2.  Das  Kirchspiel  St.  Michaells.  177

ward  !#);  ebenso  entstand  damals  Neu-Börm  auf  den  zu  dem  Meierhofe
  gehörenden  Ländereien.  Nur  die  hochdeutschen  Namen  wie  Hager,
Meyer,  Ulrich,  Eichner,  Münch,  Kaltenbergen,  Schlegel  u.  a.  erhalten
heute  noch  die  Erinnerung  an  diese  fremden  Bestandteile  in  der  niederdeutschen
  Umgebung;  ihre  hochdeutsche  Sprache  ist  bereits  in  dem  zweiten
Geschlechte  vor  der  niederdeutschen  gewichen.  Nicht  anders  ist  es  den
westjütischen  Resten  in  Hollingsted  und  Ellingsted  ergangen,  von  jütischem
  Vollstum  ist  nichts  zurückgeblieben;  wenn  auch  hie  und  da,  wie
Angustiny  berichtet,  ein  jütisches  Wort,  wie  beten,  jüt.  bede  im  Sinne
von  „futtern“,  etgrön  (niedd.  etgrode)  u.  a.2)  hängen  geblieben  ist,
trägt  das  ganze  Kirchspiel  doch  in  seiner  Sprache  ein  rein  niederdeutsches
  Gepräge,  von  dem  auch,  soweit  zurück  unsere  Kunde  reicht,
das  allein  hier  herrschende  niederdeutsche  Bauernhaus  ein  deutliches
Zeugnis  ablegt.

Wir  haben  damit,  wie  schon  angedeutet,  die  Grenze  der  deutschen
Ansiedelung  berührt;  sie  ist,  im  eigentlichen  Sinne  genommen,  ursprünglich
  nicht  über  den  Grenzwall  hinausgegangen;  wo  niederdeutsches
Wesen  nördlich  darüber  hinaus  sich  erstreckt,  hat  es  erst  nach  und  nach
von  schon  gegründeten  Dörfern  jütischen  Ursprungs  Besitz  genommen
und  ihnen  ein  neues  Gepräge  aufgedrückt.  Um  aber  die  alte  nationale
Grenzscheide  deutlich  vor  Augen  zu  stellen,  worin  der  jütische  Bestandteil
  der  Bevölkerung  immer  stärker,  der  der  Niederdeutschen  immer
geringer  wird,  wollen  wir  zunächst  das  Kirchspiel  St.  Michaelis,  soweit
  es  das  Laudgebiet  umfaßt,  etwas  eingehender  betrachten.

2.  Das  Kirchspiel  St.  Michaelis.

Das  Kirchspiel  St.  Michaelis  erstreckt  sich,  abgesehen  von  dem
östlich  gelegeuen  St.  Jürgen,  das  seinen  Namen  nach  der  St.  Georgs=Kapelle
  und  einem  Hospital  für  Sieche  (1341)  trägt  1),  westlich  und
nordwestlich  über  weite  Heide=  und  Moorstrecken  der  Arensharde,  im

1)  lber  die  Kolonisierung  der  schleswigschen  Heiden  Zeitschrift  XXVI.  210  f.
2)  Wenn  er  und  andere  nach  ihm  auch  vaaken  als  jütische  Erinnerung
anführen,  so  ist  dazu  zu  bemerken,  daß  vaken,  vakene  auch  im  älteren  Niederdeutsch
  oft  auftritt.
3)  Sach,  Geschichte  der  Stadt  Schleswig  öff.
Sach,  Das  Herzogtum  Schleswig.  III.  12