—  128  —

einräume  und  dieselben  nicht  in  übermäßiger  Weise  durch
Hilfeleistungen  für  den  elterlichen  Beruf  oder  die  Familie  in
Anspruch  nehme.  Wir  gehen  nun  einen  Schritt  weiter  und
weisen  darauf  hin,  daß  auch  noch  andere  Umstände  im  Elternhause
  imstande  sind,  den  Kindern  die  für  die  Schularbeit  und
Erholung  notwendige  Zeit  einzuschränken,  und  das  sind  die
Privatstunden.  Was  diejenigen  Privatstunden  anlangt,  die
genommen  werden,  um  in  einem  oder  mehrereren  Fächern
die  schlechten  Noten  auszugleichen,  so  sind  sie  vom  gesundheitlichen
  Standpunkte  nur  da  zu  empfehlen,  wo  ein  Kind
wegen  Versäumnis  des  Unterrichtes  in  einzelnen  Fächern  das
Fehlende  nachzuholen  hat,  oder  wo  bei  allgemein  guten
Leistungen  sich  Mängel  in  einem  einzelnen  Fache  zeigen.)
Auf  keinen  Fall  darf  dieser  Privatunterricht  übertrieben
werden,  auch  nicht  kurz  vor  dem  Versetzungstermin,  wo
manche  Kinder  in  3—4  und  mehr  Fächern  nachgedrillt  werden,
also  neben  dem  regulären  Unterricht,  der  ihnen  in  diesem
Falle  an  und  für  sich  eine  Plage  sein  muß,  womöglich  täglich
privatim  nacharbeiten  müssen?)  Wenn  ein  Schüler  nicht  aus
eigener  Kraft  das  Klassenziel  in  der  bestimmten  Zeit  erreichen
kann,  so  ist  es  für  ihn  besser,  daß  er  noch  längere  Zeit  in
derselben  Klasse  sitzt,  als  daß  er  durch  übermäßige  Nachhilfestunden
  zwar  notdürftig  zur  Versetzung  fähig  wird,  aber
Schaden  an  seiner  Gesundheit  nimmt.)

Auch  Privatunterricht  anderer  Art,  Musik-,  Stenographie-,
Malstunden,  Privatunterricht  in  den  Handarbeiten,  Brennen,
Schnitzen  usw.  sollen  nur  in  beschränktem  Maße  erteilt
werden  und  zwar  nur  an  solche  Kinder,  die  wirklich  Lust
und  Liebe  und  Talent  für  das  eine  oder  andere  haben.  Bei
den  Musikstunden  wird  dazu  noch  viel  Zeit  zum  Üben  gebraucht.
  In  einer  Tertia  finde  ich  zu  Anfang  des  Wintersemesters
  ı7°/,  Schüler  mit  wissenschaftlichem  und  39°,
mit  Privatunterricht  anderer  Art.  Die  erste  Zahl  wird  sich

1)  Vergl.  Janke:  Schulhygiene.  II.  Aufl.  Hamburg,  Voß,  S.  157.

®)  Roller:  Die  Beschäftigung  der  Schüler  der  höheren  Lehranstalten
außerhalb  der  Schule  von  gesundheitlichem  Standpunkte  aug  betrachtet.  (Verhandlungen
  des  I.  Internat.  Kongresses  für  Schulhygiene  zu  Nürnberg.  Nürnberg,

  Schrag,  1904,  Bd.  IV,  S.  278.)
9)  Vergl.  Janke:  Schulhygiene.  II.  Aufl.  Hamburg,  Voß,  S.  158.