zwischen  Schlei  und  Eiber  und  in  der  Arensharde.  5

in  Dänemark  dachte,  ersieht  man  aus  mancherlei  Aussprüchen  von  Gelehrten
  oder  Reisenden;  der  dänische  Dichter  Blicher  meint  sogar  in
seinen  Nordseebildern,  wenn  der  Kopenhagener  plötzlich  durch  ein  Luftoder
  Dampfschiff  nach  Agger  (vor  der  Westmündung  des  Liimfiords)
versetzt  würde  und  die  fremden  Trachten  und  Gesichter  der  dortigen
Bevölkerung  erblickte  und  deren  fremdartige  Sprache  hörte,  so  müßte
er  glauben,  er  befinde  sich  in  einem  fremden  Lande.

Während  L.  Varming  (1862),  der  zuerst  in  wissenschaftlicher  Weise
die  sprachliche  und  geschichtliche  Stellung  des  jütischen  Volkes  einer  Untersuchung
  unterzog,  unbedingt  die  Verwandtschaft  des  Jütischen  mit  dem
Westgermanischen  ebensosehr  einräumte,  wie  er  dessen  sonstigen  nordischen
Charakter  betonte  1),  hat  sich  die  neuere  dänische  Sprachforschung  mit
dem  Aufwande  aller  Gelehrsamkeit  auf  das  eifrigste  bemüht,  diesen  westgermanischen
  Bestandteil  im  Westjütischen  hinweg  zu  deuten  und  selbst  die
Jüten  zu  einem  dänischen  Volksstamm  mit  einer  dänischen  Mundart  zu
machen.  2)  Die  dänischen  Forscher  vergessen  dabei,  daß  es  keinem  deutschen
Gelehrten  heute  einfällt,  die  enge  Verwandtschaft  auch  des  Westjütischen
in  ganz  wesentlichen  Punkten  mit  den  Inselmundarten  zu  bestreiten;  es
wäre  deshalb  sehr  wünschenswert,  wenn  sie  wie  ihre  älteren  Genossen
es  über  sich  gewinnen  könnten,  die  nahe  Verwandtschaft  des  Westjütischen
mit  den  westgermanischen  Sprachen  in  einigen  wichtigen  Punkten  lieber
zuzugestehen,  als  immer  neue  vergebliche  Versuche  zu  machen  dies  Rätsel
im  dänischen  Sinne  zu  lösen.  Von  einigen  weniger  scharf  ausgeprägten
Eigentümlichkeiten  und  der  eigenartigen  Betonung  besonders  im  Osten
des  Landes  abgesehen,  wie  dem  Gebrauch  des  Hilfsverbums  werd  statt
des  dänischen  -es  für  das  Passivum  oder  des  w  im  Anlaut  in  Orm,
Onsdag,  in  den  Ortsnamen  Vonsbek,  Vonsild,  Vojens,  im  Gegensatz  zu
den  nordischen  Formen  Odenbek,  Odinsbeke,  Odenschulde,  Odhensmose,
  Odinsmoze  (Abt.  II.  123),  dem  Gebrauch  des  Partizip  Perfekts
ohne  t  u.  a.,  ist  es  der  vorgesetzte  substantivische  Artikel,  der  das  Westjütische
  näher  an  die  Seite  des  Westgermanischen  rückt.  Selbst  wenn  es
richtig  wäre,  daß  der  angehängte  substantivische  Artikel  erst  nach  und

1)  Varming:  Det  jydake  Folkesprog.  2.  4.  299ff.

2)  Haandbog  i  det  nordslesvigsko  Sprögsmaals  Historie:  Det  danske
Folkesprog  i  Sönderiylland  af  Thorsen  119ff.  slber  die  Betonung  vergl.
N.  Andersen:  Om  den  musikalske  Akzent  i  Östslesvig  1897.