Die  nationale  Entwickelung  Stapelholms.  167

Oldekoog  zwei,  die  1720  und  1763  verschwanden,  drei  im  Milderkoog,
  von  denen  der  eine  um  1705  abgebrochen  ward;  die  beiden
anderen  bestanden  wenigstens  noch  im  Jahre  1792.7)

Wie  Stamm,  Siedelung  und  Sitte  die  Stapelholmer  nicht  an
die  Seite  der  Friesen,  sondern  an  die  der  Ditmarsen  rückt,  so  läßt
sich  aus  dem  Namen  ihrer  Ortschaften  und  Fluren  wenigstens
sicher  schließen,  daß  sie  eine  niederdeutsche  Sprache  redeten.  Schon
Danckwerth  weiß  nur  von  einer  sächsischen  Sprache  in  Stapelholm,
wie  in  den  beuachbarten  Gebieten,  und  kein  früherer  oder  späterer
Berichterstatter  nennt  Friesisch  als  in  Stapelholm  heimisch.  Man
wendet  wohl  ein,  aus  der  seit  dem  15.  Jahrhundert  hier  herrschenden
niederdeutschen  Amtssprache  sei  nicht  auf  die  Volkssprache  zu  schließen;
diese  könne  wie  in  Eidersted  sehr  wohl  daneben  friesisch  gewesen  sein;
wahrscheinlich  sei  sie  erst  allmählich  durch  den  übermächtigen  Einfluß
des  Niederdeutschen  als  der  Amts=  und  Verkehrssprache  gerade  so  wie
in  Eidersted  und  den  benachbarten  friesischen  Gebieten  verdrängt.  Indes
hat  es,  wie  wir  früher  gesehen,  mit  dem  Verschwinden  des  Friesischen
in  Eidersted,  wie  überhaupt  mit  dem  Untergang  einer  Sprache,  seine
besondere  Bewandnis;  nichts  ist  zäher  und  danerhafter  als  sie,  und
wenn  man  recht  zusieht,  stellt  sich  immer  heraus,  daß  eine  Volkssprache
sich  viel  länger  erhalten  hat,  als  man  gewöhnlich  annimmt.  Wenn
nun  das  Friesische  sich  in  dem  benachbarten  Eidersted  ebenso  wie  das
Westjütische  in  Schwansen  bis  etwa  1800  an  einzelnen  Stellen  behauptet
  hatte,  so  müßte  dieses  auch  in  Stapelholm  der  Fall  sein,
wenn  jemals  das  Friesische  hier  festen  Fuß  gefaßt  hätte.  Auffallend
ist  daher  eine  Bemerkung  Boltens,  wonach  im  gemeinen  Leben  in
Stapelholm  ehemals  ein  besonderer  niedersächsischer  Dialekt  gesprochen
sei,  der  mit  dem  Friesischen  einige  Ahnlichkeit  gehabt  habe;  er  sei  aber
zu  seiner  Zeit  (1777)  durchgängig  abgekommen  und  bloß  in  Seeth
noch  einigermaßen  in  Gebrauch;  er  gibt  keine  weitere  Aufklärung,  doch
müssen  ihm  in  der  Seether  Sprache  einige  Besonderheiten  aufgefallen
sein,  die  er  in  seiner  Weise  zu  erklären  suchte.

Von  der  eigentlichen  Volkssprache  in  früherer  Zeit  geben  auch
hier  die  amtlichen  Schriftstücke  kein  sicheres  Bild;  in  ganz  Nordfries-1)

  Dansk.  Atlas  VII.  690.  692.  Bolten  242.  254,  der  auf  die  Glückstädter
  Anzeigen  v.  J.  1761  334,  35  u.  700,  714  hinweist.