Die  Oldenburg  Im  Haddebyor  Kirchspiel.  141

zerstörten  Haithabu  eine  Erinnerung,  ja  nicht  einmal  den  Namen  bewahrt
  hat,  denn  daß  das  nahegelegene  Haddeboth  oder  Haddeby  ein
ganz  anderer  Name  ist,  steht  seit  langem  fest  (siehe  S.  135).  Wie  will
man  sich  dann  weiter  erklären,  daß  der  Name  der  zerstörten  Stadt
auf  die  Stadt  Schleswig,  die  doch  längst  einen  berühmten  Namen  trug,
hat  übergehen  können?  Etwa  durch  Übersiedelung  der  Bevölkerung?
Das  wäre  eine  ganz  beispiellose  Erscheinung.

Was  war  es  nun  aber,  was  mit  dem  Ringwall  gegen  das  Noor
hin  eingeschlossen  ward,  wenn  es  Haithabu  nicht  gewesen  sein  kann?

Ich  bleibe  bei  der  Meinung  stehen,  daß  die  Oldenburg  ein  umwalltes
  Standlager  bildete  für  Heer  und  Flotte,  das  hier  zum  Schutze
der  Grenze  schon  seit  Karls  des  Großen  Zeit  errichtet  war.  Selbst
dann,  wenn  das  gegenüber  auf  einer  Insel  oder  Halbinsel  liegende
Schleswig  etwa  belagert  ward,  konnte  hier  allein  eine  zur  Bezwingung
der  Seestadt  nötige  Flotte  sicher  ankern  und  ihre  Mannschaften  lagern.
Noch  in  späteren  Zeiten  (1151)  ließ  der  König  Sven  seine  Schiffe  über
die  Ebene  (sletti)  nach  Hollingsted  ziehen;  wir  kennen  diese  Ebene
südlich  der  Schlei  und  somit  auch  den  Ort.  wo  seine  Flotte  ankerte.  )
Selbst  aus  dem  Erdbuch  König  Waldemars  II.  erfahren  wir,  wie  der
König  von  dem  Danaewyrki  aus  im  Sommer  mit  seinem  Heere  nach
Utland  hinüberzugehen  pflegte.  )  Ein  solches  Standlager  mußte  allmählich
  zu  einer  Art  Ansiedelung  in  dieser  Umwallung  führen,  aus
Zelten  mußten  hölzerne  oder  aus  Flechtwerk  und  Lehmwänden  errichtete
Häuser  werden,  ja  in  christlichen  Zeiten  konnte  sich  hier  selbst  eine
Kapelle  erheben.  Wie  in  der  Umwallung  selbst  alte  Hügelgräber  standen
und  die  ganze  Umgebung  damit  bedeckt  war,  so  fanden  auch  hier  später
noch  die  in  den  Kämpfen  an  den  Grenzwällen  Gefallenen  oder  sonst

1)  Kugtl.  S.  100.  En  er  Sveinn  konungr  spurdi  petta,  dro  hann  begar
hor  saman,  ok  för  til  Ueidabaejar,  hann  hafdi  skipalid  ok  dro  bar  skipin
fra  sletti  yfir  til  Hylingstada  a  Frislandi;  vard  bar  orrusta  mikil  adr  hann
fengi  unnit  Mildinborg.  Annal.  Ryen.:  Quo  andito  Suevo  cum  tota  expeditione
Danorum  venit  Sleswic  et  adductis  inde  naribus  per  terras  usque  Huchlstineth
praedictum  castrum  Mildeburgh  obsedit.  Saxo  465.  Uber  die  Lage  der  Mildeburg
  handelt  neuerdings  J.  Kruse  (Veröffentl.  des  nordfr.  Vereins  1904/5);  er
bestreitet  meine  Aufstellung  Abt.  II.  318,  meines  Erachtens  ohne  durchschlagende
Gründe.

2)  Nielsen  17.