168  Die  Illten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft  zwischen  Schlel  und  Eider  und  in  der  Arcnsharde.

land  ist  uns  ja  auch  keine  einzige  Aufzeichnung  erhalten  aus  dem
Mittelalter,  seitdem  das  Niederdeutsche  hier  als  Amts=  und  Schriftsprache
  das  Lateinische  abgelöst  hatte.  Sollte  es  in  Stapelholm  etwa
ebenso  sich  verhalten?  Die  in  den  lateinischen  kirchlichen  Urkunden
aus  dem  15.  und  16.  Jahrhundert  hie  und  da  angeführten  Benennungen
  und  Ausdrücke  geben  darauf  eine  ganz  sichere  Antwort.  Ganz
abgesehen  von  den  schon  oben  genannten  Flurnamen,  die  doch  dem
Volksmunde  entnommen  sein  müssen,  wie  Brede  Wisch,  Smale  Wisch,
Overlant,  Hummclueclde,  Westeruelde,  Osteruelde,  Biscoppesrode,
Soltkogk,  Menland,  up  dem  langen  More,  Marsch  oder  Mersch,  Geyst
(1509),  wurt,  acker,  Ronnen,  hören  wir  auch  von  Wichel  Pul,
wurtstede,  hure  (Heuer),  ackerhure,  schepel  schult,  hempten,  tonne,
selbst  von  verdingh,  verndel,  druddendel,  ja  von  roden  (Ruten),
swaden  und  später  von  redder.  Daraus  geht  mit  aller  Sicherheit
hervor,  daß  um  die  Mitte  des  15.  Jahrhunderts  in  Stapelholm  niederdeutsch
  die  herrschende  eigentliche  Volkssprache  war.  Die  Möglichkeit,
daß  schon  früher  durch  Einwanderung  von  Niederdeutschen  ein  Sprachwechsel
  eingetreten  sei,  der  keine  Spuren  hinterlassen  hätte,  ist  gänzlich
  abzuweisen.  Was  mag  nun  aber  Bolten  mit  seiner  Bemerkung
über  die  alte  Holmer  Sprache  und  deren  Reste  in  Seeth  zu  seiner  Zeit
meinen?  Gerade  in  Seeth,  so  haben  wir  oben  an  den  Namen  der  Bewohner
  gesehen,  sind  um  die  Mitte  des  15.  Jahrhunderts  und  ferner
nur  leise  Spuren  eines  friesischen  Bestandteiles  unter  der  Menge  der
niederdeutschen,  insbesondere  auch  der  ditmarsischen  Namen  zu  erkennen.
Es  wäre  ja  immerhin  möglich,  daß  in  späteren  Zeiten  durch  Einwanderung
  friesischer  Familien  ein  gewisser  Einfluß  auf  das  herrschende
Niederdeutsche  ausgeübt  worden  sei;  aus  einem  mir  vorliegenden  Namensverzeichnis
  aus  den  Jahren  1655—60  geht  dies  aber  nicht  hervor.
Daher  möchte  ich  lieber  die  angenommenen  Besonderheiten  der  Seether
Sprache  und  ihre  anscheinende  Altertümlichkeit  aus  der  etwas  isolierten
und  abgeschiedenen  Lage  der  Ortschaft  erklären,  wie  sich  dieses  so  vielfach
  in  den  Marschgegenden,  insbesondere  des  festländischen  Nordfricsland,
  bis  auf  unsere  Zeit  geltend  gemacht  hat.

Man  hat  schließlich  noch  gegen  die  wenigstens  teilweise  ditmarsische
  Abstammung  der  Stapelholmer  eingewandt,  daß  dann  der  furchtbare
  Haß,  der  jahrhundertelang  zwischen  ihnen  und  den  Ditmarsen