GRUPPE  4:  Die  Zeit  des  30jährigen  Krieges

Nach  dem  Augsburger  Religionsfrieden  (1555)  breitet  sich  die  neue  Lehre  weiter  aus:  vier  Fünftel  aller  Deutschen
  sind  bereits  protestantisch,  ebenso  große  Teile  von  Böhmen,  Osterreich  und  Ungarn.  Da  setzt  eine  Gegenbewegung
  der  katholischen  Kirche  ein.  Im  KONZIL  VON  TRIENT  (1545-1563)  wird  der  Ablaßverkauf  beseitigt
  und  die  Kirche  „an  Haupt  und  Gliedern“  reformiert.  Vor  allem  der  Jesuitenorden,  dessen  Mitglieder  sich
außer  zu  den  Mönchsgelübden  zu  unbedingtem  militärischen  Gehorsam  unter  ihre  Oberen  verpflichten,  gelangt  zu
großem  Einfluß.  Er  gewinnt  Bayern  und  Osterreich,  Westfalen  und  den  Rhein  dem  Katholizismus  zurück.  Demgegenüber
  schließen  sich  die  protestantischen  Fürsten  und  Städte  in  der  UNION  zum  Schub  ihres  Glaubens  zusammen
  (1608).  Ein  Jahr  darauf  gründet  Max  von  Bayern  in  der  LIC  Aeinen  katholischen  Gegenbund.  Der
Fenstersturz  zu  Prag  1618  führt  die  Katastrophe  herbei:  aus  einem  böhmischen  Konflikt  wird  ein  deutscher,  aus
diesem  ein  europäischer  Krieg.  -

Als  1619  der  kinderlose  Kaiser  Matthias  stirbt,  einigen  sich  die  deutschen  Kurfürsten  eigenartigerweise  auf  den
strengkatholischen  FERDINAND  II.  (1619-1637).  Die  Böhmen  erkennen  ihn  jedoch  nicht  an  und  wählen  das
Haupt  der  Union,  den  jungen  Friedrich  V.  von  der  Pfalz,  zu  ihrem  König.  Ihr  Aufstand  greift  nach  Schlesien  und
Mähren  über.  Da  verbündet  sich  der  Kaiser,  der  „lieber  über  eine  Wüste  als  über  ein  Land  voller  Ketzer  herrschen
will“,  mit  dem  Haupt  der  Liga.  Den  Oberbefehl  erhält  TTLLV.  Er  schlägt  den  „Winterkönig“  in  der  Schlacht
am  Weißen  Berge  bei  Prag  1620.  Böhmen  wird  unterworfen.  Die  Union  löst  sich  auf.  In  die  sich  nun  entspinnenden
  Kämpfe  greift  König  Christian  IV.  von  Dänemark,  der  zugleich  Herzog  von  Holstein  ist,  ein.  Er  hofft,
ein  Stück  deutscher  Nordseeküste  zu  erlangen.  Demgegenüber  stellt  ALBRECHT  VON  WALLENSTEIN,
der  sich  aus  den  eingezogenen  protestantischen  Gütern  in  Böhmen  riesigen  Grundbesitz  erworben  hat,  auf  eigene
Kosten  dem  Kaiser  ein  Heer  zur  Verfügung.

Wallenstein  und  Tilly  drängen  nunmehr  die  Protestanten  und  Dänen  nach  Norden  zurück.  Durch  Kontributionen
versorgen  sich  die  Truppen  in  den  eroberten  Ländern.  Als  „General  der  ganzen  kaiserlichen  Schiffsarmada,  wie  auch
des  ozeanischen  und  baltischen  Meeres“  will  Wallenstein  den  Kaiser  zum  Herrn  der  Ostsee  machen.  Eine  deutsche
Flotte  soll  die  alte  Hansamacht  wieder  aufrichten.  Aber  die  Stadt  Stralsund,  die  Wallenstein  als  Hafen  gewinnen
  will,  und  „wäre  sie  mit  Ketten  an  den  Himmel  geschlossen“,  trotzt  dem  Feldherrn.  Da  regen  sich  die  Fürsten,
  denen  Wallenstein  zu  mächtig  wird.  Auf  dem  Reichstag  zu  Regensburg  163o  sehen  sie  seine  Abberufung
durch.  Der  „Herzog  von  Friedland“  zieht  sich  nach  Böhmen  zurück,  um  bier  in  königlicher  Pracht  Hof  zuhalten.
Die  Sorge  vor  der  Begründung  einer  kaiserlichen  Seemacht  auf  der  Ostsee  und  das  Bestreben,  den  bedrohten
protestantischen  Glauben  zu  schützen,  hat  inzwischen  CUSTAV  ADOLF’von  Schweden  auf  den  Plan  gerufen.
Er  landet  1630  bei  Stettin  und  schlägt  Tilly,  der  inzwischen  Magdeburg  zerstört  hat,  entscheidend  in  der
Schlacht  bei  Breitenfeld  1631.  In  glänzendem  Siegeszug  geht  er  dann  über  Mainz  nach  Süddeutschland
und  schlägt  Tillpy  beim  Lech-Ubergang  noch  einmal.  Dieser  erliegt  einer  tödlichen  Wunde.  Der  Protestantismus
  ist  gerettet.  Die  habsburgischen  Lande  stehen  Gustav  Adolf  offen;  aber  auch  Norddeutschland  ist  in  Gefahr,
schwedisch  zu  werden.

In  dieser  Not  des  Kaisers  hilft  noch  einmal  Wallenstein.  Er  erhält  den  alleinigen  Oberbefehl  sowie  das  Recht
freier  Friedensverhandlungen  mit  den  deutschen  Protestanten.  Schnell  hat  er  wieder  ein  großes  Heer  geworben.
In  der  Leipziger  Ebene  tritt  ihm  Gustav  Adolf  entgegen.  Am  6.  November  1632  kommt  es  zur  Schlacht  bei
LUTZEN  -inem  vollen  Siege  des  schwedischen  Heeres,  das  damals  schon  zu  vier  Fünftel  aus  Deutschen  besteht.
Gustav  Adolf  selbst  aber  muß  im  Kampf  gegen  die  Kürassiere  Pappenheims,  der  gleich  falls  fällt,  sein  Leben  lassen.
Wallenstein  zieht  sich  nach  Böhmen  zurück.  Er  denkt  nicht  mehr  daran,  gegen  die  ihres  Führers  beraubten  Brotestanten
  weiterzukämpfen,  trägt  vielmehr  Pläne  von  größter  nationaler  Bedeutung  in  sich.  Die  Glaubensparteien
will  er  versöhnen.  Gemeinsam  sollen  sie  dann  die  Fremden  vom  deutschen  Boden  verjagen.  Der  Kaiser  will  davon
nichts  wissen.  Um  ihn  zum  Nachgeben  zu  zwingen,  verhandelt  Wallenstein  jetzt  mit  den  Schweden;  doch  der  Kaiser
setzt  ihn  ab  und  bringt  im  geheimen  einige  seiner  Offiziere  auf  seine  Seite.  In  Eger  wird  der  Feldherr,  der  seiner
Zeit  weit  vorauseilte  und  dem  als  Ziel  ein  großes  einiges  deutsches  Reich  vorschwebt,  in  seinem  Schlafgemach
ermordet  (1634).

Jebt  löst  sich  der  Krieg  in  rohe  Plünderungszüge  auf.  Frankreich,  mit  Schweden  verbündet,  sucht  das  Elsaß  und
die  Rheingrenze  zu  gewinnen.  Aus  dem  Religionskrieg  wird  ein  Raubkrieg,  ein  Ringen  um  die  Vorherrschaft  in
Europa  auf  deutschem  Boden.  «
FERDINANDHL(I637—1657)erstrebtendlichdenFrieden.Dieserbåsiegelt1648inMünsterdieNiederlage
-deshabsburgischenSystems.DieReichseinheitistendgültigdahin.FürstenundReichsstädteerlangendievolle
Landeshoheit  und  dürfen  sogar  mit  fremden  Staaten  Bündnisse  schließen  —  nur  nicht  gegen  Kaiser  und  Reich.
Frankreich  und  Schweden  erhalten  die  Möglichkeit,  in  allen  innerdeutschen  Fragen  mitzureden.  Wie  sie  dies  tun,
zeigt  die  Zerstörung  Heidelbergs  durch  Melac  1689.  In  dieser  Zeit  tiefster  Not  erhebt  sich  allmählich  der  brandenburgische
  Staat.  Aus  ihm  erwächst  die  neue  Zukunft:  das  zweite  Reich.

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