Die  nationale  Entwickelung  Schwansens.  95

Die  bischöfliche  Wassermühle,  die  von  den  Kaiserlichen  niedergebrannt
war,  konnte  aus  Mangel  an  Geld  nicht  wieder  aufgebaut  werden,  weshalb
  die  Einwohner  der  Ornumer  Mühle  nach  einer  Vereinbarung  mit
dem  Gutsherrn  als  Mahlgäste  zugewiesen  wurden.  Trotz  alledem  ist
aber  Dauckwerth  im  Jahre  1651  wohl  berechtigt,  Schwansen  ein  volkreiches
  Ländchen  zu  nennen.

Ganz  anders  gestalteten  sich  die  Dinge  in  der  Folgezeit;  noch  1635
hatte  z.  B.  das  Kirchspiel  Rieseby  72½  Hufen,  von  denen  10  ½  niedergelegt,
  und  25  Wurtsitze;  1724  waren  schon  33½  Hufen  verlegt,  1737
lagen  36½  wüste  und  waren  nur  noch  37  besetzt.

Wegen  der  gänzlichen  Umwälzung  der  agrarischen  Verhältnisse  seit
jener  Zeit  sind  wir  über  die  Beschaffenheit  der  älteren  Bauernhäuser
so  gut  wie  gar  nicht  unterrichtet.  Annehmen  muß  man,  daß  ehemals
auch  hier  das  ostgermanische  Haus  seinen  festen  Stand  gehabt  hat
und  erst  nach  und  nach  mit  dem  Vordringen  der  Niederdeutschen  von
dem  sogenannten  niedersächsischen  verdrängt  worden  ist.  Wie  es  von
(vornherein  als  wahrscheinlich  erscheint,  hat  sich  das  sogenannte  Anglerhaus
  am  längsten  in  den  Schleidörfern  und  in  der  Ellenberger  Gegend
gehalten.  Zwischen  1652  und  1675  verkauft  ein  Niss  Bühreusen  in
Ellenberg  seine  Hufe  samt  allen  zubehörigen  Ländereien,  Ackern  und
Wiesen,  in  specie  aber  mit  dem  dabei  vorhandenen  Wohnhaus,  Stall,
Spiker  und  den  Scheunen.  Das  kann  doch  sicher  kein  niedersächsisches
Rauchhaus  gewesen  sein.  Anch  in  einer  mir  vorliegenden  Notiz  eines
Geistlichen  aus  dem  Jahre  1750  wird  davon  gesprochen,  daß  in  diesen
Gebieten  noch  Spuren  der  in  Angeln  herrschenden  Bauart  zu  erkennen
  seien,  während  sonst  überall  nur  die  holsteinische,  d.  h.  die
niedersächsiche  Bauart  Geltung  habe.

Aus  dem  oben  bei  den  einzelnen  Kirchspielen  über  die  Nationalität
  der  Bewohner  Bemerkten  geht  herwor,  daß  die  jütische  Mundart
sich  länger  erhalten  hat,  als  die  alte  Bauweise  der  Häuser.  Insbesondere
  läßt  sich  aus  den  Namen  der  Lansten  zum  Beispiel  in
Höxmark,  dann  in  Ellenberg,  Karlsberg,  Nieby,  Dörpt,  Karby,  Loose,
Bastrup,  Bustorp,  in  den  meisten  Ortschaften  des  Kirchspiels  Sieseby
und  in  Kosel  und  Bohnert  schließen,  daß  um  die  Mitte  des  16.  Jahrhunderts,
  zum  Teil  in  der  ersten  Hälfte  des  17.  die  jütische  Mundart
neben  dem  Niederdeutschen  noch  nicht  völlig  verstummt  sein  kann.  Mit