Die  nationale  Entwickelung  Stavelholms.  159

weisen  alle  Namen  in  ihrer  ältesten,  uns  überlieferten  Form  auf  niederdeutsche,
  Beveringhusen  insbesondere  auf  ditmarsische  Herkunft  zurück  und
führen  uns  mitsamt  der  Flurbenennungen  nicht  nach  Westen  zu  den
Friesen,  sondern  nach  Süden  und  Südosten  zu  den  Sachsen.

Auffälligerweise  treten  nun  in  den  agrarischen  Verhältnissen  besondere
  Ähnlichkeiten  mit  dem  benachbarten  westlichen  Schwabsted  hervor,
auf  die  wir  wegen  ihrer  Eigenart  etwas  näher  eingehen  wollen,  weil
sie  vielfach  als  Beweis  für  eine  friesische  Abstammung  der  Stapelholmer
  angesehen  sind.  Die  alten  bäuerlichen  Landstellen  heißen  hier
wie  in  Schwabsted  staven,  d.  h.  Stammhof,  Stammgut.  1)  Auf  ihnen
ruhten  alle  Nutzungsrechte  an  den  Gemeinheiten,  das  Stimmrecht  in
Gemeindeangelegenheiten  und  überhaupt  alle  Gerechtsame  der  Dorfschaft.
  Zu  einem  bebauten  Staven  gehörte  ein  Stavenhaus;  wo  die
Häuser  fehlten,  entstanden  wüste  Staven.  Der  Umfang  der  Geestund
  Marschländereien,  die  den  einzelnen  Staven  als  unzertrennliches
Zubehör  zugelegt  waren,  war  sehr  verschieden;  es  gab  volle,  halbe,
zweidrittel,  viertel  Staven,  aber  auch  die  Größe  dieser  war  auf  den
verschiedenen  Feldmarken,  je  nachdem  mehr  oder  weniger  Gemeinheiten
wie  Geestweiden  oder  Außendeichsländereien  vorhanden  waren,  sehr
ungleich  und  dabei  sehr  gering.  Zu  einem  vollen  Staven  gehörten
1834  in  Süderstapel  eine  hohe  und  eine  niedrige  Koppel  auf  der  Geest
von  1—.2  Demat,  etwas  über  5  Demat  im  Westerkoog,  weniger  als
1  Demat  im  Osterkoog  und  1  Demat  Moor  in  jedem  Koog;  in
Norderstapel  dagegen  2  Demat  Ackerland  auf  der  Geest,  7  Demat
Wiesen  und  Moorland,  ½  Demat  Grasland  am  Außendeich,  außerdem
4  Demat  Anteil  am  ehemaligen  Nordstapelersee;  im  Dorfe  Erfde  26  Demat
auf  der  Geest,  10  Demat  Wiesenland  in  der  Marsch  und  etwas  ausgesondertes
  Außendeichsland;  in  Bergenhusen  4  Demat  Ackerland,
6  Demat  Holz,  20  Demat  Wiesen  und  Moor.

1)  Staven  (ditm.),  stouwen  (nordfr.),  altn.  stovn,  starxn  Ende,  Stamm
von  einem  Baume'.  Im  Jütischen  bedeutet  starn  Stammgut  im  Gegensatz  zu
den  abgetrennten  Teilen.  Staven  finden  sich,  ausgenommen  etwa  Rantum  und
Osterfeld,  wo  Hufen  herrschend  sind,  fast  in  dem  ganzen  früheren  Husumer  Amte.
Im  Dorsfe  Schwabsted  heißen  sie  Altbau.;  in  Treia,  Schwesing,  Mildsted  (Willkür
  v.  J.  1571  Art.  18,  worin  die  Vernichtung  der  alten  Staven  verboten
wird)  treten  sie  schon  früher  auf.  Desgleichen  herrschen  sie  in  Hollingsted,
siehe  unten  S.  174.