166  Die  Jüten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft  zwischen  Schlei  und  Eider  und  in  der  Arensharde.

mischt  ward.  Daraus  würde  sich  auch  die  mehrfache  Verwandtschaft  der
Namen,  besonders  in  den  Kirchspielen  Bergenhusen  und  eines  Teils  von
Erfde,  mit  denen  der  angrenzenden  östlichen  Kirchspielen  genügend  erklären.

Der  ditmarsische  Einfluß  auf  Stapelholm  tritt  auch  sonst  noch  in
mancherlei  Beziehung  hervor.  Wir  erinnern  an  die  Stapelholmer  Elle,
die  genau  der  ditmarsischen  entsprach,  deren  Maßstab  sich  in  der  Meldorfer
  Kirche  befand,  und  ganz  von  der  friesischen  abwich,  die  noch
heute  in  der  St.  Johanmiskiche  auf  Föhr  gezeigt  wird.  Auch  die  von
den  zunächst  benachbarten  Gegenden  abweichende  Kleidertracht,  die  sich
noch  über  1800  hinaus  bei  den  Frauen  in  den  runden  Strohhüten,
bei  den  Männern  in  den  schwarzen  Leinwandkitteln  erhalten  hatte,
zeigt  in  ihrer  ursprünglicheren  Form  im  16.  und  17.  Jahrhundert  eine
weit  größere  Ahulichkeit  mit  der  ditmarsischen  als  mit  der  eiderstedschen,
  wie  schon  Neocorus  (I.  151)  mit  den  Worten  bezeugt:  wo  den
noch  de  Stapelholmer  kleidinge  nicht  fast  ungelick  der  Ditmerschen
dracht.!)  Erwähnenswert  ist  dann  noch  das  in  Stapelholm  herrschende
Bauernhaus;  daß  hier  jemals,  wie  bei  den  nördlichen  Friesen  und  in
der  Goesharde  etwa  von  Mildsted  und  Rantum  an,  das  ostgermanische
Haus  eine  Stätte  gehabt  hätte,  ist  nirgend  nachzuweisen.  Soweit  unsere
Kunde  reicht,  herrscht  hier  seit  alters  das  westgermanische,  sogenannte
niedersächsische  Bauernhaus,  aus  dem  sich  erst  das  westfriesische,  ursprünglich
  wahrscheinlich  auch  in  Eidersted  gebräuchliche  Haus  entwickelt
hat.  Auch  ist  von  Süden  her,  von  Ditmarschen  aus  der  sogenannte
Hauberg,  der  infolge  einer  ausgedehnten  Viehwirtschaft  zur  Bergung
des  Heus  aus  dem  niedersächsischen  Hause  hervorging,  hier  und  da
wahrscheinlich  gleichzeitig  mit  Eidersted  kaum  vor  1600  in  Stapelholm
eingedrungen.  Einnahmen  von  3  Haubergen  führen  schon  die  Gottorper
Amtsrechnungen  vom  Jahre  1641  auf;  sonst  kennen  wir  aus  dem
Schlickerkoog  einen  Hauberg,  der  aber  schon  um  1718  einging,  in  dem

1)  Westphal.  I.  1720  zeigt  die  Tracht  v.  J.  1597;  vergl.  I.  65.  68:
habitus  muliebr.  Stapelb.  Rusticus  Stapelholm.  Virgo  Stapelholm;  cs  sind
die  ältesten  Bilder  aus  der  Zeit  Heinrich  Ranzaus  stammend  und  auf  dessen
Betrieb  ausgenommen:  von  da  gingen  alle  Trachtenbilder  der  Herzogtümer  in
das  Dreyersche  Musenm  über.  Auch  die  älleren  Karten  zeigen  sast  alle  diese
oder  ähnliche  Abbildungen,  die  Piscators  von  Holstein  eine  Virgo  von  Stapelholm
  aus  d.  J.  1658.