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möglichkeit  vieler  Schüler  auf  einen  Sitz,  wie  man  zu  sagen
pflegt,  vollständig  den  aufgegebenen  Gedächtnisstoff  sich  zu
eigen  zu  machen.  Sehr  viele  müssen  die  Aufgabe  mit  Unterbrechungen
  zwei-  und  dreimal  wieder  überlernen,  um  sie
vollständig  zu  beherrschen.  Wollte  man  nun  trotzdem  den
Schülern  zum  Aneignen  der  mündlichen  Hausaufgabe  eine
größere  Zeit  am  Ende  der  Lehrstunde  zur  Verfügung  stellen,
so  würde  von  der  Stunde  (zu  45  Minuten  gerechnet,  wie  es
beispielsweise  in  Hessen  vielfach  der  Fall  ist  und  wie  es
im  Interesse  der  Hygiene  wohl  auch  verlangt  werden  muß)
kaum  noch  etwas  übrig  bleiben.  Wie  wollte  man  in  diesem
Falle  ferner  die  Schüler,  die  ihre  Aufgaben  ziemlich  rasch
erledigt  haben,  in  geeigneter  Weise  weiter  beschäftigen,  bis
alle  anderen  fertig  sind.  Die  Untätigkeit  dieser  rascher
arbeitenden  Schüler  nach  Erledigung  ihrer  Aufgabe  würde
gewiß  zu  manchem  Unfug  und  zu  mancher  Störung  der
noch  arbeitenden  Schüler  führen.

Was  die  schriftlichen  Hausaufgaben  anbelangt,  so
gibt  es  eine  Anzahl  Fächer,  in  denen  sie  die  Pädagogik  für
entbehrlich  hält.  Hierzu  gehören  neben  der  Geographie’)
und  den  vorher  erwähnten  naturwissenschaftlichen
Fächern  (Botanik,  Zoologie,  Physik,  Chemie)  noch  Geschichte
  und  Religion,  und  wenn  irgendwo  schriftliche  Ausarbeitungen
  und  Aufgaben  für  diese  Lehrgegenstände  gefordert
  werden,  so  ist  dies  ein  Mißstand,  der  pädagogisch  und
durch  die  Erlasse  der  Behörden  verworfen  wird.?)

Zulässig  vom  pädagogischen  Standpunkte  sind  schriftliche
  Hausaufgaben  nur  im  Deutschen,  mit  großen  Einschränkungen
  in  den  Fremdsprachen  und  in  den  mathematischen
  Fächern.  Als  Hauptgrundsatz  gilt  ferner  der,
diese  schriftlichen  Aufgaben  möglichst  nach  den  oberen
Klassen  hinauszuschieben  und  sie  für  die  unteren  Klassen  zu
beschränken.  °

Ganz  besonderen  Wert  gewinnt  in  vielen  Fällen  die
schriftliche  Hausaufgabe  dadurch,  daß  sie  mehr  als  die  münd-1)

  Wenn  wir  absehen  von  der  Anfertigung  von  Kartenskizzen.
9)  Vergl.  H,  Schiller,  Schularbeit  und  Hausarbeit.  Berlin,  Weidmann,
1901,  S.  31.