6.  Der  illdliche  Tell  des  Kirchspiels  Borgoby  nebst  dem  Landgebiet  des  Kirchspiels  Eclernförde.  39

mark  des  Dorfes  ausgeschiedene  Privat-  oder  Hauskoppel.  Sie  hatten
keinen  Anteil  an  der  gemeinsamen  Feldmark,  konnten  nur  zwei  Kühe
und  ein  Pferd  halten,  oft  auch  letzteres  nicht  einmal,  heuerten  sich  deswegen
  auch  zuweilen  eine  Hufe,  wie  dieses  z.  B.  für  Osterby  1664
bezeugt  ist.  Ihre  Entstehung  stammt  aus  einer  Zeit,  wo  die  adligen
Herren  in  den  Besitz  ganzer  Dörfer  gelangten  und  eigene  Häöfe  oder
Güter  zu  bilden  begannen.  Ward  ein  Kamp  oder  Schlag  der  Dorfmark
  zum  Hoffelde  gezogen  und  in  eine  Hofkoppel  verwandelt,  so  blieb
die  Wohnstätte  mit  der  Wurt  als  Hauskoppel  bestehen,  besetzt  mit  dem
früheren  Hufner  oder  einem  anderen.  So  erklärt  es  sich,  daß  oft  der
Abnahme  der  Hufen  in  einem  Dorfe  jedesmal  eine  entsprechende  Zunahme
  der  Wurtsassen  gegenübersteht.  Auch  sieht  man  daraus,  wie  ein
Dorf  so  langsam  verschwinden  und  die  Verwandlung  der  Hufner  in
Wurtsassen  und  zuletzt  in  Kätner  allmählich  erfolgen  konnte.  Bemerkenswert
  ist,  daß  diese  Wurtsassen  nirgend  in  den  adeligen  Distrikten  des
östlichen  Holsteins,  wo  doch  die  Güter  auf  ähnliche  Weise  entstanden,
auftreten.  Es  ist  daher  sehr  wohl  möglich,  daß  die  jütischen  Gaardsete
  (siehe  Schwansen),  Gaarsten  oder  Gardsen  hier  von  Einfluß
gewesen  sind.!)  Über  die  Zeit  der  Entstehung  aller  obigen  Gründungen
  sind  wir  urkundlich  nicht  genauer  unterrichtet;  es  läßt  sich  nur
so  viel  aus  der  ganzen,  mehr  oder  weniger  planvollen  Anlage  der
Kirchen  und  der  Ausdehnung  der  Kirchspiele  schließen,  daß  die  Ansiedelung
  wohl  allmählich,  aber  doch  nicht  in  einem  langen  Zeitraum
durchgeführt  ist.  Schon  die  notwendige  Rodung  in  dem  Urwald  legt
diese  Annahme  nahe.  Ganz  ohne  Frage  sind  die  Ansiedler  auch  als
Christen  eingewandert,  und  daraus  können  wir  schließen,  daß  die  Gründung
  der  Kirchen  nicht  viel  später  als  die  eigentliche  Einwanderung
fällt.  Über  die  ursprüngliche  Heimat  der  Einsiedler  geben  uns  die
wenigen,  aus  späterer  Zeit  stammenden  Namen  nur  wenig  Ausschluß.
Wir  würden  sicherer  urteilen  können,  wenn  die  gegründeten  Ortschaften
in  ihrem  alten  Bestande  geblieben  wären.  Im  allgemeinen  lassen  sich,
insbesondere  in  den  Flurnamen,  die  holsteinischen  Landschaften  und  ihre
Bewohner  wiedererkennen;  nur  ein  Fresenhagen  und  einzelne  friesische
Namen  zeugen  von  einer  Beimischung  aus  friesischen  Gegenden.  Zu

1)  Falck  und  Jensen,  N.  Staatsb.  Mag.  IX.  296.