Die  Oldenburg  im  Haddebyer  Kirchspiel.  137

infolge  der  Nachbarschaft  Gottorps  und  der  Stadt  Schleswig,  um  1500
als  ein  rein  niedersächsisches  Dorf  mit  Namen,  die  durchaus  denen  in
den  südlicher  gelegenen  Kirchspielen  entsprechen.  Um  so  stärker  ist  der
Gegensatz  auf  dem  Mittelrücken,  weiter  nach  Westen,  zwischen  der  Bevölkerung
  von  Klein=  und  Großdannewerk.  Was  wir  oben  über  die
Stellung  der  Landschaft  zwischen  Schlei  und  Eider,  d.  h.  der  Gebiete,
die  bis  an  den  Dänenwall  reichen,  dargelegt  haben,  findet  hier  seine
volle  Bestätigung.  Die  eigentlich  niederdeutsche  Kolonisation  hat  auf
dem  Mittelrücken  in  diesem  Kirchspiel  vor  dem  Dänenwall  Halt  gemacht;
wir  dürfen  uns  daher  nicht  wundern,  wenn  wir  noch  um  die  Mitte
des  18.  Jahrhunderts  das  Bestehen  der  jütischen  Mundart  eben  nördlich
von  dem  Walle  bezeugt  finden.  Nur  weiter  westlich  in  dem  Kirchspiel
Hollingsted  ist,  wie  wir  sehen  werden,  die  niederdeutsche  Siedelung,
wahrscheinlich  von  Stapelholm  aus  beeinflußt,  über  den  dänischen  Grenzwall
  schon  früh  hinausgeschritten  und  mit  ihr  auch  die  niederdeutsche
Sprache.  Bevor  wir  uns  aber  diesen  westlichen  Gebieten  zuwenden,
wollen  wir  kurz  noch  die  Frage  der  Besiedelung  oder  der  Wohnstätten
in  der  sogenannten  Oldenburg  in  Betracht  ziehen.

Die  Oldenburg  im  Haddebyer  Kirchspiel.

In  der  Nähe  von  Haddeboth  liegt  am  Haddebyer  Noor  jene
bekannte,  vielbesprochene  Oleburg  oder  Oldenburg  (alte  Burg)  in  Gestalt
eines  mächtigen  Ringwalles,  der  gegen  das  Noor  hin  offen  ist.  Ich
trage  indes  Bedenken  hier  das  alte  laithabu  anzusetzen,  solange  nicht
die  antiquarische  Forschung  sich  mit  der  sicheren  geschichtlichen  Überlieferung
  genügend  auseinander  gesetzt  hat.  Fest  steht  nun  folgendes  #):
die  fränkischen  Annalen  kennen  nur  ein  Sliesthorp  und  einen  portus
(Hafen  oder  Hafenstadt)  Sliesthorp  in  den  Jahren  804  und  808;

nach  Rendsburg  noch  etwas  „Dänisch“  gehört  sei;  nirgends  sonst  kann  davon
die  Rede  sein.

1)  Die  urkundlichen  Zeugnisse  für  die  folgende  Darlegung  finden  sich  Abteil.  II.
109  f.  —  Über  die  Oldenburg  handeln  Soph.  Müller,  Vor  Oldtid  640  ff;  nordische
Altertumskunde  224  ff.  J.  Mestorf,  Mitteilungen  des  anthropologischen  Vereins
Heft  14  S.  19ff.;  Johannes  Steenstrup,  Danmarks  Sydgranse  78ff.  Letterem
stimme  ich  in  allen  wesentlichen  Punkten  zu.  Meissner:  Danewerk  und  Hedeby,
Zeitschr.  für  Ethnologie  5.  1901.