136  Die  Jllien  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft  zwischen  Schlei  und  Eider  und  in  der  Arensharde.

(siehe  Abt.  II.  114),  j.  Kirchort  Haddeby.  Haddeboth,  dessen  Endung
both  nur  in  sehr  wenigen  Ortsnamen  Schleswigs  wie  in  Fialbothe
(Fielby)  auf  Alsen  erhalten  ist,  bedeutet  Hadda  budir  =  Haddes  Buden,
Wohnungen,  aber  niemals  Lager  im  kriegerischen  Sinne  und  hat  nichts
mit  Haithabu,  Stadt  an  der  Heide,  zu  schaffen,  wie  immer  wieder
behauptet  wird,  um  die  Rätsel,  die  um  den  Namen  Haithabu  schweben,
zu  lösen.  Ursprünglich  war  Haddeboth  ein  größeres  Dorf,  dessen
Lage  noch  durch  die  Benennung  Bysted  zwischen  der  Kirche  und  der  der
Schlei  bezeichnet  wird.  Im  Jahre  1461  war  es  bereits  ohne  Feldmark,
da  die  Hufen  niedergelegt  und  zum  Gottorper  Vorwerk  gezogen  waren.1)
Obwohl  die  Flurnamen  wie  Wittenkamp,  Hegehölt,  Riesberg  bereits
1650  niederdeutsch  sind,  ist  die  Ortschaft  ursprünglich  eine  jütische
Gründung,  die  in  eine  frühe  Zeit  der  jütischen  Ansiedelung  südlich  der
Schlei  zurückgreift.  Namen  der  Bewohner  sind  uns  aus  dem  Mittelalter
  nicht  überliefert.

Die  in  diesem  Kirchspiel  auftretenden  Ortsnamen  zeigen  ein  ungewöhnliche
  Mannigfaltigkeit  an  Endungen:  wedel,  -wik,  -Ioh,  ssted,
em,  spang,  both,  wircki,  -torp,  -by.  Ausgesprochen  jütische
Gründungen  sind  Gudebu,  Haddeboth,  Danaewirki,  Wedelspang,  Selk,
deutschen  Ursprungs  Thieveln,  Espercm,  Fahrdorp,  Loopstede,  die
übrigen,  insbesondere  die  auf  -thor0,  zweifelhafter  Herkunft.  Über  die
Zeit  Waldemars  II.  reichen  ohne  Zweifel  hinaus  die  längst  vergangenen
Dörfer  Hughelstath  und  Casute  (?)  sowie  die  frühere  Ortschaft  Haddeboth;
  ob  irgend  ein  Dorf  außerhalb  der  Arensharde  zu  den  Waldemarischen
  Hufen  gerechnet  werden  muß,  läßt  sich  nicht  ausmachen.  In
einigen  ursprünglich  jütischen  Ansiedelungen  sind  noch  leise  Spuren
jütischen  Wesens,  wie  z.  B.  in  Lund,  Trehoi,  Bysted  und  in  der  Benennung
  Wagerdorp,  zu  erkennen,  aber  unter  den  uns  erhaltenen  Namen
der  Bewohner  finden  sich  in  den  südlich  des  Dänenwalles  liegenden
Dörfern  erstaunlich  wenige  jütischer  Herkunft;  selbst  in  Gudebu  und  Groß-Dännewerk
  sind  sie  fast  vollständig  verschwunden.  Während  sich  jedoch
in  Oberselk  wahrscheinlich  noch  um  die  Mitte  des  16.  Jahrhunderts
die  jütische  Mundart  erhalten  hatte  2),  erscheint  dagegen  Bustorp,  wohl

1)  Sach,  Geschichte  der  Stadt  Schleswig,  19.  31  ff.  261.  Abt.  I.  132.
2)  Nur  dieses  Dorf  kann  Ulrich  Petersen  besonders  gemeint  haben,  wenn
er  davon  spricht,  daß  vor  nicht  zu  langer  Zeit  auf  dem  Wege  von  Schleswig