140  die  Jüten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft  zwischen  Schlel  und  Eider  und  in  der  Arensharde.

Einschnitt  des  Noors  in  zwei  ungleiche  Teile  geteilte  Fläche  von  etwa
28  Hektar,  hat  einen  Umfang,  wie  er  für  eine  Ansiedelung  jener  Zeit
im  ganzen  Norden  völlig  beispiellos  ist.  Vergleicht  man  ihn  mit  dem
der  Altstadt  Schleswigs,  die  von  den  uralten  Wällen  Frisewircki,  Angelboewircki
  und  Saldergater  eingeschlossen  war  1),  oder  mit  der  in  die
Zeit  Karls  des  Großen  fallenden  Anlage  von  Itzehoe  und  Hamburg,
so  wird  man  zu  der  Überzeugung  gedrängt,  daß  die  gewaltige  Umwallung
  der  Oldenburg  niemals  zum  Zwecke  einer  Beschützung  einer
Art  städtischen  Ansiedelung  gedient  haben  kann,  sondern  zu  einem
anderen  Zwecke  geschaffen  sein  muß.

Haithabu  in  der  Oldenburg  soll  ferner  die  Residenz  der  sogenannten
schwedischen  Fürstenfamilie,  Olals,  seines  Sohnes  Knuba,  dessen  Gemahlin
  Asfrid  und  Sohnes  Sigtrygg,  die  wir  aus  den  Inschriften  der
drei  Runensteine  kennen  2),  gewesen  sein,  aber  in  keiner  der  Inschriften
ist  von  irgend  einem  Orte  die  Rede.  Wenn  es  auch  durchaus  wahrscheinlich
  ist,  daß  wir  das  Weihegrab  Knubas  und  auch  seines  Sohnes
auf  dem  Königshügel  zu  suchen  haben  und  die  früher  genannten  Runensteine
  alle  in  dieser  Gegend  oder  in  ihrer  Nachbarschaft  bei  Busdorf
errichtet  sind,  so  ist  damit  noch  nicht  bewiesen,  daß  wir  in  einem
Oldenburger  Haithabu  die  königliche  Residenz  und  in  ihm  zugleich  die
Stadt  zu  suchen  haben,  die  „die  Helden  umlagerten“.  Es  ist  kein
Wunder,  wenn  diese  Gegend  südlich  der  Schlei,  wo  seit  Karls
des  Großen  Zeit  alle  entscheidenden  Kämpfe  sich  abspielten,  wo  seit
alters  die  Grabstätten  der  gefallenen  Helden  lagen,  wo  die  vorüberführende
  Heerstraße  nach  Süden  für  weithin  sichtbare  Grabstätten  besonders
  geeignete  Plätze  bot,  auch  im  10.  Jahrhundert  in  herkömmlicher
  Weise  zu  gleichem  Zwecke  benutzt  ward.  Haben  nun  etwa  die
Halbkreiswälle  zum  Schutze  einer  Burg  gedient?  Wie  eine  solche
innerhalb  dieser  Wälle  sich  erhoben  haben  sollte,  ist  völlig  unbegreiflich,
  wenn  man  den  benachbarten  Hügel  betrachtet.  Hat  hier?)
die  983  zerstörte  Burg  Kaiser  Ottos  II.  gestanden,  so  kann  dabei  ein
gleichzeitiges  Haithabu  in  der  Oldenburg  nicht  bestehen.  Auch  ist  es
im  hohen  Grade  auffällig,  daß  keine  Volksüberlieferung  von  einem

1)  Sach,  Geschichte  der  Stadt  Schleswig  46  ff.
2)  Abteil.  I.  60ff.
3)  Abteil.  I.  58f.