Die  natlonale  Entwickelung  Schwansens.  85

die  in  eine  weit  frühere  Zeit  hineinreichen  müssen  und  schwerlich  den
jütischen  Einwanderern  zuzuschreiben  sind.  Vergleicht  man  die  Namen
mit  denen  des  benachbarten  Angeln,  so  trifft  man  auf  eine  ziemlich
häufige  Wiederholung,  wie  sie  sonst  in  keiner  Landschaft  des  Herzogtums
  zu  bemerken  ist:  Eschelsmark,  Saxdorf,  Thumby,  Bornewith,
Pommerby,  Gronholt,  Gereby,  Rinkenis,  Brodersby,  Gammelby
neben  Boknis  in  der  Schliesharde  und  Bustorf  in  der  Arensharde  weisen
ziemlich  deutlich  darauf  hin,  daß  die  Ansiedelungen  in  Schwansen  von
den  jenseits  der  Schlei  liegenden  Gebieten  ausgegangen  sind  und  sich
von  dort  her  erst  allmählich  über  das  Waldgebiet  durch  Rodungen
verbreitet  haben.  Sie  können  erst  begonnen  haben,  als  Angeln  völlig
ausgebaut  und  selbst  die  jüngste  der  anglischen  Harden,  die  Nieharde,
begründet  war.  Zur  Zeit  des  Waldemarischen  Erdbuches  (1231)  ist
die  Besiedelung  jedenfalls  noch  nicht  völlig  durchgeführt,  da  im  anderen
  Fall  auch  hier  eine  besondere  Harde  errichtet  wäre.  Wir  dürfen
demnach  den  Beginn  der  jütischen  Rodungen  in  Schwansen  nicht  viel
früher  als  um  die  Mitte  des  12.  Jahrhunderts  ansetzen,  d.  h.  in  einer
Zeit,  wo  das  Christentum  sich  meist  schon  in  den  übrigen  Teilen  des
Landes  kirchlich  organisiert  hatte;  damit  stimmt  auch,  daß  hier  verhältnismäßig
  wenig  Ausbauerdörfer  auftreten,  die  weiter  nach  Norden
auch  weiter  zurückreichen,  wie  man  an  dem  Mangel  aller  christlichen  Namen
sieht,  mit  denen  sie  zusammengesetzt  sind.  Ist,  wie  oben  bemerkt,
Krisbu  ursprünglich  Christiaernsbu,  so  würde  darin  ein  direkter  Beweis
  liegen,  daß  wenigstens  die  Jüten  dieses  Dorfes  als  Christen
eingezogen  sind.  Auch  läßt  sich  daun  die  eigentümliche  Erscheinung
hinlänglich  erklären,  daß  hier  im  Gegensatze  zu  Angeln  und  den  weiter
nördlich  gelegenen  Landschaften  so  geringe  und  kaum  bemerkbare  Spuren
von  heidnischen  Erinnerungen  zu  erkennen  sind:  Puksee,  Pukdam,  Pukholt,
  Pukmoor  und  Trollberg  sind  fast  die  einzigen  Zeugen  einer  heidnischen
  Vorzeit.  Besondere,  an  das  Heidentum  erinnernde  Sagen
scheinen  gleichfalls  ganz  zu  fehlen.

Der  König  Waldemar  spricht  in  dem  Erdbuche  von  26  ½  Pflügen,
die  nebst  vielen  Wäldern  ihm  in  Schwansen  gehörten.  Damit  ist
selbstverständlich  nicht  ausgeschlossen,  daß  daneben  noch  andere  Ansiedelungen
  bestanden.  Auch  dürfen  diese  Pflüge  nicht  unter  die  Zahl
der  420  Hufen  gerechnet  werden,  die  dem  Könige  zwischen  Schlei  und