6  A.  Die  Jüten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft

nach,  besonders  seit  dem  13.  Jahrhundert,  im  Dänischen  um  sich  gegriffen
habe),  so  bleibt  doch  die  Tatsache  bestehen,  daß  er  nur  auf  den  Inseln
und  in  dem  nördlichen  und  östlichen  Jütland  und  nicht  in  den  westjütischen
und  schleswigschen  Sysseln  herrschend  ist  und  noch  heute  dieser  Mundart
völlig  fehlt.  Der  beliebte  Einwand,  daß  das  Herzogtum  deswegen  dem
sprachlichen  Vorgange  nicht  habe  folgen  können,  weil  es  seit  dem  13.  Jahrhundert
  von  dem  Königreich  getrennt  gewesen,  ist  völlig  hinfällig,  weil
ganz  Westjütland  innerhalb  der  oben  genannten  Linie  der  alten  Weise
treu  geblieben  ist,  obwohl  es  schon  seit  alters  einen  Teil  des  dänischen
Reiches  bildete.  Ebensowenig  hat  der  Versuch,  die  Bildung  des  vorgesetzten
  Artikels  auf  friesischen  Einfluß  zurückzuführen,  irgendwelche
Berechtigung.

Bekanntlich  ist  in  der  westjütischen  Mundart  an  die  Stelle  von
then,  thet,  the  für  alle  genera  und  numeri  die  Form  e  oder  2#  getreten
  (e  mand,  der  Mann),  deren  Entstehung  und  Erklärung  der
Forschung  große  Schwierigkeiten  bereitet.  Mag  man  nun  eine  Aphäresis,
sei  es  der  niederdeutschen  (de,  de,  dat  pl.  de)  oder  der  dänischen  Dentalis
(der,  det,  pl.  de)  annehmen,  oder,  wie  neuerdings  vorgeschlagen  wird,
es  aus  dem  nachgesetzten  en,  -et  erklären?),  die  Verwendung  des
Demonstrativums  zu  substantivischem  Artikel  streitet  so  sehr  gegen  die
Weise  sämtlicher  nordischer  Sprachen,  daß  die  Herleitung  dieses  westjütischen
  ##  aus  dem  Dänischen  höchst  unwahrscheinlich  ist.  Auffälligerweise
  kommt  dieses  mundartliche  e  oder  ##  in  den  offiziellen  Aktenstücken
der  älteren  Zeiten  nirgend  vor;  es  erscheint  nicht  einmal  in  dem  jütischen
Lov  noch  in  den  mehr  oder  weniger  noch  in  jütischer  Sprache  abgefaßten
Stadtrechten  von  Flensburg  und  Hadersleben,  noch  auch  in  den  späteren
Dingswinden  der  Harden  und  Kirchspiele,  wo  man  es  doch  am  ehesten
erwarten  sollte.  Auf  jütischem  Boden  ist  es  meines  Wissen  am  frühesten
in  einer  Dingswinde  aus  der  Gegend  von  Esbjerg  vom  Jahre  1538
nachzuweisen.  Im  Bereich  des  westjütischen  Gebietes  im  Schleswigschen
habe  ich  den  Gebrauch  des  Artikels  am  frühesten  in  einigen  Schriftstücken
  und  Rechnungen  gefunden,  die  um  das  Jahr  1660  von  einigen

1)  Molbech:  Harpestr.  laegebog.  19.  N.  M.  Petersen:  Sprog-Historie
1.  116.

2)  Lyngby:  Bidrag  til  en  sönderji.  Sprogl.  14  fl.  —  v.  Jensen:  Haandbog
  159.