86  Die  Jüten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft  zwischen  Schlei  und  Elder  und  in  der  Arensharde.

Eider  zustanden.  Wäre  dieses  der  Fall,  so  müßte  statt  Pflüge  (aratra)
auch  hier  der  niederdeutsche  Ausdruck  hovae  wiederholt  seln.  Eine
deutsche  Besiedelung  auf  Gütern  des  Königs,  wie  Ulpaenes,  Nonaes,
Clintebergh,  die  später  Krongut  wurden,  ist  sehr  wenig  wahrscheinlich.
  Ohne  Frage  hat  die  jütisch=  anglische  Einwanderung  aber  im
wesentlichen  ihr  Ende  erreicht,  als  mit  dem  Jahre  1260  alle  diese
Gebiete  in  den  Besitz  der  holsteinischen  Grafen  kamen.  Damit  beginnt
auch  erst  die  Zeit,  wo  der  Einzug  von  Deutschen  in  Schwansen  als  möglich
  erscheint.  Vielfach  wird  dieser  Vorgang  in  Zusammenhang  mit
dem  Vordringen  des  holsteinischen  Adels  stehen,  der  schon  in  Dänisch-Wohld
  und  in  Fraezlaet  vorher  festen  Fuß  gefaßt  hatte  und  von  den
dort  gewonnenen  Dörfern,  wie  z.  B.  Sehested,  Ahlefeld,  Lembek,  den
seststehenden  Familiennamen  erhielt,  aber  zu  betonen  ist,  daß  unter
den  uns  aus  dem  15.  Jahrhundert  bekannten  Bonden  die  größere  Zahl
aus  Niederdeutschen  besteht;  ihre  Vorväter  sind  also  als  freie  Männer
ins  Land  gezogen,  haben  dieselben  Rechte  wie  die  älteren  jülischen
Bonden;  sie  sitzen  auf  landesherrlichen  Gebieten  und  können  daher
nicht  von  dem  Adel,  sondern  nur  von  dem  Landesherrn  herbeigerufen
und  angesiedelt  sein.  Was  man  als  Lansten  auf  den  Dörfern  und  Höfen
des  Adels  findet,  gehört  wahrscheinlich  erst  einer  späteren  Zeit  an.)
Damit  beginnt  in  Schwansen  ein  stiller  Kampf  zweier  Nationalitäten
  in  Sprache,  Sitten  und  Häuserbau  und  in  allen  agrarischen
Verhältnissen;  es  findet  eine  ganz  allmähliche  Wandlung  statt,  die,
durch  die  politischen  Ereignisse  gefördert,  nach  und  nach  zu  dem  völligen
Siege  des  niederdeutschen  Wesens  führen  mußte.  Indem  wir  versuchen,
  den  Gang  dieses  geschichtlichen  Prozesses  näher  aufzuweisen,
werden  wir  zugleich  den  Nachweis  führen,  daß  Jahrhunderte  darüber
vergangen  sind,  ehe  das  alte  Volkstum  Schwansens  von  dem  neuen

1)  Allen  1.  39  erwähnt  eine  besondere  Geschichte  von  der  Herbeiziehung
Deutscher  seitens  des  holsteinischen  Adels  nach  Albert  Krantz  Saxonia  IX  c.  25.
Danach  heiratete  die  Herrin  von  Törning  den  adeligen  Nic.  Lembek,  einen  vir
teutonicus,  den  die  Dänen  deswegen  verspotteten.  Da  habe  sie  ihren  Gemahl
bewogen,  seine  Dienerschaft  ex  Holsatis  zu  vermehren;  seitdem  sei  er  immer  mit
einem  zahlreichen  deutschen  Gefolge  einher  geschritten,  ne  à  rusticis  contemni
posset.  Die  Geschichte  bezieht  sich  demnach  gar  nicht  auf  Kolonisation,  spielt
zwischen  1345—  48  und  wird  ausführlich  schon  von  dem  Presbyter  brem.  72.
73.  berichtet.