GRUPPE  2:  Das  deutsche  Mittelalter

Auf  Karl  den  Großen  folgt  sein  Sohn  LUDWIG  DER  FROMME  (814-840).  Unter  ihm  beginnen  römische
Einflüsse  die  noch  unzerstörte  germanische  Kultur  zu  überwuchern.  Der  Streit  um  seine  Nachfolge  wird  durch
den  Vertrag  von  Verdun  84  3  beendet,  der  das  Reich  Karls  des  Großen  in  drei  Teile  teilt:

I.  LOTHAR  erhält  Italien  und  Mittelfranken.  Sein  Erbe,  das  die  verschiedensten  Völker  umfaßt,
zerfällt  sehr  rasch.

2.  LUDWIC  DER  DEUTSCHE  erhält  Ostfranken,  d.  h.  das  Land  zwischen  Rhein  und  Elbe,
wozu  8  die  germanischen  Teile  von  Lothars  Reich  kommen:  Friesland,  Elsaß  und  Lothringen.

3.  KaRL  DER  KAHLE  erhält  Westfranken.

In  Ludwigs  Reich  überwiegt  die  germanische,  in  Karls  Reich  die  romanische  Bevölkerung.  So  entwickeln  sich
fortan  Deutschland  und  Frankreich  als  nationale  Staaten.  Die  Ostfranken  nennen  ihre  Sprache  die  deutsche,
d.  h.  die  volkstümliche  —  im  Gegensatz  zu  der  römischen  Sprache  der  gelehrten  Geistlichkeit.
Die  Grenzen  dieser  Reiche  verändern  sich  freilich  fortwährend.  Unter  den  letzten  Karolingern  scheint  sich  Ostfranken
  sogar  in  die  von  Karl  dem  Großen  beseitigten  Stammesherzogtümer  Franken,  Sachsen,  Bayern,  Schwaben,
  Lothringen  auflösen  zu  wollen.  Da  stellt  der  sächsische  Herzog  HEINRICH,  der  auf  Wunsch  des  letzten  Karolingers
  (T  918)  zum  König  von  Franken  und  Sachsen  gewählt  wird,  das  deutsche  Reich  wieder  her.  Er  begründet
zugleich  die  Oynastie  '
derKONIGEUNDKAISERAUSDEMSÄCHSISCHENHAUSE  (919—1024).
919—936Heinrichl.,936—972OttoI.derGroße
973—983OttoII.,983—Ioo2OtoIII.,1002—1024Heinrich11.
Heinrichs  J.  größte  Tat  ist  der  Sieg  über  die  einbrechenden  Ungarn  an  der  Unstrut  933.  Um  seine  Lande  gegen
diese  fortan  zu  sichern,  baut  er  die  Städte  zu  festen  Plätzen,  d.  h.  zu  Burgen  aus,  in  denen  die  „Bürger“  wohnen.
Sein  Sohn  OTTO  DER  GROSSE  hat  zunächst  mit  inneren  Unruhen,  bei  denen  sein  jüngerer  ehrgeiziger  Bruder
Heinrich  sich  mehrfach  gegen  ihn  stellt,  viel  zu  kämpfen.  Einem  erneuten  Einfall  der  Ungarn  begegnet  er  durch
seinen  Sieg  auf  dem  Lechfelde  bei  Augsburg  955.  Ebenso  bedeutsam  aber  ist  seine  kolonisatorische  Tätigkeit:  den
Wendenaufstand  läßt  er  durch  Markgraf  Gero  niederringen  und  besiedelt  Osterreich,  Steiermark  und  Kärnten  mit
Deutschen.  Die  Verfassung  des  deutschen  Reiches  beruht  damals  auf  einem  Wahl-Königtum.  Dem  erwählten
König  fallen  bedeutende  Güter  in  allen  Teilen  des  Reiches  zu,  deren  Verwaltung  die  sogenannten  Pfalzgrafen
ausüben.  Eine  feste  Residenz  ist  nicht  vorhanden.  Der  König  ordnet  überall  die  wichtigen  Angelegenheiten  persönlich.
Oberste  Beamte  sind  die  Herzöge,  denen  Grafen  und  kleinere  Vasallen  untergeordnet  sind.  Neben  ihnen  stehen
mit  gleichem  Ansehen  die  Bischöfe,  welche  mit  Reichslehen  bedacht  werden.  Die  Städte  sind  noch  unbedeutend.
Als  der  Papst  den  König  zu  Hilfe  ruft,  zieht  Otto  nach  Rom,  wo  er  062  die  Kaiserwürde  erneuert  und  damit
das  Heilige  Römische  Reich  Deutscher  Nation  begründet.  Dies  gibt  fortan  den  deutschen  Königen  als  obersten
Herrschern  der  Christenheit  Anspruch  auf  die  Schutzherrschaft  über  die  Kirche.  Diese  wird  unter  seinen  Nachfolgern
  und  den  beiden  ersten
FRANKISCHEN  KAISERN  dro22½

1024-1039  Konrad  II.,  1030—10  50  Heinrich  III.,  1056-1  106  Heinrich  IV.,  1106-1125  Heinrich  V.

tatsächlich  auch  in  aller  Form  ausgeübt.  Mit  Heinrich  II.,  dem  gelehrtesten  der  alten  deutschen  Kaiser,  erlischt

der  Mannesstamm  des  sächsischen  Hauses.  Zum  erstenmal  erfolgt  durch  die  Fürsten  aller  deutschen  Stämme  auf
der  Rbeinebene  zwischen  Mainz  und  Worms  die  Königswahl.  Sie  fällt  auf  KONRAD  II.,  der  das  Reich  nach
außen  und  innen  auszubauen  versteht;  u.  a.  ist  er  der  erste  deutsche  König,  der  sich  nicht  nur  auf  die  selbstherrlich
werdende  Aristokratie,  sondern  auf  die  unteren  Stände  zu  stützen  versucht.  Unter  seinem  Sohn  HEINRICH  III.
erhebt  sich  das  deutsch-römische  Kaisertum  zu  außerordentlichem  Glanz.  Ihm  folgt  sein  djähriger  Sohn  HEIN--RICH
  IV.für  den  anfangs  seine  Mutter  Agnes  die  Regierung  führt.  Dies  benutzt  eine  größere  Zahl  von  Fürsten
und  Bischöfen,  innere  Zwistigkeiten  auszutragen,  was  um  so  verhängnisvoller  wird,  als  dem  Kaiser  inzwischen  in
Papst  Gregor  VII.  ein  mächtiger  Gegenspieler  erwächst.  Die  durch  Reformen  gefestigte  Kirche  gewinnt  die  Oberhand
  und  stellt  nunmehr  den  Grundsatz  auf,  daß  das  Papsttum  als  Nachfolger  der  Apostelfürsten  den  Ausgangstu——“u]“uünsi.



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