98  vie  Jilten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft  zwischen  Schlel  und  Eider  und  in  der  Arensharde.

von  Angeln  öber  (Swer)  de  Sli  kommt,  erzählt  ein  kundiger  anglischer
Berichterstatter  um  das  Jahr  1844,  so  kann  man't  all  glik  sehen,
dat  dar  gans  annere  minschen  sind  (sünd),  denn  dat  wagenspor  is
en  (enen)  halbe  (halwen)  fot  wider,  un  de  hüser  hebben  ken  schosten.
In  Angeln  is  ken  kösel  so  klen  (lütt),  dat  et  (dat)  nich  en  (enen)
schosten  harr.  De  sprak  is  ok  gans  anners  op  gündt)  sid;  se  seggen
dar:  ik  sün,  wi  bünt;  dat  drücken  de  Angler  doch  arig  wat  finer
un  richtiger  ut;  se  seggen:  ik  bin,  wi  sind.  Un  so  is  et  (dat)  in
vele  (velen)  delen.

Heute  aber  sind  die  Gegensätze  doch  nicht  mehr  in  gleichem  Maße
vorhanden.  Fremde,  die  aus  den  niedersächsischen  Gegenden  kommen
und  auf  dem  nördlichen  Ufer  der  Schlei  sofort  eine  ganz  andere  Einrichtung
  der  Wohn=  und  Wirtschaftsgebäude  vorfinden,  lassen  sich  oft
durch  den  fremdartigen  Eindruck  nur  zu  leicht  zu  einem  irrigen  Schluß
verleiten,  als  wenn  hier  noch  in  unseren  Tagen  ein  „dänisches“  Volkstum
  mit  „dänischen“  Einrichtungen  beginne.

III.  Die  Landschaft  Sinlendl,  Fraezlaet  oder  Camp.

Wir  betreten  mit  der  Betrachtung  dieser  Landschaft  das  eigentlich
historische  Gebiet  des  Herzogtums.  Schon  vor  der  Wanderzeit  bildet
es,  wie  wir  an  dem  berühmten  Zweikampf  des  Anglers  Offa  auf  der
Eiderinsel  (Abt.  II.  80  ff.)  sahen,  den  Schauplatz  der  Kämpfe  zwischen
Angeln  und  Sachsen.  Nach  dem  Auszuge  der  Bewohner  im  Laufe
des  5.  und  6.  Jahrhunderts  „ein  weites,  ödes  Gelände“,  war  es  jahrhundertelang
  ein  streitiges  Gebiet  zwischen  dem  dänischen  und  dem
deutschen  Reiche  und  wegen  der  einzigen  Straße,  die  von  Rendsburg
aus  durch  dasselbe  nach  Norden  führtc,  von  großer  milltärischer  Bedeutung.
  Nur  auf  diesem  Heerwege  konnten  die  Karolingischen  und
die  Heere  der  Ottonen  bis  an  den  Grenzwall  der  Dänen  gelangen
und  nur  auf  demselben  Wege  wieder  die  dänischen  Heere  gegen  Süden
über  Rendsburg  nach  Holstein  vordringen.  Auch  die  Ansiedler  in
diesem  Gebiete  sind  dieselbe  Straße  gezogen,  als  friedliche  Zeiten
eine  Bebauung  ermöglichten.  Sicher  ist,  daß  schon  lange  vor  dem
13.  Jahrhundert  hier  einzelne  Ansiedelungen  bestanden  haben;  im  großen
und  ganzen  muß  aber  eine  umfassendere  Bebauung  einer  späteren  Zeit