3.  Das  Kirchspiel  Hytte.  117

Alle  Ortschaften  sind  augenscheinlich  deutsche  Gründungen  mit  Ausnahme
  von  Osterby,  das  seinen  jütischen  Ursprung  an  der  Stirn  trägt,
aber  seinen  alten  Charakter  wenigstens  seit  dem  Anfang  des  16.  Jahrhunderts
  bereits  gänzlich  verloren  hat.  Außer  den  oben  genannten
Flurnamen  treten  in  dem  Kirchspiel  noch  auf  Böckwedel,  hier  wohl
von  wed  Gehölz  und  nicht  von  -  wedel,  Furt,  Schothorst  (schot  noch
oft  in  Holstein  —  Riegel,  Verschluß),  Surbrock,  Strepel  (Streifen),
Weljen  (von  welle  die  Quelle),  Sültenberg,  Grot  Köhlern  (vom
Kohlenbrennen),  Markenrace.  Nach  der  Landesaufnahme  findet  sich
im  Hüttener  Kirchspiel  südöstlich  vom  Kograben  ein  Jettemark  verzeichnet,
  das  sonst  nirgend,  auch  in  den  genauesten  Ortsverzeichnissen
nicht,  erwähnt  wird;  wenn  es  richtig  ist,  würde  es  noch  eine  jütische
Erinnerung  darstellen  und  eine  Analogie  bilden  zu  Jettefenne  im
Kirchspiel  Hollingsted,  obwohl  hier  auch  ein  Personenname  zugrunde
liegen  kann.  Im  übrigen  finden  sich  von  den  Dorfnamen  des  Kirchspiels
  keine  Wiederholungen  in  Holstein.  Dagegen  zeigen  sich  hier  überall,
wie  in  den  östlichen  Gebieten,  jene  eigentümlichen  Wurtsassen,  die  ohne
Zweifel  aus  einer  Zeit  stammen,  wo  fast  die  ganze  Harde  in  der  Hand  der
adligen  Familie  v.  d.  Wisch  war,  ehe  sie  Herzog  Friedrich  1523  gegen
Grünholz  in  Schwansen  eintauschte.  Tiefere  Spuren  hat  jene  Zeit
nicht  hinterlassen;  vergangen  sind  nur  die  Dörfer  Alkendorp  und
Elmendorp  und  zum  Gute  Hütten  gezogen;  sonst  erhielt  sich  überall
die  freie  Bauernschaft,  die  auf  ihrem  Hardesting  binnen  ver  dingstoken
  zusammentrat.  Merkwürdig  ist  der  Ausdruck  in  der  Dingswinde
  vom  27.  Juni  1519:  en  dingeßwinde  effte  (oder)  granne
herdestuch  1);  das  Wort  granne  (altnord.  Nachbar)  wird  hier  in  dem
Sinne  Versammlung  von  Dingleuten  gebraucht,  wie  ähnlich  noch  jetzt  in
der  jütischen  Mundart  weiter  nach  Norden.  Die  Namen  der  „achte  frame
lüde“:  Hinrick  Kock,  Hans  Boeth,  Hinrick  Pypgras,  Detlieff  Merten
Pawel  Ruschert,  Henneke  Grewe,  Clawes  Peter,  Jurgen  Götke,
wie  ihr  Hardesvogt  Bylevelt  sind  ohne  Ausnahme  niederdeutsch  und
insofern  für  die  Bewohner  der  Harde  in  damaliger  Zeit  bezeichnend.
Unter  den  niederdeutschen  Familiennamen,  die  hier  und  da  in  Gruppen

1)  v.  Stemann:  Urkundl.  Beiträge  51  ff.  liber  den  Ausdruck  tuch,  tog  vergl.
unten  „Sprache  der  Dingerichte".