1.  Das  Kirchspiel  Llollingsted.  171

der  von  England  her  über  Hollingsted  nach  Schleswig  seinen  Weg
genommen  habe,  von  dem  englischen  Packhaus  aus  Tuff,  das  später
in  eine  Kirche  verwandelt  sei,  von  der  völligen  Zerstörung  des  großen
Handelsplatzes  etwa  durch  die  Wenden,  haben  auch  nicht  die  geringste
urkundliche  Begründung  und  gewinnen  nicht  dadurch  an  Wahrheit  und
Glaubwürdigkeit,  wenn  sie  bis  in  die  neueste  Zeit  immer  wieder
wiederholt  werden.  Wir  wissen  seit  lange,  daß  Anskar  nicht  in  Hollingsted
  landete,  sondern  von  Dorstet  aus,  von  den  friesischen  Landen  über
Hammaburg  zu  Lande  nach  den  Grenzgebieten  der  Dänen  gelangte,
die  man  nach  Adam  von  Bremen  „Jüten“  nannte.  Nicht  weniger
ist  der  Stapelplatz  Hollingsted  und  das  Packhaus  eine  bloße  etymologische
Sage,  deren  gelehrter  Ursprung  auf  eine  falsche  Deutung  des  Namens
zurückzuführen  ist.  Hollingsted  hatte,  als  am  Westende  des  Dänenwalls
  gelegen,  eine  gewisse  militärische  Bedeutung,  insbesondere,  wenn
die  dänischen  Könige  von  dem  Standlager  in  der  sogenannten  Oldenburg
am  Haddebyer  Noor  ihre  Schiffe  über  Land  hierher  an  die  Treene
transportieren  ließen,  um  in  Friesland  kriegerischen  Unternehmungen
obzuliegen.!)  Im  15.  und  16.  Jahrhundert  war  Hollingsted  nicht
weniger  wie  Ellingsted  ein  Walddorf,  das  bei  geringem  Ackerbau
hauptsächlich  Holz  und  Holzkohlen  auf  den  Markt  brachte  und  seine
Schweinc  zur  Mast  in  die  Wälder  trieb.)

Das  bischöfliche  Zinsbuch  v.  J.  1463  kennt  als  Bestandteile  des
Kirchspiels  nur  die  Dörfer  Hollingstede.  Dorpstede,  Barme  und
Ellingstede.

1.  Hylingstadir,  Hylingstada  1151;  bei  den  Isländern  genannt,
trägt  der  Ort  in  der  kirchlichen  ÜUberlieferung  seit  1463  nur  den  Namen
Hollingsted,  j.  Kirchdorf  Hollingsted.  Ahnliche  Namen  treten  sowohl
auf  jütischem  (Dansk.  Magaz.  1343  V.  86)  als  auf  niederdeutschem
Gebiete  auf  in  Formen  von  Holdunstcti,  Holdonstat,  Hollenstede
804,  848  im  Lüneburgischen  und  Holonseton  1050  in  Westfalen,
auch  in  Ditmarschen  Hollincstede  1329;  es  scheint  wie  bei  den  benachbarten
  Ellingstede  und  Balingstat  (1190),  j.  Bollingsted  ein  Personenname
  zugrunde  zu  liegen.  Flurnamen,  wie  „im  Busch“,  ein  Teil

1)  Siche  oben  S.  141.
2)  Stemann:  Urkundl.  Beitr.  46.