkeit‘  dienen  oder  zur  „Einübung  des  in  der  Schule
Gelernten‘‘  unerläßlich  sind.  Nur  die  mündlichen  Aufgaben
sind  es  nämlich  nach  Dannenberg,  die  unberechenbare  Zeit  in
Anspruch  nehmen  und  unberechenbare  Unruhe  im  Gemüt  des
Schülers  erzeugen  können.)

Ich  weiß  nicht,  ob  diese  Ansicht  Dannenbergs  so  ohne
weiteres  generalisiert  werden  darf.  Nach  dem  Resultate
meiner  Erhebungen,  die  ich  in  der  Untertertia  einer  Oberrealschule
  veranstaltet  habe,  und  die  ich  in  der  Zeitschrift  für
Schulgesundheitspflege  1906  Nr.  ı  veröffentlicht  habe,  hat
sie  sich  wenigstens,  was  die  Zeit  anlangt,  nicht  bestätigt.
Wenn  ich  die  Fächer  betrachte,  in  denen  nur  mündliche
Aufgaben  gestellt  werden,  so  finde  ich  als  Durchschnittsarbeitszeiten
  zu  Hause  für  Religion  ı7  Minuten,  für  Geographie
ıı  Minuten,  Geschichte  ı5  Minuten,  Geometrie  (in  der  auf
dieser  Stufe  vorwiegend  mündliche  Aufgaben  gegeben  werden)
ıı  Minuten,  Englisch  und  Französisch  (es  wurden  niemals
schriftliche  Hausaufgaben  in  diesen  beiden  Fächern  in  dieser
Klasse  erteilt)  15  bezw.  ı8  Minuten,  dagegen  haben  wir  für
Algebra  (wo  fast  regelmäßig  schriftliche  Aufgaben  gestellt
waren)  20  Minuten,  und  für  Deutsch,  wo  sehr  oft  schriftliche
Aufsatzentwürfe  gegeben  waren  30  Minuten.  (Man  vergleiche

*)  Vergl.  hierüber  diese  Arbeit  S.  4.