96  Tie  Jüten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft  zwischen  Schlel  und  Eider  und  in  der  Arentharde.

anderen  Worten:  ein  Teil  von  Schwansen  ist  lange  zweisprachig  gewesen,
  d.  h.  die  jütische  Bevölkerung  mußte  eben  so  sehr  des  Niederdeutschen
  kundig  sein,  weil  in  Verwaltung,  Gericht  und  wenigstens
seit  der  Reformation  auch  in  der  Kirche  und  der  Schule  allein  diese
Sprache  in  Geltung  stand.  Damit  stimmt  sehr  wohl  die  Bemerkung
Danckwerths  um  1651,  die  Einwohner  Schwansens  gebrauchten  sächsische
  und  dänische  Sprache,  d.  h.  niederdeutsch  und  die  jütische  Mundart.
  Augenscheinlich  konnte  sich  die  letztere  am  längsten  in  den  Angeln
benachbarten  Gebieten  erhalten,  d.  h.  an  der  Schleiküste  entlang,  wo  ein
Zusammenhang  mit  dem  früheren  Volkstum  durch  Verkehr  und  Zuzug
am  leichtesten  möglich  war.  Wir  haben  dafür  auch  noch  ein  zuverlässiges
  Zeugnis  eines  Geistlichen  aus  dem  Kirchspiel  Schwansen,  der
um  das  Jahr  1780  ausdrücklich  bemerkt,  im  allgemeinen  werde  in  dem
Kirchspiel  (nieder)deutsch  gesprochen,  mit  Ausnahme  der  Schleidörfer,
wo  ein  verdorbenes  anglisches  Dänisch  geredet  werde  1);  er  meint  damit
der  Anschauung  jener  Zeit  gemäß  nichts  weiter  als  die  westjütische
Mundart,  die  damals  durchweg  in  Angeln  noch  herrschend  war.  Danach
  sind  wir  berechtigt  anzunehmen,  daß  das  völlige  Verstummen  der
jütischen  Laute  in  diesen  Grenzgebieten  Schwansens  erst  in  den  ersten
Jahrzehnten  des  vorigen  Jahrhunderts  geschehen  ist.  Noch  im  Jahre
1865  haben  mir  alte  Leute  aus  dem  Kirchspiel  Schwansen  mehrfach
versichert,  daß  ihre  Eltern  das  „Anglisch  -Däuische“  noch  neben  dem
Plattdeutschen  unter  sich  gesprochen  hätten.  Wenn  man  die  Schleigegend
in  Betracht  zieht,  so  stimmt  damit  im  allgemeinen  der  Bericht  eines
ungenannten  Reisenden  aus  dem  Jahre  18132),  nach  dem  die  „dänische
Sprache  auch  bei  dem  Landvolke  in  Schwansen  aufhöre  und  die  plattdeutsche
  ausschließlich  an  deren  Stelle  trete“.  Die  heutige  Sprache
ist  in  Schwansen  nur  niederdeutsch;  ein  besonderer  Anklang  an  das
Jütische  ist  mir  nicht  aufgefallen;  nur  hat  es  auch  die  Eigentümlichkeiten,
die  dem  schleswigschen  Niederdeutsch,  bis  auf  Dänisch  Wohld,  so  ziemlich

1)  Danske  Atlas  VII.  750;  Her  tales  i  Almindelighed  tydsk  uden  i  Byerne
ved  Slien,  hvor  der  tales  fordervret  Angelek-  Dansk.  Der  Berichterstatier  war
ohne  Zweifel  der  damalige  Prediger  Christian  Leonhard  Leifhold,  geboren  in
Preetz,  der  seit  1703  hier  im  Amte  war  und  1800  starb.

2)  Reise  durch  einen  Teil  von  Sachsen  und  Dänemark.  Altona  1813.
S.  290  ff.