158  Die  Jüten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft  zwischen  Schlei  und  Eider  und  in  der  Arensharde.

Marschleute  noch  auch  bloße  Geestleute  seien,  so  hätten  sie  doch  mit
der  benachbarten  Marsch  größere  Ahnlichkeit  als  mit  der  angrenzenden
Geest;  er  meint,  es  bleibe  nichts  weiter  übrig,  als  anzunehmen,  daß
sie  sowohl  wie  die  benachbarten  Ditmarsen  ihrer  Abkunft  nach  Sachsen
sein  müßten,  mit  denen  sie  auch  in  Ansehung  der  Sprache,  der  Sitten
und  Gemütsneigungen  am  stärksten  übereinkämen.  Dann  macht  er
die  eigentümliche  Bemerkung:  daher  scheine  es  auch  herzurühren,  daß
Neocorus  glaube,  die  Stapelholmer  seien  ehemals  Ditmarsen  gewesen:
wolle  er  hiermit  sagen,  die  Ditmarsen  und  Stapelholmer  stammten
von  einem  Volke  der  Sachsen  ab,  so  gebe  er  ihm  hierin  gern  recht;
sollte  es  aber  heißen,  die  Stapelholmer  seien  eigentlich  eine  Kolonie
der  Ditmarsen,  so  könne  man  vielleicht  ebensogut  sagen,  daß  die
Ditmarsen  anfangs  Stapelholmer  gewesen  seien.  Der  alte  und  unter
gemeinen  Leuten  noch  nicht  ganz  erloschene  Widerwille  zwischen  den
Stapelholmern  und  den  Ditmarsen  ließen  nicht  glauben,  daß  jene  diese
näher  angingen  als  andere  sächsische  Einwohner  dieser  Fürstentümer.
Er  berichtet  dann  noch  von  der  besonderen  Holmer  Sprache,  worauf
wir  weiter  unten  näher  eingehen  werden,  will  demnach  die  Stapelholmer
  wohl  als  Niedersachsen,  aber  nicht  als  Abkömmlinge  der  Ditmarsen
  anerkennen.  Andere,  wie  der  kenntnisreiche  Georg  Hanssen,
schließen  nun  gerade  aus  der  angenommenen  Verwandtschaft  der  Stapelholmer
  mit  den  Ditmarsen,  daß  sie  ursprünglich  Friesen  sein  müßten,
weil  (nach  fälschlicher  Annahme)  die  Ditmarsen  eben  dieses  Stammes
seien;  das  friesische  Volkstum  sei  nur  durch  die  fortwährende  Aufnahme
  niedersächsischer  Bevölkerung  verdunkelt  und  die  friesische  Sprache
ebenso  wie  in  Eidersted  ganz  allmählich  durch  das  vorherrschende  Niederdeutsche
  verdrängt  worden.

Um  über  die  nationale  Vergangenheit  Stapelholms  einigermaßen
sicher  zu  urteilen,  ziehen  wir  zunächst  die  Ortsnamen  in  Betracht,
die  doch  nach  irgend  einer  Richtung  Andeutungen  enthalten  müssen.
Zunächst  fällt  uns  der  scharfe  Gegensatz  auf,  in  dem  sie  zu  den  jütischen
  Ansiedelungen  im  Norden  und  im  Osten  stehen;  nirgend  findet  sich
ein  -bu  oder  -by,  wodurch  sich  gerade  die  jütischen  Ortschaften  im  Osten
auszeichnen;  aber  ebenso  fehlt,  wenn  man  von  dem  untergegangenen  und
streng  genommen  nicht  zu  Stapelholm  gehörenden  Dornebül  absieht,  jede
Spur  einer  bei  den  Friesen  beliebten  Endung  auf  um  oder  ·  bul;  vielmehr