138  Die  Jüten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft  zwischen  Schlei  und  Eider  und  in  der  Arensharde.

auch  Rimpert  in  der  Lebensbeschreibung  Anskars  und  ebenso  der  Biograph
  Rimberts  wissen  nichts  von  einem  Haithabu,  sondern  sprechen  nur
von  einem  vielbesuchten  Hafenplatz  Sliaswich.  Ihre  Hindeutung  auf
eine  Burg  wird  im  15.  Jahrhundert  durch  das  Bestehen  einer  burgstrate
  und  eines  burgtores  erläutert  und  bestätigt  1);  auch  die  1571  abgebrochene
  Marienkirche  Anskars  kennen  wir  seit  1196  als  unser  leven
froüwen  kerke  auf  dem  Holm  in  fundo  Slesvicensi,  auf  deren  alten
Leichensteinen  noch  Cypraeus  Bischofsstäbe  gesehen  hat.:)  Auch  Ekkehard,
der  um  das  Jahr  1000  auf  der  Synode  zu  Gandersbeim  erklärt  3),
sein  Bistum  sei  mit  barbarischer  Wut  verheert,  die  Stadt  verlassen,
seine  Kirche  verödet,  er  habe  keinen  Sitz,  neunt  sich  Bischof  von  Schleswig
und  zugleich  einen  Diener  der  Maria.  Selbst  ein  arabischer  Reisender,
der  Deutschland  zu  der  Zeit  Ottos  I.  besuchte,  kennt  nur  Schleswig  als
eine  große  Stadt  an  der  Küste  des  großen  Ozeans  und  rühmt  die
Süßwasserquellen  in  ihrem  Inneren,  die  noch  von  Helduader  und  anderen
Chronisten  als  ein  besonderes  Merkmal  der  Stadt  hervorgehoben  werden.")
Wie  ist  es  angesichts  dieser  Zeugnisse  möglich  ernstlich  zu  leugnen,  daß
die  Stadt  Schleswig  seit  dem  9.  Jahrhundert  auf  derselben  inselförmigen
Landzunge  gelegen  hat,  wie  noch  heute  die  Altstadt?  Aber,  so  erhebt
sich  sofort  die  Gegenfrage,  was  ist  nun  Haithabu?  Während  der  Name
Sleswich  von  allen  aus  dem  Süden  stammenden  Berichterstattern  gebraucht
  wird,  kennt  man  im  Norden  ursprünglich  nur  den  Namen
Haithabu.  Der  erste,  der  ihn  in  angelsächsischer  Form  nennt,  ist  der
Angelsachse  Other,  der  in  seinem  Reisebericht  um  das  Jahr  875  von
einem  Hafen  aet  Haehum  „an  den  Heiden“  spricht  und  damit  die  Benennung
  Haithabu  in  seine  Sprache  übersetzt;  er  sowie  die  beiden
Runensteine  aus  den  letzten  Jahrzehnten  des  10.  Jahrhunderts  (Abteilung
  I.  54)  wissen  nur  von  einem  Haithabu  und  Hithabu.  Der  erste,
der  beide  Namen  nebeneinander  gebraucht,  ist  Ethelwerdus"),  der
bereits  um  960  von  einer  Hauptstadt  Angelns  spricht,  die  in  sächsischer

1)  Sach,  Geschichte  der  Stadt  Schleswig  51.  55.

2)  Sach,  Geschichte  der  Stadt  Schleswig  37.  38.

3)  Thangmari  vita  Bernwardi  c.  20.  Scriptores  IV.  768.

4)  G.  Jacob,  ein  arabischer  Berichterstatter  aus  dem  10.  Jahrhundert.  33ff.
5)  Rerum  angl.  scriptores  474.

6)  Abteil.  II.  113.