Im  Winter  1758  fällt  der  russische  Feldmarschall  Fermor  in  Ostpreußen  ein  und  besetzt  es,  ohne  erheblichen
Widerstand  zu  finden.  Sengend  und  brennend  dringen  seine  Truppen  bis  Küstrin  vor,  das  sie  belagern,  um  sich
den  Weg  nach  Berlin  frei  zu  machen.  Friedrich,  die  Gefahr  für  seine  Hauptstadt  erkennend,  wendet  sich  in  Eil—
märschen  nach  Norden  und  besiegt  die  ihm  an  Zahl  weit  überlegenen  Russen  am  2  F.  August  in  der  blutigen  Schlacht
bei  Z0RNDORF.  Eine  Verfolgung  ist  jedoch  nicht  möglich;  denn  inzwischen  ist  eine  österreichische  Armee
unter  Daun  in  Sachsen,  eine  andere  in  Schlesien  eingefallen.  Daun  nimmt  jedoch  keine  offene  Feldschlacht  an,
so  daß  Friedrich  beschließt,  zunächst  Schlesien  zu  säubern.  Um  ihn  daran  zu  bindern,  versperrt  ihm  Oaun  im  Berggelände
  bei  Bauten  den  Weg.  Der  König  wagt  es,  angesichts  des  Feindes  am  Fuße  des  Gebirges  ein  Lager  bei
HOCHKIRCH  aufzuschlagen.  Seine  Stellung  ist  so  ungünstig,  daß  seine  Generale  dringend  zum  Abmarsch  raten.
Schon  ist  dieser  beschlossen,  als  Daun  ihn  in  der  Nacht  zum  14.  Oktober  überfällt  und  ihm  eine  empfindliche
Niederlage  bereitet.  Dennoch  bleibt  der  König  strategisch  seinen  Gegnern  überlegen.  Er  vermag  seine  Truppen
in  guter  Ordnung  aus  der  Schlacht  herauszuführen  und  seine  eigentliche  Absicht,  die  Säuberung  Schlesiens,
durchzusetzen.

Das  Jahr  1759  beginnt  für  Preußen  trübe.  Das  Heer  ist  stark  zusammengeschmolzen,  so  daß  der  König  von  vornberein
  in  die  Defensive  gedrängt  ist.  Seine  Hauptaufgabe  sieht  er  darin,  die  Vereinigung  der  Russen  und  Osterreicher
  und  deren  gemeinschaftlichen  Angriff  auf  die  Mark  Brandenburg  zu  verhindern.  Auch  die  Franzosen  stoßen
von  Westen  her  in  dieser  Richtung  vor,  werden  jedoch  von  Ferdinand  von  Braunschweig  am  1.  August  bei  Minden
geschlagen.  Friedrich  selbst  kämpft  jedoch  unglücklich.  Am  12.  August  greift  er  die  von  den  Osterreichern  noch  getrennten
  Russen  bei  KUNNERSDORF  (Frankfurt  a.  d.  O.)  an.  Diesmal  ist  aber  Laudon,  der  tüchtigste  der
österreichischen  Generale,  ebenso  schnell  wie  er.  Seine  frischen  Truppen  entscheiden  die  Schlacht.  Sepdlitz  wird
schwer  verwundet.  Der  König  selbst,  dem  zwei  Pferde  unter  dem  Leibe  erschossen  werden,  entgeht  nur  mit  Mühe
der  Gefangennahme.  Der  Rückzug  wird,  was  bei  Kolin  und  Hochkirch  nicht  der  Fall  war,  zu  wilder  Flucht.
Friedrich  hält,  wie  er  am  Abend  schreibt,  „alles  für  verloren“  und  ist  entschlossen,  den  „Untergang  des  Vaterlandes
nicht  zu  überleben“.  Da  tritt  das  „Mirakel  des  Hauses  Brandenburg“  ein:  der  Feind  wagt  keine  Verfolgung.
Friedrich  ist  gerettet.

Das  neue  Kriegsjahr  (1760)  bringt  zunächst  für  Preußen  weiteres  Unglück.  Der  preußische  General  Fouqué
erliegt  bei  Landshut  nach  heldenmütigem  Ringen  den  weit  überlegenen  Truppen  Laudons  und  gerät,  schwer  verwundet,
  in  Gefangenschaft.  Wiederum  ist  Schlesien  aufs  schwerste  bedroht.  Da  eilt  Friedrich  herbei  und  greift  in
der  Frühe  des  15.  August  die  dreifach  überlegenen  Osterreicher  bei  LIECNITTZ  an.  Er  erringt  einen  glänzenden
Sieg.  Nun  aber  wird  Berlin  von  einem  russisch-österreichischen  Streifkorps  besetzt,  Potsdam  und  Charlottenburg
werden  geplündert.  Friedrich  zieht  in  Eilmärschen  heran,  worauf  die  Feinde  eiligst  den  Rückzug  antreten.  Inzwischen
  hat  Oaun  ganz  Sachsen  erobert,  so  daß  sich  Friedrich  wieder  gegen  ihn  wenden  muß.  Bei  TORGAU
werden  am  3.  November  die  Osterreicher  nach  langem  erbittertem  Kampf  geschlagen.

1761  stellt  England  die  Zahlungen  seiner  Hilfsgelder  für  Friedrich  ein;  zudem  verliert  der  König  zwei  Festungen:
Laudon  besetzt  Schweidnitz,  die  Russen  nehmen  Kolberg  ein.  In  dieser  höchsten  Not  stirbt  die  Zarin  Elisabeth  von
Rußland.  Ihr  Nachfolger,  Peter  III.,  ein  Bewunderer  des  großen  Königs,  schließt  mit  ihm  Frieden.  Die  Osterreicher
  stehen  jetzt  allein.  Am  21.  Juli  1762  schlägt  Friedrich  sie  bei  Burkersdorf  und  erobert  dann  Schweidnitz
zurück.  Gleichzeitig  besiegen  Prinz  Heinrich  und  Sendlitz  die  mit  den  Osterreichern  vereinigten  Reichstruppen  bei
Freiberg  i.  Sa.  Jetzt  fordern  die  deutschen  Reichsstände  den  Frieden.  Dieser  kommt  im  Februar  1763  in
HUBERTUSBURG  zustande.  Friedrich  behält  Schlesien  und  die  Grafschaft  Glatz  und  verspricht  dem  Sohne
Maria  Theresias  (Joseph)  seine  Stimme  bei  der  Kaiserwahl.

23  Friedensjahre  darf  der  „Alte  Fritz“  noch  erleben,  in  denen  er  sich  als  „der  erste  Diener  des  Staates“  betätigt.
Das  Land  ist  verarmt  und  teilweise  verödet.  Aber  in  unermüdlicher  Aufbauarbeit  werden  die  Schäden,  die  der
Krieg  verursacht  hat,  verhältnismäßig  schnell  behoben.  Friedrichs  Regiment  ist  streng,  aber  gerecht;  seinem  Scharfblick
  entgeht  nichts.  Als  nach  der  ersten  TEILUNC  POLENS  das  Bistum  Ermland,  der  Nebedistrikt  und
Westpreußen  an  Preußen  fallen,  veranlaßt  der  König  in  diesen  Gebieten  eine  Kolonisation,  wie  sie  in  der  deutschen
Geschichte  einzig  dasteht;  das  Oder-,  Warthe=  und  Nehzebruch  werden  trockengelegt  und  besiedelt.

Mit  gleich  großem  Eifer  wie  für  die  Landwirtschaft  sorgt  der  König  für  die  Industrie:  Porzellan,  Tabak,  Leinen,
Tuch,  Samt  und  nicht  zulezt  die  schlesische  Montanindustrie  werden  von  ihm  gefördert  oder,  wie  die  Seidenindustrie,
  erst  von  ihm  ins  Leben  gerufen.  So  gelingt  es  ihm,  sein  Land  trotz  der  schweren  Kriegszeiten  auf  eine  viel
höhere  Kulturstufe  zu  heben  als  zuvor.

Am  17.  August  1786  schließt  Friedrich  der  Große  seine  Augen,  nachdem  er  46  Jahre  regierte.  In  der  Erinnerung
des  Volkes  lebt  die  Gestalt  des  „Alten  Fritz“  mit  dem  scharfgeschnittenen  Gesicht,  den  durchdringenden  Augen
und  mit  dem  Krückstock  in  der  Hand  fort.  Er  hat  sein  Preußen  gegen  eine  Welt  von  Feinden  behauptet  und
es  zu  einer  europäischen  Großmacht  erhoben.  Das  Erwachen  Deutschlands  hat  er,  der  seiner  Zeit  weit  voraus
war,  im  Geiste  kommen  sehen:  „Ich  bin  wie  Moses;  ich  schaue  von  ferne  das  Gelobte  Land,  aber  ich  werde  es
nicht  betreten.“