18  A.  Die  Jüten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft

Der  Name  Kamp  (freies  Feld)  hat  völlig  die  gleiche  Bedeutung  und
ist  ursprünglich  nichts  weiter  als  die  niedersächsische  Benennung  desselben
  Gebietes.  Beide  Namen  sind  lange  Zeit  bei  Jüten  und  Sachsen
nebeneinander  in  Gebrauch  gewesen;  mögen  sie  auch  zuweilen  auf  verschiedene
  oder  auf  besondere  Teile  dieses  Gebietes  angewandt  sein,  wohin
die  Benennung  Kunungskampt)  bei  Rendsburg  hinzudeuten  scheint,  ihre
ursprünglich  gleiche  Bedeutung  kann  nicht  fraglich  sein.  Das  frühe
Verschwinden  der  jütischen  Bezeichnung  und  das  Fortdauern  des  Namens
Kamp  in  dem  alten  großen  Kirchspiel  Kampen  erklärt  sich  genügend
aus  dem  Zurücktreten  des  Jütischen  und  dem  stetigen  Vordringen  der
Sachsen  und  ihrer  Sprache.  Aber  der  Name  läßt  sich  noch  weiter  in
gleicher  Bedeutung  zurückverfolgen.  Das  Sinlendi,  das  die  Franken
im  Jahre  815  betraten,  als  sie  die  Eider  überschritten,  ist  nicht  bloß
geographisch  sondern  auch  sprachlich  dasselbe,  was  später  mit  Fraezlaet
und  Kamp  bezeichnet  wird;  in  König  Alfreds  Übersetzung  von  Orosius“
Geographie,  sowie  in  einem  Bericht  von  Ottars  Reise  wird  dasselbe  Gebiet
Sillende  genannt.:)  Nur  eine  völlige  Unkenntnis  der  altsächsischen  und
angelsächsischen  Sprache  kann  die  Bedeutung  des  Wortes  als  „weites,
freies,  offenes,  ödes  Gelände“  bestreiten  1),  die  ich  früher  aufgestellt
und,  wie  ich  später  gesehen,  schon  Müllenhoff  in  den  Nordalbingischen
Studien  längst  aufgestellt  hatte  und  in  seiner  Altertumskunde  (V.  123)
wiederholt  hat.)  Im  hohen  Grade  bezeichnend  für  die  „ungeheure

1)  Lantzeb.  I.  84.  152.  Kunungskamp  (verschrieben  Kunengikamp)  super
Eydoram.  Vergl.  dazu  die  Ausführung  Abt.  I.  40ff.

2)  Einhardi  ann.  ad  annum  815:  ad  auxilium  Harioldo  ferendum  trans
Aegidoram  fluvium  in  terram  Nordmannorum  vocabulo  Sinleodi  pervenerunt.
Vita  Hludovici  c.  25  die  vorige  Quelle  benutzend:  Qui  cum  Egidoram  fluvium
transissent,  deveverunt  in  terram  Nortmannorum  in  loco,  cujns  vocabulum
est  Sinlendi.  Die  späteren  angelsächsischen  Quellen  finden  sich  bei  Sweet  16.  19.
Vergleiche  dazu  die  Darlegung  in  Abt.  I.  41  f.

3)  Job.  Steenstrup:  Danmarks  Sydgrænso  Kiöbenh.  1900.  30ff.  meint
aus  nordischen  Formen  wie  laglendi,  brattlendi,  vidlendi  den  dänischen  Ursprung
  der  Benennung  Sinlendi  nachweisen  zu  können;  mit  der  ersten  Silbe
sin-  oder  sil-  weiß  er  gar  nichts  anzufangen  und  rät  u.  a.  auch  auf  yFlmoos,
syllermoor  an  der  Schlei,  die  doch  nichts  anderes  als  Sille-kiar  in  Gelting,
Sillehule  in  Loit,  Silhul  u.  a.  d.  h.  Silge,  Sille  „Sahlweide",  die  in  Sümpfen
und  Mooren  wächst,  enthalten.  Statt  die  obige  Dentung,  weil  das  Wort  dann
nicht  dänischen  Ursprungs  sein  kann,  ohne  weiteres  zurückzuweisen,  hätte  er