Die  natlonale  Entwickelung  Stapelholms.  165

und  wise  der  Römer  in  ehren  namen;  den  de  kinder  alletidt  der
olderen  namen  gebruken  und  des  vaders  namen  vor  edder  achter
ehren  döpenamen  setten,  also  dat  offt  van  vader,  grote  vader  unde
elder  vater  hero  ver  edder  vif  namen,  enen  man  to  beteken,  geföhret
wercken.  In  älteren  Zeiten  ward  das  Patronymikon  hinter  den  Namen
hinzugesetzt,  wie  z.  B.  Johannes  Ywari  Hibbensone  1316  mit  Vaterund
  Großvater,  allmählich  aber  wandelte  sich  der  Gebrauch,  so  daß  die
Elternnamen  vorangingen,  und  ward  im  15.,  besonders  im  16.  Jahrhundert
  fast  allein  herrschend,  z.  B.  1560  in  Süderdeich  Pauls  Grote
Johan,  1590  Pauls  Grote  Johans  Reimer  (Sohn),  1638  Pauls  Johans
  Reimer  Hans  (Enkel).1)

Aus  dem  Dargelegten  darf  man  den  Schluß  ziehen,  daß  ein  bedeutender
  Teil  der  Stapelholmer  Bevölkerung  aus  dem  benachbarten
Ditmarschen  stammt;  die  Namenbildung  hat  hier  anscheinend  eine  ähnliche
  Entwickelung  durchgemacht  wie  in  Ditmarschen,  wenngleich  in
Stapelholm  von  einer  Geschlechterverfassung  nichts  bekannt  ist.  Nach
den  früheren  Ergebnissen  hat  sich  dieser  ditmarsische  Einfluß  aber
hauptsächlich  auf  das  Kirchspiel  Stapel  erstreckt,  in  Erfde  und  Bergenhusen
  ist  er  in  geringerem  Maße  zu  erkennen.  Freilich  ist  dieser  Schluß
nicht  ganz  sicher,  da  in  einem  großen  Teil  der  überlieferten  Namen
die  patronymische  Bezeichnung  vollständig  fehlt  und  dadurch  zweifelhaft
wird,  welchem  Bestandteile  sie  zuzuzählen  sind;  auch  zeigt  sich  hier
und  da  ein  Schwanken  oder  ein  Wechsel  in  der  Benennung  in  einer
und  derselben  Familie,  bei  Vater  und  Sohn.  Wenig  wahrscheinlich
ist  dabei  ein  stärkerer  Wandel  in  der  Bevölkerung  infolge  der  Grafenfehde
  (1472)  anzunehmen,  wo  die  Stapelholmer  schwer  wegen  ihrer
Unterstützung  des  Grafen  Gerhard  büßen  mußten,  die  Kirchspiele  Erfde
und  Stapel  verheert  und  der  gemeine  Mann,  der  dem  Grafen  geschworen,
  für  ehrlos  erklärt  ward.  Die  Namen  aus  den  Jahren  1463
und  1542  tragen  im  wesentlichen  denselben  Charakter.

Vor  der  Hand  dürfen  wir  als  festgestellt  betrachten,  daß  der  ursprüngliche
  Stamm  der  Stapelholmer  ditmarsisch  war,  der,  als  ein
weiterer  Zuzug  nicht  mehr  stattfand,  später  durch  Einwanderung  mit
zahlreichen  sonstigen  Niederdeutschen  von  Osten  oder  Südosten  her  ge-1)

  Zeiischrift  XXVII,  264  f.